Seddiner Ehrenpräsident schreibt Boris Johnson

Seddiner Ehrenpräsident schreibt Boris Johnson
Post vom Seddiner See: Ehrenpräsident Klaus Herlitz hat einen offenen Brief an den britischen Premier Boris Johnson geschrieben. Collage: Der Tagesspiegel/Mike Wolff

Der Britische Premierminister Boris Johnson bekommt in den nächsten Tagen Post aus dem Golf- und Country Club Seddiner See. Ehrenpräsident Klaus Herlitz sorgt sich im Falle eines Brexits um den Ryder Cup. Ein Interview mit Herlitz über einen nicht ganz ernst gemeinten Brief.

Herr Herlitz, der Brexit scheint bereits seit einiger Zeit nicht mehr abzuwenden. Wann kam Ihnen die Idee, dem Britischen Premier zu schreiben, um per Verweis auf den Ryder Cup den Brexit noch zu stoppen?

Klaus Herlitz: Vor circa zwei Wochen kam mir der Einfall. Der Ryder Cup ist ein einzigartiger Wettbewerb, der Identifikation stiftet mit Europa und ein Gemeinschaftsgefühl erzeugt – bei Spielern und Zuschauern. Ich habe mich gefragt, wie es mit dem Ryder Cup weitergehen soll, wenn die Briten die EU verlassen haben. Dürfen die dann noch mitspielen? Damit es erst gar nicht so weit kommt, habe ich einen Brief an Boris Johnson geschrieben. Kurz, knackig und natürlich mit einem Augenzwinkern.

Wissen Sie, ob Boris Johnson sich überhaupt für den Ryder Cup interessiert?

Herlitz: Er spielt auf jeden Fall Golf. Ich habe eine Reihe von Beweisfotos gesehen, auf denen Johnson allerdings keine sehr sportliche Figur macht. So wie ich die Briten kenne, die sich sogar für den Ryder Cup interessieren, auch wenn sie kein Golf spielen, wird sicherlich auch der Premierminister ein Ryder-Cup-Fan sein.

Der offene Brief von Klaus Herlitz an Boris Johnson. Foto: Privat

Um welche britischen Spieler wäre es aus Ihrer Sicht besonders schade? Justin Rose, Matthew Fitzpatrick oder Paul Casey?

Herlitz: Ich bin zugegebenermaßen nicht nah genug dran am Tourgeschehen, um einen Namen herauszuheben. Aber schade wäre es in erster Linie auch nicht um Einzelne, sondern um den Kern eines Wettbewerbs, der die Menschen verbindet. Vor einigen Jahren war ich mit einer Gruppe zum Golfspielen in Wales, der Heimat von Ryder-Cup-Held Ian Woosnam. Überraschend haben wir „Woosie“ dann sogar auf einer Golfanlage getroffen; und sofort gab es eine Verbindung, eine Gemeinsamkeit. Ich erinnere mich sehr gerne an das Gespräch mit ihm.

Aus deutscher Sicht hätte ein Ryder-Cup-Brexit durchaus Vorteile: Deutschlands Chancen als Ausrichter stiegen, und vielleicht dürfte dann auch mal wieder ein Deutscher mitspielen.

Dr. Klaus Herlitz. Foto: Privat

Herlitz: Wahr ist doch, dass wir Deutschen im Vergleich zu anderen Nationen weniger golffanatisch sind. Vielleicht ist das der Grund dafür, warum hierzulande auch der Werbewert des Ryder Cups verkannt wird. Ich hätte den Ryder Cup sehr gerne in Bad Saarow gesehen, wo ja auch einer unserer Buddy Bären steht – mit halb amerikanischer und halb europäischer Flagge.

Sie schreiben Boris Johnson, dass die britischen Spieler nach dem Brexit schlecht unter europäischen Fahne spielen können. Haben Sie einen Kompromiss auf Lager?

Herlitz: Da ich insgeheim davon ausgehe, dass die Briten auch in Zukunft mitspielen dürfen, sollte man das Ryder-Cup-Logo verändern. Das gibt es meines Wissens nach in dieser Form seit 35 Jahren. Aber kleine Änderungen am Logo sind ja selbst bei weltbekannten Marken nicht unüblich.

Gehen Sie davon aus, dass Ihnen Boris Johnson antwortet?

Herlitz: Er hat ja gerade viel zu tun. Insofern ist es wahrscheinlich, dass er meinen Brief persönlich nicht zu sehen bekommt. Aber ich rechne trotzdem damit, dass mir ein Mitarbeiter des Premierministers antworten wird.

Zur Person: Dr. Klaus Herlitz (71) ist Ehrenpräsident des Golf- und Country Club Seddiner See und war im Vorstand der Herlitz AG für Marketing und Einkauf zuständig. 2001 hat der leidenschaftliche Golfer gemeinsam mit seiner Frau Eva die Buddy Bär Berlin GmbH gegründet, deren Bärenskulpturen in Miniatur und Lebensgröße weltweite Bekanntheit genießen.

Eine Nachfrage von Tagesspiegel GOLF bei der European Tour wegen der Konsequenzen eines Brexits für den Ryder Cup wurde am 1. September 2019 folgendermaßen beantwortet: „Das entscheidende Kriterium für den Ryder Cup ist ein geographisches (umfasst alle Länder, die den Kontinent Europa bilden) und kein politisches oder wirtschaftliches (etwa durch eine Mitgliedschaft in der EU). Daher hat das Referendum in Großbritannien keinen Einfluss auf die Qualifikation zum Ryder Cup. Was die europäische Flagge mit goldenen Sternen auf blauem Grund betrifft, betrachten wir diese als Symbol für den europäischen Kontinent im Ganzen. Das europäische Ryder-Cup-Team wird auch in Zukunft unter dieser Flagge spielen.

Beste Grüße
European Tour