Hunderttausende Euro dank Charitygolfturnieren

Hunderttausende Euro dank Charitygolfturnieren
Wo Golfer sind, da ist Geld, besagt ein hartnäckiges Klischee. Richtig ist, dass viele Golfer für wohltätige Zwecke spenden. Foto: Arne Bensiek

Turniere für einen guten Zweck sind in Golfclubs so selbstverständlich wie das 14-tägige Herren- und Damengolf oder die Clubmeisterschaft. Auf den Golfplätzen in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern wurde 2019 im sechsstelligen Bereich gespendet.

Eine Gesamtzahl, wie hoch die Spenden bei Charity-Golfturnieren ausfallen, erhebt niemand. Aber allein in der Hauptstadtregion kamen in diesem Jahr mehrere Hunderttausend Euro für wohltätige Zwecke zusammen. Das ergibt eine Umfrage von Tagesspiegel GOLF. In fast allen Golfclubs finden pro Saison mehrere Charity-Events statt, zu denen mal der Club selbst, mal Vereine, Firmen oder Organisationen aufrufen. Oft auch gemeinsam, wenn zum Beispiel der Club seinen Platz für die Turniere kostenfrei zur Verfügung stellt – und damit die Spenden erst ermöglicht.

Angelika Behm, Geschäftsführerin des Diakonie-Hospiz Wannsee,
freut sich mit Ralf Brümmer, Geschäftsführer der Securitas Key Account, der ehemaligen Staatssekretärin Barbara Loth und Rechtsanwalt und Notar Klaus Höpken über 9000 Euro für den guten Zweck. (von links) Foto: Promo

Aber warum sind die Sportart Golf und das Spenden für einen guten Zweck so eng verbunden? Enger als die meisten anderen Sportarten, wie es scheint. Petra Schönfelder-Brümmer, die im Golfclub Gross Kienitz jedes Jahr ein Charity-Golfturnier zugunsten des Diakonie-Hospiz Wannsee mitorganisiert, hat eine Erklärung: „Golfer bewegen sich inmitten wunderschöner Natur bei herrlicher Ruhe. Sicher ein Privileg, das den meisten Golfspielern auch wirklich bewusst ist und für das sie sehr dankbar sind. Charity-Turniere bieten die Möglichkeit, etwas zurückzugeben an Benachteiligte, und dabei hilft es natürlich, dass unter den Golfern einige recht wohlhabende Menschen sind und somit oft hohe Spendensummen zusammengetragen werden.“

Die Idee für das Turnier zugunsten des Diakonie-Hospiz Wannsee stammt von der ehemaligen Berliner Staatssekretärin Barbara Loth. Als Veranstalter und Sponsoren engagierten sich Rechtsanwalt und Notar Klaus Höpken sowie Bauunternehmer Stephan Skalda. Durch ihre Unterstüttung, die des Golfclubs, das Startgeld der Teilnehmer sowie eine Tombola kam in Gross Kienitz ein Spendenerlös von 9000 Euro zusammen. Das Hospiz, das über 14 Plätze für Sterbenskranke verfügt, ermöglicht mit diesem Geld Angebote wie Musik, Massagen oder Besuche von Tieren.

„Wir sind jedes Jahr aufs Neue beseelt“

„Golf ist heute nicht mehr elitär, aber es gibt viele Golfer, die sehr gerne etwas geben, wenn sie einen tollen Tag auf dem Golfplatz verbracht haben“, sagt Christian Fischer vom Lions Club Berlin-Kurfürstendamm. Bei der bereits 23. Auflage des Berliner Lions Charity-Cups im Golf- und Country Club Seddiner See kam im Juli eine Spendensumme von 13.000 Euro zusammen, die an das Kinderhaus Berlin-Mitte und das Ricam-Hospiz gingen. Auch die Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU in Neukölln spendet den Erlös seines Charity-Golfturniers im Berliner Golf & Country Club Motzener See jedes Jahr dem Ricam Hospiz, in diesem Jahr – dem fünften – außerdem dem Verein Berlin zeigt Herz.

Beim Golf Medien Cup im Golfpark Schloss Wilkendorf kamen in diesem Jahr 12.000 Euro an Spendenerlös zusammen. Foto: Martin Beck

Eine feste Charity-Institution ist der Golf Medien Cup im Golfpark Schloss Wilkendorf, der Anfang August wieder 12.000 Euro für den Verein „Icke in Buch“ einbrachte. „Das Turnier bedeutet für uns einen großen organisatorischen Aufwand, aber wir sind jedes Jahr aufs Neue beseelt vom Ergebnis“, sagt Heike Heider von der DUO Werbeagentur, die gemeinsam mit Christian Niedlich den Abend mit Siegerehrung, Tombola und abschließender Party moderiert. „Birgit Winter von Icke in Buch war da und hat von der Arbeit des Vereins berichtet, der chronisch kranken Kindern und deren Eltern hilft“, sagt Heider. Das schaffe Nähe.

Im Berliner Golf Club Gatow kamen bei Turnier für das Soldatenhilfswerk mehr als 4000 Euro zusammen. Der Wanderpreis des stellvertretenden Generalinspekteurs wurde bereits zum 13. Mal ausgespielt. „Das Soldatenhilfswerk unterstützt Kinder von geschädigten Soldaten und versorgt Angehörige nach schweren Unfällen“, sagt Edgar P. Chaputa, ehemaliger Regimentskommandeur in Berlin und Leiter der Bundeswehr-Neigungsgruppe Golf in Berlin und Potsdam. „Golf ist ein Lebensgefühl, ein Privileg, das einen auch an andere denken lässt, denen es weniger gut geht“, ist Chaputa überzeugt.

„Beim Golf gewinnt man fürs Leben“

Der Synchron Golf Club – ein Zusammenschluss von Golfern aus der Filmbranche mit Heimat in Golf Fleesensee – unterstützt mit seinem Synchrongolfcup traditionell die Stiftung Kinderherz. 2500 Euro kamen bei der 11. Auflage im Juni zusammen, die bereits an das Kinderherz-Zentrum Berlin übergeben wurden. „Bei unserem Sport verliert man zwar ständig, ist sich aber bewusst, dass man unterm Strich doch fürs Leben gewinnt“, erklärt Stefan Rüdel, Vize-Präsident des Synchron Golf Clubs, die Spendenbereitschaft der Golferinnen und Golfer.

Statt Geldspenden lassen die GOFUS mit Zuhause in Bad Saarow bundesweit Bolzplätze in sozialen Brennpunkten bauen. Durch das Projekt „PLATZ DA!“ wurden bis heute mehr als 150 Spiel- und Bolzplatzprojekte geschaffen. Gemeinsam mit Partnern, Kommunen oder Städten konnte der Club der golfspielenden Fußballer so ein Gesamtprojektvolumen von weit über sieben Millionen Euro realisieren.

Es ist unmöglich, alle Charity-Golfturniere im Blick zu haben. Möchten Sie, dass wir Ihr Turnier ebenfalls erwähnen? Dann schreiben Sie uns an golf@tagesspiegel.de welche Spendensumme das Turnier erreicht hat und welchem guten Zweck das Geld zufließt.

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