Stolpes Carl Siemens ist Deutscher Vizemeister

Stolpes Carl Siemens ist Deutscher Vizemeister
Carl Siemens vom Berliner Golfclub Stolper Heide ist frischgebackener Deutschlander Vizemeister der AK16. Foto: Privat

Erst im Stechen musste sich Carl Siemens geschlagen geben: Der 15-Jährige vom Berliner Golfclub Stolper Heide ist frischgebackener Deutscher Vizemeister 2019 der AK16 – und ab dieser Woche im südspanischen Sotogrande zuhause, in einer namhaften Golfakademie.

Mit seinen erst 15 Jahren und einem Handicap von +1,6 gilt Carl Siemens als eines der größten Golftalente der Hauptstadtregion. Die Leistungssprünge, die er in den vergangenen zwei Jahren unter Coach Gregor Tilch im Berliner Golfclub Stolper Heide gemacht hat, versetzen den Schüler selbst in Erstaunen. 2018 gewann Siemens bei der Deutschen Meisterschaft in der Altersklasse bis 14 Jahre Bronze. Bei den diesjährigen Titelkämpfen – nun in der nächsthöheren AK16 – gehörte der Berliner zu den Mitfavoriten auf den Titel.

Nach drei Runden (70, 69, 71) im Golfclub Reischenhof, südlich von Ulm, lag Siemens sechs Schläge unter Par. Mit zwei weiteren Spielern teilte er sich die Führung und musste daher ins Stechen um den Deutschen Meistertitel. Geschlagen geben musste er sich erst am dritten Extraloch, an dem sich Tim Bertenbreiter vom Golfclub Hösel mit einem Birdie die Goldmedaille sicherte. „Über den Ausgang des Stechens ärgere ich mich weniger als über die beiden Bogeys auf den Löchern 16 und 17 meiner dritten Runde“, sagt Siemens. Die beiden Schlagverluste brachten ihn von -8 auf -6 – und seine Kontrahenten überhaupt wieder ins Geschäft.

Mit 15 Jahren hat Carl Siemens ein Handicap von +1,6. Foto: Privat

Doch für einen Blick zurück bleibt nicht viel Zeit: Am Sonntagabend um 21 Uhr nahm Siemens den Flieger von Stuttgart nach Berlin, wo schon sein gepackter Koffer wartete. „Die Nacht wird kurz, das Taxi zurück zum Flughafen Tegel ist für 4 Uhr bestellt“, erzählt er. Denn um 6 Uhr fliegt er nach Málaga, von wo aus es für ihn weitergeht nach Sotogrande, seinem neuen Zuhause.

Bisher ging der 15-Jährige auf das Georg-Herwegh-Gymnasium in Hermsdorf, an der nördlichen Stadtgrenze von Berlin. Die Schule habe zwar immer wieder Rücksicht auf seine Entwicklung als Golfer genommen, habe bis zu einem bestimmten Ausmaß seine Abwesenheit für wichtige Turniere akzeptiert. „Aber in der zehnten Klasse, die jetzt kommt und zum Mittleren Schulabschluss führt, wäre das so nicht mehr möglich gewesen“, berichtet Siemens. Im Sommer besuchte er daher die Internationale Schule von Sotogrande, die eine Kooperation mit der Jason Floyd Golf Academy unterhält – und entschied sich letztlich für diesen Weg. Zunächst für ein Jahr.

„Viel besser am kurzen Spiel arbeiten“

„Die Bedingungen dort sind sehr gut“, schwärmt der Berliner. Schulunterricht ist täglich von 9 bis 13 Uhr, danach bleibt viel Zeit für Training. Für einen Golfer, der sich verbessern will, bietet der Süden Spaniens noch einen weiteren immensen Vorteil: das gute Wetter. „Anders als in Berlin kann ich dort den ganzen Winter über auf sehr guten Grüns spielen und viel besser an meinem kurzen Spiel arbeiten“, sagt Siemens. Seine Stärke sei bisher sein langes Spiel gewesen, vor allem die Eisen. Und sein kühler Kopf. „Ich glaube, ich spiele schlauer als viele Gleichaltrige, minimiere das Risiko und lasse zum Beispiel den Driver auch mal stecken.“

Seit er acht Jahre alt ist, spielt der Hermsdorfer Golf. Die Großeltern sind Golfer, der Vater auch. „Er hat mich zum Golf gebracht, hatte schon mal ein Handicap von -2, mittlerweile -4 “, erzählt Siemens. Wenn sein Vater ihn zu Turnieren begleite – was immer wieder vorkomme –, dann könne dieser eine echte Hilfe sein. Auf der Proberunde spreche er mit seinem Vater über spieltaktische Dinge. „Aber er ist niemand, der mir reinredet“, stellt Siemens klar.

Wiedersehen mit Gregor Tilch in Florida

In Sotogrande erwarten ihn Unterricht auf Englisch, obligatorische Spanischstunden, Wohnen im Doppelzimmer des Wohnheims, direkt am Golfplatz, und andere deutsche Nachwuchsspieler wie etwa Jugend-Nationalspieler Tiger Christensen vom Hamburger Golf Club Falkenstein. Zehn Drei-Tages-Turniere spielen die Schülern der Jason Floyd Golf Academy den Winter über. Und Ende Dezember geht es nach Florida zur Doral Publix Junior Golf Classic, wo Carl Siemens spätestens seinen Coach Gregor Tilch wiedersehen wird.

Wie die Arbeit zwischen Tilch und ihm bis dahin aussieht, das sei noch nicht entschieden, sagt Carl Siemens. Er wisse, was er seinem Trainer zu verdanken habe und gestehe offen: „Ich frage mich natürlich, ob sich mein Spiel in Spanien genauso gut weiterentwickeln wird wie in der jüngeren Vergangenheit.“ Denn er habe klare Ziele. „Ich möchte gerne eines der großen internationalen Jugendturniere gewinnen und mit einem Stipendium für ein gutes College in die USA.“

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