Carl Siemens: Für den Traum zurück nach Berlin

Carl Siemens: Für den Traum zurück nach Berlin
Großer Golfer: Carl Siemens vom Berliner Golfclub Stolper Heide gehört zum Junior Golf Team Germany. Foto: Mike Wolff

„Ich habe in Spanien viel für mein Golfspiel gelernt“, sagt Carl Siemens. Ein halbes Jahr lang war der 16-Jährige an der Jason Floyd Golf Academy und der Sotogrande International School. Nun ist er zurück in Berlin, wo er sich noch größere Schritte auf dem Weg zur Golfkarriere erhofft.

Im September 2019 war der Berliner Schüler ins südspanische Sotogrande gezogen, überzeugt von den Trainingsmöglichkeiten der Jason Floyd Golf Academy und der Gewissheit, auch im Winter bei besten Bedingungen an seinem Golfspiel arbeiten zu können. Floyd hat für Trainerguru David Leadbetter gearbeitet und eine Golfakademie für Jugendliche aufgebaut. Siemens (Handicap +1,5) hat sein Können bei Gregor Tilch im Berliner Golfclub Stolper Heide gelernt und wurde im vergangenen Jahr Zweiter bei der Deutschen Meisterschaft der Altersklasse 16 und 14. bei der Herren-DM.

Im Internat der Sotogrande International School habe er Selbstständigkeit entwickeln müssen, erzählt Siemens. „Meine eigene Wäsche zu waschen war da nur einer von mehreren Punkten.“ Die Schule gewährte ihm wiederum die nötige Flexibilität, um sein tägliches Golftraining und die regelmäßigen Turniere unterzubringen. Statt Stolpe und Wannsee hießen die Plätze für ihn zuletzt Sotogrande und Valderrama.

Für einen 16-Jährigen unheimlich reif im Kopf, sagt Trainer Gregor Tilch über seinen Schützling Carl Siemens. Foto: Mike Wolff

„Die Grüns dort sind deutlich härter, ondulierter und schneller, als wir das in Deutschland kennen“, berichtet Siemens. Auf den anspruchsvollen Plätzen habe er sehr viel für sein kurzes Spiel gelernt. Bei den Annäherungen sei es entscheidend, das Grün unter keinen Umständen auf der falschen Seite zu verfehlen. „Diese Art einen Golfplatz zu sehen, fehlt uns in Deutschland, weil unsere Plätze es nicht erfordern“, sagt Gregor Tilch. „Das hat Carl jetzt verinnerlicht, und das wird ihm auf seinem weiteren Weg helfen.“

Training war ihm nicht individuell genug

Diesen Weg will der junge Berliner nun nicht weiter in Südspanien, sondern mit seinem Heimtrainer Gregor Tilch gehen. „Ich habe leider zuletzt mein langes Spiel nicht so weiterentwickeln können, wie ich mir das erhofft hatte“, erklärt Siemens. „Das Training an der Jason Floyd Golf Academy war mir nicht individuell genug.“ Durch einen Umbau der Academy habe er zuletzt nur selten mit Floyd selbst trainiert. Hinzu kam letztlich die Corona-Pandemie mit ihren umfangreichen Einschränkungen. „Ich habe von der Academy Videos bekommen, mit denen ich bis zum Sommer hätte trainieren sollen, aber das hätte mich nicht weitergebracht“, ist Siemens überzeugt.

Auf den Plätzen in Südspanien hat Carl Siemens viel für sein kurzes Spiel gelernt. Foto: Mike Wolff

Also habe er für sich entschieden, den Schritt zurück nach Berlin zu machen, der für ihn ein Schritt nach vorne sei. Ermöglicht hat das einerseits die Poelchau-Schule im Olympiapark, eine Elite-Schule des Sports, die schon Stolpes Falko Hanisch besucht hat – und jetzt der gute Schüler Carl Siemens (Notenschnitt 1,3). Andererseits hat der Rückkehrer in Berlin die Sicherheit, dass Gregor Tilch weiter individuell mit ihm an seiner golferischen Entwicklung arbeiten wird. Und die hat der mit 1,91 Meter schon großgewachsene Junioren-Nationalspieler schon klar vor Augen: „Ich will die Nummer eins der Welt werden und das Masters gewinnen.“

„Mir imponiert Carls Motivation“

Für Gregor Tilch ist der 16-Jährige mehr als nur ein sehr guter junger Golfspieler. „Carl ist für sein Alter unglaublich reif im Kopf“, schwärmt der Co-Nationaltrainer. Von seinen eigenen Fähigkeiten überzeugt und doch demütig und fleißig zu sein, das sei genau die Mischung, die es für eine erfolgreiche Golfkarriere brauche. „Mir imponiert Carls Motivation“, sagt Tilch, der in Stolpe auch mit Nationalspielern wie Timo Vahlenkamp und Polly Mack arbeitet.

Er habe Selbstständigkeit gelernt, sagt Carl Siemens mit Blick zurück auf das halbe Jahr in Spanien. Foto: Mike Wolff

Derzeit ist Carl Siemens mit dem Junior Golf Team Germany zu einem Trainingslehrgang in WINSTONgolf bei Schwerin. Wie genau die Turniersaison für den jungen Berliner aussehen wird, ist angesichts diverser Absagen noch kaum zu planen. Das Ziel ist es, so viele Weltranglistenpunkte zu sammeln wie möglich, um an großen internationalen Turnieren teilnehmen zu können. Die nächsten Gelegenheit, die sich bieten, finden im Juni in Valley bei München und im Juli beim GTGA Invitational im Berliner Golfclub Stolper Heide statt – ein Heimspiel für Siemens.

Im Winter sind Trainingsreisen geplant

Was die harten, ondulieren und schnellen Grüns betrifft und die guten Trainingsbedingungen im Winter, die sich in Berlin nicht so bieten wie in Südspanien, hat Carl Siemens mit seinen Eltern und Gregor Tilch eine Alternative gefunden. Beiträge, die eigentlich für die Jason Floyd Golf Academy eingeplant waren, möchte Siemens zukünftig in Trainingsreisen investieren wie etwa im November 2018, als er Gregor Tilch zu einem Trainingslager nach Las Vegas begleitete. „Die Golfplätze haben mich wirklich beeindruckt“, erinnert sich Siemens.

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