Berliner Golfclubs investieren in Birdiebooks

Berliner Golfclubs investieren in Birdiebooks
Sind Birdiebooks ein Auslaufmodell? Für viele Golfclubs in der Hauptstadtregion nicht.

GPS-Geräte, Laser und Golfuhren laufen dem Birdiebook scheinbar den Rang ab. Doch statt eines Abgesangs erleben die gedruckten Bahneninformationen in den Golfclubs der Hauptstadtregion gerade eine Wiedergeburt.

Der Golf- und Land-Club Berlin Wannsee hat jüngst ein neues Birdiebook in Umlauf gebracht, das über die Grenzen des Clubs hinweg für Aufsehen sorgt. Grund dafür ist nicht die großzügige Anzahl von Entfernungsangaben oder die gelungene, dreidimensional anmutende Grafik, sondern, dass jedes Grün darin mit seinen Konturen exakt erfasst und jedes erdenkliche Gefälle mit einer entsprechenden Gradzahl entschlüsselt ist. „Wir haben mit unserem neuen Birdiebook den Standard deutlich angehoben“, freut sich Mario Hansch, Trainer von Wannsees Bundesliga-Damen.

Birdiebooks, Berlin, Bad Saarow, Golf
Viele Zahlen und eine ansprechende Grafik: So sehen gute Birdiebooks aus. Foto: Mike Wolff

Als sportlich ambitionierter Club, der Spielerinnen und Spieler auf das allerhöchste Niveau bringen wolle, müsse sich Wannsee an den Birdiebooks der Tour orientieren. „Wenn ein Tourspieler zu uns kommt und das Birdiebook in die Hand nimmt, dürfte er keine Fragen mehr haben“, ist sich Hansch sicher. Wie in vielen Clubs üblich, hat Wannsee das kleine Handbuch über Sponsoren finanziert und verteilt es – eher unüblich – gratis an Mitglieder genauso wie an Gäste. Mario Hansch sagt, er glaube an den Fortbestand von Birdiebooks, zumindest solange Golfclubs nicht zu viel Geld dafür verlangten: „Die Schmerzgrenze liegt wahrscheinlich zwischen 7 und 10 Euro.“

Wo liegt die preisliche Schmerzgrenze?

Wenn das stimmt, dann ist es Alexander Stewowitsch und seiner Berliner Firma MGG Caddy gelungen, diese Schmerzgrenze ein gutes Stück nach oben zu verschieben. 15 Euro kostet ein Exemplar des Birdiebooks, das Stewowitsch für den Golfclub Gross Kienitz, südlich der Hauptstadt, produziert hat. Und wie der Unternehmer berichtet, habe der Club im vergangenen Jahr ganze 450 Birdiebooks verkauft. Wie das möglich ist? „Es steckt viel mehr drin als im durchschnittlichen Birdiebook“, erklärt Stewowitsch.

Zwei Tage lang habe er zusammen mit Kollegen auf dem Platz mittels GPS-Technik und Laser die Lage sämtlicher Hindernisse vermessen. In der Darstellung der Spielbahnen sind um Abschläge und Grüns Entfernungskreise gezogen, im Abstand von jeweils zehn Metern, so dass ein Blick ins Birdiebook ein Maximum an Orientierung bietet. Die Konturen und Falllinien der Grüns sind eingezeichnet. Der größte Unterschied aber besteht in der umfangreichen Dokumentation, die das Birdiebook aus Gross Kienitz erlaubt: aktuelles Handicap, Datum, Wetter, Startzeit, Greenfee, Qualität der Grüns, Fairway- und Grüntreffer, Anzahl von Bogeys, Pars und Birdies – das sind noch nicht einmal alle Felder, die auf einer Art Scorekarte für bis zu fünf Runden ausgefüllt werden können.

Birdiebook, Golf, Berlin, Stolper Heide
Verloren im Raum: Solche Birdiebooks mit kaum nennenswerten Angaben dürften keine Zukunft haben. Foto: Mike Wolff

„Inspiriert haben mich zu diesem detaillierten Birdiebook die Logbücher vom Tauchen“, sagt Stewowitsch. „Es macht einfach Spaß, später noch einmal reinzuschauen und sich dadurch an die Runden zu erinnern.“ Die genaue Auswertung ermögliche auch, Schwachstellen im Spiel zu erkennen und sein Training danach auszurichten. Obwohl er sehr computeraffin sei, findet Stewowitsch, dass beim Abspeichern von Rundenergebnissen in Handy-Apps, GPS-Geräten oder Golfuhren das Emotionale am Golfsport verloren ginge. „Den Andenkenfaktor, den Birdiebooks haben, kann keine Technik ersetzen“, ist er überzeugt.

Bad Saarow arbeitet an neuen Birdiebooks

Im Golf Club Bad Saarow würde niemand auf die Idee kommen, sich vom gedruckten Birdiebook zu verabschieden. „Von uns als Golfresort erwarten die Leute so etwas“, sagt Golfmanagerin Saskia Zieschank. Auch ihr sei natürlich aufgefallen, dass die Verkaufszahlen trotz läppischer 3,50 Euro zurückgegangen sind. Die Managerin gibt sich jedoch selbstkritisch: „Ich würde unseren Birdiebooks wegen der wenigen Informationen nur die Schulnote 4 geben.“ Gerade deshalb habe der Club zum Beginn der kommenden Saison eine neue Generation Birdiebook geplant. „Das kann sich dann wirklich sehen lassen“, verspricht Zieschank.

Der Berliner Golfclub Stolper Heide wird schon Mitte September zwei neue Birdiebooks für seine beiden 18-Loch-Plätze in den Verkauf bringen, die sich an der Machart von Tourbooks orientieren und sich entsprechend an ambitionierte Spielerinnen und Spieler richten. 15 Euro ist der Preis dafür, gegenüber 4 Euro für die bisherigen, weniger detailreichen Birdiebooks, die es auch weiterhin geben wird. Einerseits sagt Stolpes Clubsekretär Joachim Otto: „Die Zeiten sind vorbei, in denen jeder Gast ein Birdiebook gekauft hat.“ 190 Exemplare des inzwischen vier Jahre alten Birdiebooks habe der Club vergangenes Jahr verkauft – weniger als jeweils in den Jahren zuvor. Andererseits findet Otto: „Das neue Birdiebook passt sehr gut zu uns als Club mit hohem sportlichen Anspruch.“

Werden Greenbooks verboten?

Der Clubsekretär selbst hat die Entfernungsdaten für die neuen Bücher erfasst. Und natürlich hat man sich in Stolpe im Vorfeld auch die Bücher der anderen Clubs genau angeschaut. „Das neue Birdiebook von Wannsee ist sehr hilfreich“, sagt Spielführer Hans Hachenberg. Allerdings hätten die Regelhüter im schottischen St. Andrews einen Zusatz zu den Golfregeln in Planung, der es verbiete, in Birdiebooks ein Grüngefälle auszuweisen, das geringer ist als 4 Prozent. Ob diese Restriktion auch fürs Amateurgolf gelten würde, ist noch unklar. Auf der European Tour sind laut Deutschem Golf Verband (DGV) die sogenannten Greenbooks jedenfalls schon jetzt nicht erlaubt.

Wie die Entscheidung auch ausfallen mag: Im Golf- und Land-Club Berlin-Wannsee werden demnächst die in die Jahre gekommenen Grüns ganz neu gemacht. Die Konturen werden andere sein als bisher. Dann braucht es in jedem Fall ein neues Birdiebook.