„Nichts spricht gegen Golfspielen“

„Nichts spricht gegen Golfspielen“
Frische Luft, kleine Gruppen, kein direkter Kontakt zu Mitspielern nötig: Golf ist nach Virusmaßstäben eher unbedenklich. Foto: Mike Wolff

Für Golfclubs in Berlin-Brandenburg könnten die Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus existenzgefährend werden. Dabei ist Golf selbst eher unbedenklich: frische Luft, maximal vier Personen pro Flight, kein Kontaktsport. Mit Spannung blicken die Clubs auf den Verlauf des Wochenendes.

Den gebuchten Tee-Times nach zu urteilen, lassen sich die Golferinnen und Golfer der Hauptstadt von der Ausnahmesituation nicht beängstigen. Im Berliner Golfclub Stolper Heide, im Golf- und Country Club Seddiner See oder etwa im Berliner Golf & Country Club Motzener See freuen sich die Mitglieder auf den Saisonbeginn und gehen auf den Platz. „Es spricht aus unserer Sicht nichts dagegen“, sagt Clubsekretär Joe Otto aus Stolpe. Golf finde im Freien statt, in kleinen Gruppen, die versprengt über den Platz liefen.

„Wir raten vom Bier nach der Runde ab“

Sofern auf Umarmungen oder den üblichen Händedruck nach der Runde verzichtet wird, besteht beim Golf sicher keine besondere Gefahr, Viren zu übertragen – vergleichbar fast mit einer Runde Joggen im Wald. „Unsere Turniere werden weiterhin stattfinden, aber es wir veranstalten keine Siegerehrungen“, so Otto. „Wir können die Leute nicht daran hindern, hinterher ein Bier zu trinken, aber wir raten eher davon ab.“

Motzen Präsident Hans-Georg Giering. Foto: Mike Wolff

Auch im Berliner Golf & Country Club Motzener See ist die Liste mit den Startzeiten für dieses Wochenende voll. Das Management tagt am Samstagmorgen, um zu besprechen, inwieweit der Betrieb der clubeigenen Gastronomie auf die besondere Situation angepasst wird. Man erwägt zum Beispiel, begünstigt durch die gute Wetterprognose, die Verpflegung unter freien Himmel zu verlegen. „Gegen Golf draußen auf dem Platz spricht nichts, aber es wäre nicht gut, wenn anschließend hundert Golferinnen und Golfer drinnen im Restaurant sitzen“, findet Clubpräsident Hans-Georg Giering. So schwierig es falle, das zu sagen. Denn der Club finanziere sich zur einen Hälfte aus Mitgliedsbeiträgen und zur anderen auf dem Greenfee-Geschäft, den Einnahmen aus der Gastronomie sowie den Firmenturnieren.

Mitgliederversammlungen abgesagt

Horst Schubert, Vorstand der Golf- und Country Club Seddiner See AG. Foto: Mike Wolff

Der Golf- und Land-Club Berlin Wannsee sowie der Golf- und Country Club Seddiner See haben ihre Mitgliederversammlungen, die für dieses Wochenende geplant waren, kurzfristig abgesagt. „Golfspielen ist kein Problem, aber Veranstaltungen mit großen Gruppen werden in der gewohnten Art vorerst nicht mehr möglich sein“, sagt Seddins AG-Vorstand Horst Schubert. Das werde wohl auch für den Verbandstag des Deutschen Golf Verbands (DGV) Ende April gelten. Der DGV habe an alle Clubs indes Hygienehinweise verschickt, die der Club natürlich umsetze, betont Schubert.

Auch wenn Golf nach Infektionsmaßstäben ein risikoarmer Sport sei, dürften die Golfclubs mittelfristig die Folgen der Corona-Krise zu spüren bekommen: „Die Einschränkungen durch das Virus bedeuten für viele Menschen finanzielle Einbußen“, sagt Schubert. „Sicherlich wird dem die ein oder andere Clubmitgliedschaft zum Opfer fallen.“

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