Die Corona-Bilanz der Golfanlagen

Die Corona-Bilanz der Golfanlagen
Loch nicht mehr nur im Rasen, sondern auch in der Kasse: Die Golfanlagen in Berlin-Brandenburg beklagen durch die Corona-Krise beträchtliche Mindereinnahmen. Foto: Mike Wolff

Wie sehr setzt die wochenlange Zwangssperrung in der Corona-Krise den Golfanlagen in Berlin und Brandenburg zu? Tagesspiegel GOLF hat sich umgehört. Trotz stattlicher Mindereinnahmen rechnet niemand damit, dass ein Golfplatz in der Hauptstadtregion vom Markt verschwindet.

„Wenn der Rest des Jahres gut läuft, dann kommen wir mit einem hellblauen Auge davon“, sagt Clubmanager Sven Geißler von der GolfRange Berlin-Großbeeren über die Folgen der Zwangsschließung. Die Anlage befände sich noch nicht wieder im Normalmodus, da seit der Wiedereröffnung nur Clubmitglieder auf dem Neun-Loch-Platz südlich von Berlin spielen durften. „Wir werden nun sehr zeitnah auch wieder für Gäste öffnen“, kündigt Geißler an. Die Mindereinnahmen bei Greenfees beziffert er für die Monate April und Mai auf etwa 50.000 Euro. Hinzu käme noch ein Umsatzminus von rund 20.000 Euro für die Driving Range. „Andere Effekte lassen sich jetzt nicht seriös abschätzen“, sagt Geißler. Ob am Ende des Jahres weniger Kunden einen Platzreifekurs gemacht haben werden, sei noch ungewiss. Immerhin sei die Nachfrage mit Wiederaufnahme des Spielbetriebs groß. „Die Golflehrer bieten nun Platzreifekurse in Fünfer-Gruppen an und waren gleich auf mehrere Wochen ausgebucht.“

Greenfee-Anteil nur 12 Prozent – zum Glück

Etwas weiter westlich, im Golf- und Country Club Seddiner See, kalkuliert AG-Vorstand Horst Schubert mit etwa 100.000 Euro weniger Umsatz pro Monat der Zwangsschließung. Insgesamt hatte die 36-Loch-Anlage im Landkreis Potsdam-Mittelmark rund fünf Wochen schließen müssen. „Weil der Landkreis auch jetzt keinen Turnierbetrieb erlaubt, musste schon eine Handvoll Sponsorenturniere abgesagt werden“, berichtet Schubert. Eines oder zwei der für Golfanlagen lukrativen Events ließen sich vielleicht im August oder September nachholen, so dass diese budgetierten Einnahmen nicht ganz verloren gingen. Glücklich kann sich die Anlage darüber schätzen, dass Greenfee-Einnahmen nur gut 12 Prozent des Jahresumsatzes ausmachen. „Das ist eine wichtige Säule, aber nicht systemrelevant“, sagt der Vorstand. Den Großteil seiner Einnahmen beziehe der Club aus Mitgliedsbeiträgen.

Mit etwa 100.000 Euro weniger Umsatz pro Monat Platzsperre kalkuliert der Golf- und Country Club Seddiner See. Foto: GCC Seddiner See

Dass andere Golfanlagen in Berlin-Brandenburg verschwinden könnten, weil sie zu einem weit größeren Teil von Gastspielern abhängig sind und jetzt in wirtschaftliche Schieflage geraten sind, glaubt Schubert nicht. „Eine Marktbereinigung wie in anderen Branchen findet im Golf nicht statt“, ist seine Beobachtung. Gehe eine Anlage in die Insolvenz, finde sich fast immer ein neuer Betreiber, der sie in sein Portfolio mit aufnehme und mit Dumpingpreisen am Markt halte. „Das setzt die anderen Golfbetriebe unter weiteren wirtschaftlichen Druck, den gerade jetzt in der Corona-Krise niemand noch zusätzlich braucht.“

Ein dickes blaues Auge

„Wir könnten mit einem dicken blauen Augen davonkommen“, sagt Ariane Fränkle, Clubmanagerin der Golfanlagen Gross Kienitz. Viele Firmen hätten Turniere abgesagt, weil sie schlecht ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken und gleichzeitig an Golfevents festhalten könnten. Zwar gebe es inzwischen wieder Turniere in Gross Kienitz, allerdings nur im kleinen Maßstab. „80 Prozent der Turniersaison, wie wir sie in der Vergangenheit kannten, wird es durch die Corona-Krise nicht geben“, schätzt Fränkle.

Ihre Betreibergesellschaft kalkuliere mit rund einem Drittel Einnahmen durch Greenfees, außerdem sei die Gastronomie in den Händen der Golfanlage. „Dadurch hat uns die Zwangsschließung natürlich sehr stark getroffen“, sagt die Clubmanagerin. 35.000 Euro Soforthilfe habe Gross Kienitz erhalten, um fällige Rechnungen bezahlen zu können. Man müsse jetzt kreativ sein, um trotz aller Einschränkungen wieder auf die Beine zu kommen. „Immerhin waren fast alle unsere Mitglieder solidarisch und haben uns auch während der Platzsperre unterstützt“, freut sich Fränkle, die darauf hofft, dass den Sommer über mehr Greenfee-Spieler nach Gross Kienitz kommen: „Solange Reisen in Wellness-Hotels mit Schwimmbädern oder ins Ausland gar nicht oder nicht so einfach möglich sind, verbringen die Golfer vielleicht ihren Urlaub in unserer schönen Region.“

Sechsstelliger Fehlbetrag in Pankow

Im Golf Resort Berlin Pankow, einer klassischen Play-and-Play-Anlage, schätzt Clubmanager Paul Wagmüller die Folgen der Zwangsschließung auf einen sechsstelligen Betrag: „Genauer kann ich das nicht sagen, da ich zurzeit wenig am Schreibtisch sitze und mich mehr darum kümmere, dass die Golferinnen und Golfer bei uns richtig vom Parkplatz auf die Golfplätze kanalisiert werden.“ Pankow sei inzwischen wieder zum Regelbetrieb zurückgekehrt. Die Deckungslücke, die auch durch den Wegfall vieler Turniere entstanden sei, trage mit Dr. Rüdiger Umhau der Eigentümer der Anlage. Soforthilfe habe der Club vom Land Berlin entsprechend seiner Mitarbeiterzahl erhalten.

Wilkendorfs Eigenregie hat ihren Preis

Den Golfpark Schloss Wilkendorf hat die wochenlange Schließung härter getroffen als andere Golfanlagen, da dort die Gastronomie, der Pro-Shop und die Golfschule in Eigenregie betrieben werden. „Wir konnten zwar durch Kurzarbeit den Verlust etwas verringern und haben auch Soforthilfe in Höhe von 30.000 Euro bezogen“, erklärt Clubmanager Thomas Schumann. „Aber 2020 werden wir durch die Folgen der Corona-Krise 150.000 bis 300.000 Euro unter Plan abschließen.“ Firmenturniere seien storniert worden, dazu sämtliche Hochzeiten, die auf der Golfanlage geplant waren. Um das Minus auszugleichen, brauche es fünf bis zehn Jahre, schätzt Schumann.

Alle Hochzeiten, die 2020 im Golfpark Schloss Wilkendorf stattfinden sollten, wurden storniert. Foto: GP Schloss Wilkendorf

„Da wir kein klassischer Verein sind, kann ich schlecht auf die Schnelle eine Mitgliederversammlung einberufen und den Mitgliedsbeitrag erhöhen oder eine Umlage beschließen“, sagt Schumann. In Wilkendorf ist es der Eigentümer, der für den Schaden aufkommt. „Vielleicht verlängern wir die Turniersaison bis in den November, wenn das Wetter mitspielt“, erwägt der Clubmanager. Das würde ein bisschen Schadensbegrenzung ermöglichen.

Rettungsschirm Sport

Etwas weniger besorgt ist man im Berliner Golf Club Gatow. „Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise sind zum jetzigen Zeitpunkt für uns noch nicht ganz abzusehen“, sagt Clubmanager Björn Maas. Die Einnahmeverluste für die Monate April und Mai lägen in Gatow zwischen 100.000 und 150.000 Euro – keine Greenfees und Turnierbeiträge, die erlassene Pacht für die Gastronomie sowie deutlich weniger Umschlag von Range-Bällen. „Wir haben daher auch versucht, unsere Ausgaben nach Möglichkeit zu minimieren“, erklärt Maas. Ein Reinigungsvertrag und die Betreuung der Pflanzen durch eine externe Firma seien reduziert worden, in der Verwaltung seien Mitarbeiter in Kurzarbeit gegangen. Sparen konnte der Club, der mit seinem Damen-Team in der Ersten Bundesliga spielt, durch die Absage der gesamten Saison der Deutschen Golf Liga. Rund 5000 Euro kostet ein Auswärtsspieltag.

Joel Goodson, Golf Berlin, Gatow, DGL, Ryan, Bailey
Für Gatows Trainer Joel Goodson und seine Erstliga-Damen (hier von links: Chloe Ryan und Jessica Bailey) fällt die DGL-Saison aus. Dem Club spart das immerhin einige Ausgaben. Foto: Arne Bensiek

„In diesem Jahr eine schwarze Null zu erreichen, ist illusorisch“, stellt Maas dennoch klar. Der Club befasse sich mit diversen Möglichkeiten, die fehlenden Einnahmen auszugleichen, beispielsweise durch den „Rettungsschirm Sport“, der bis zu 2,2 Millionen Euro für alle Erstliga-Teams der Hauptstadt vorsieht. Dass sein Club durch die Corona-Krise nachhaltig in wirtschaftliche Schieflage kommen könnte, glaubt der Clubmanager nicht.

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