College-Golf: „Viel Training, kein Feedback“

College-Golf: „Viel Training, kein Feedback“
Bangt um die College-Golf-Saison: David Rauch vom Berliner Golfclub Stolper Heide, der für die University of Nevada Las Vegas spielt. Archivfoto: Mike Wolff

Im T-Shirt stand David Rauch am letzten Tag des Jahres fünf Stunden lang auf dem Golfplatz. „Die milden Temperaturen in Las Vegas machen Freude“, sagt der Berliner College-Golfer. Ganz anders als der Ausblick auf die Turniersaison, die wegen Corona schon jetzt zusammengestrichen wurde.

„Ich habe gestern erfahren, dass die ersten drei Turniere unserer Conference abgesagt wurden“, berichtet Stolper Heides College-Golfer frustriert. Im September hat David Rauch sein letztes Turnier gespielt, die Einzel-Europameisterschaft in Zürich. Der Liga-Spielbetrieb seines College-Teams ruht wegen der Corona-Pandemie. Und die Hoffnung auf Besserung in der kommenden Saison hat nun einen ersten Dämpfer bekommen. „Die drei Turniere wären Anfang Februar, Ende Februar und Anfang März gewesen“, sagt Rauch. Fest steht damit, dass der Berliner College-Student mindestens zwei weitere Monate keine Wettkampfpraxis wird sammeln können.

Gregor Tilch: „Eine Katastrophe“

„Für die sportliche Entwicklung ist das eine Katastrophe“, sagt Gregor Tilch, Rauchs Trainer in Stolper Heide und als Co-Bundestrainer für die deutschen College-Athleten zuständig. David Rauch habe es am härtesten getroffen, da die Mountain West Conference, in der die University of Nevada Las Vegas (UNLV) antritt, USA-weit mit den stärksten Einschränkungen auf die Pandemie reagiere.

Gatows Victoria-Sophie Schrödl hat ihre letztes College-Turnier im April gespielt. Foto: Privat

Polly Mack und ihr Team der University of Alabama sowie Marcel Rauch mit der University of Arkansas at Little Rock hätten den Herbst über noch spielen können und nun auch Aussicht auf einen geregelten Turnierplan. Ebenso wie Nationalspieler Luc Breuer, der sich kürzlich dem Berliner Golfclub Stolper Heide angeschlossen hat, und ein Studium an der University of South Florida aufnimmt. Victoria-Sophie Schrödl vom Berliner Golf Club Gatow, die an der Fairleigh Dickinson University in New Jersey studiert, hat ihre letzte College-Golf-Turnierrunde im April gespielt, dann wurde die Saison der North-East Conference abgesagt. „Die Basketballer unserer Uni spielen schon wieder, deswegen hoffe ich, dass es in der neuen Saison auch Golfturniere geben wird“, sagt Schrödl. Der fehlende Wettkampf erschwere die Motivation fürs Training spürbar.

Colleges zum Sparen gezwungen

Viele US-Colleges haben ihre Sportprogramme zuletzt stark gekürzt, da ihnen Einnahmen aus dem sehr einträglichen College-Football fehlen, das ebenfalls ausgesetzt wurde und traditionell andere Sportarten querfinanziert. Nach zwei Jahren an der Florida Atlantic University hat beispielsweise Stolper Heides Lynes Behling sein Stipendium eingebüßt. „Er wird sein Bachelorstudium das verbleibende Dreivierteljahr durchziehen und weiter auf eigene Faust trainieren und spielen, denn Turniere gibt es in den USA glücklicherweise viele“, sagt Gregor Tilch.

David Rauch mit UNLV-Herren-Coach Dwaine Knight. Foto: UNLV

David Rauch versucht derweil, das Beste aus seiner Situation in Las Vegas zu machen: „Ich habe jetzt extrem viel Zeit, um an Sachen zu arbeiten, für die während der Saison nicht die Zeit oder der richtige Augenblick ist“, erzählt der Student. Er arbeite stark an seiner Fitness, versuche Muskelmasse zuzulegen, um mehr Geschwindigkeit zu generieren. „Nicht im Ausmaß von Bryson de Chambeau, aber so, dass ich mit den anderen mithalten kann“, sagt Rauch. Die fehlende Wettkampfpraxis empfinde er als sehr negativ. „Turniere kann man nicht simulieren und daher ist es schade, nicht zu sehen, ob mir mein Training weiterhilft und positive Auswirkungen hat, wenn es zählt.“ Das Feedback fehle. „Aber ich versuche, das Positive überragen zu lassen, mich vom Negativen nicht runterziehen zu lassen“, betont der Berliner.

Zwei Corona-Tests pro Woche

Zu den positiven Aspekten zählt, dass den College-Athleten die „Corona-Saison“ nicht auf ihre vier Jahre währende Spielberechtigung angerechnet wird. Heißt: David Rauch darf nach seinem Bachelor-Abschluss auch als Masterstudent noch für das College-Team von UNLV spielen. Wenn in Kürze das Semester und das offizielle Team-Training wieder beginnt, kommt für Rauch zu den jetzt schon üblichen zwei Corona-Tests pro Woche noch zusätzlich vor jedem Training ein Temperatur-Check auf dem Campus. „Ich wohne inzwischen direkt neben dem Golfplatz, muss dann aber pro Strecke 20 Minuten mit dem Auto zum Fiebermessen fahren und wieder zurück, das ist schon ätzend“, sagt Rauch. „Aber es ist einfach, sich darüber aufzuregen.“ Unterm Strich sei das Prozedere vernünftig.

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