„Supermarkt gefährlicher als Golfplatz“

„Supermarkt gefährlicher als Golfplatz“
Wie groß ist die Gefahr, sich auf dem Golfplatz mit dem Corona-Virus anzustecken? Geringer als im Supermarkt, sagt GVBB-Präsident Harald Binnewies. Foto: GCC Seddiner See

Berlins Golfanlagen sind nach einem Senatserlass seit dem Wochenende geschlossen, um die Ausbreitung des Corona-Virus zu verhindern. In Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern steht eine Schließung bevor. „Medizinisch ist das nicht zu begründen“, findet GVBB-Präsident Harald Binnewies.

„Es ist schwer vorherzusagen, was als nächstes passiert, weil fast stündlich neue Einschränkungen bekannt werden“, sagt Harald Binnewies, Präsident des Golfverbands Berlin-Brandenburg. Der Golf- und Land-Club Berlin Wannsee sowie der Berliner Golf-Club Gatow sperrten schon am Samstag ihre Plätze und Übungseinrichtungen für jeglichen Spielbetrieb, weil der Berliner Senat am Freitagabend die Schließung aller öffentlichen Sportanlagen angeordnet hatte. Im Golf Resort Berlin Pankow – die dritte Golfanlage auf Berliner Gemarkung – fuhr am Samstag sogar die Polizei vor und ließ alle Teilnehmer eines laufenden Turniers vom Platz holen. Seitdem ruht auch dort der Ball.

„Finde die Schließung nicht richtig“

Harald Binnewies Golf Berlin
GVBB-Präsident Harald Binnewies. Foto: Mike Wolff

„Natürlich ist ein gewisser Aktionismus in der jetzigen Situation verständlich“, räumt GVBB-Präsident Binnewies ein, bevor die Bundesregierung am Montagabend die Schließung von öffentlichen Sportstätten in ganz Deutschland verkündet. „Aus meiner Sicht ist das Risiko, sich mit dem Corona-Virus anzustecken im Supermarkt aber weit höher als auf dem Golfplatz.“ Dass der Trainingsbetrieb und Turniere abgesagt würden, sei verständlich. Auch eine Schließung der Clubhäuser könne er nachvollziehen. „Das Golfspielen zu verbieten, bei dem die Menschen an der frischen Luft sind, problemlos einen Mindestabstand einhalten können und alle eigene Schläger und Bälle benutzen, finde ich nicht richtig“, sagt Binnewies.

Viele Golfer und Golferinnen aus den Berliner Clubs machten sich am vergangenen Wochenende auf nach Brandenburg, um dort zu spielen. „Bei uns haben am Sonntag einige die Gelegenheit genutzt, um an die Frische Luft zu kommen und ihrem Hobby nachzugehen“, berichtet Jochen Friedhoff, stellvertretende Clubmanager des Berliner Golf & Country Clubs Motzener See. Der Club habe bis auf Weiteres alle Veranstaltungen abgesagt, halte den Spielbetrieb aber am Laufen. „Wir achten darauf, dass die Menschen zum Beispiel in der Gastronomie Abstand halten“, erklärt Friedhoff. Derweil sitze einer der Clubpros mit einer Golfreisegruppe von zehn Personen im marokkanischen Agadir fest, wo bis Ende des Monats keine Ausreise möglich sei.

Flights werden nicht mehr zusammengelegt

Das Golf Resort Semlin am See hatte seine Mitgliederversammlung am 21. März abgesagt, das Angolfen am selben Tag aber Montagmittag noch eingeplant – ohne Siegerehrung und gemeinsames Essen. Laut Geschäftsführungs-Assistent Guido Pritzkow will das Resort den Spielbetrieb offenhalten, bis es eine anderslautende behördliche Anordnung gibt – sprich: bis Brandenburgs Landesregierung die Schließung durchsetzt. Flights würden zuletzt schon nicht mehr durch „fremde Spieler“ aufgestockt oder zusammengelegt. Im Restaurant seien die Tische weit auseinander gerückt worden, außerdem habe man sich mit genug Desinfektionsmittel eingedeckt. Auch im Golfpark Schloss Wilkendorf handhabt man die Corona-Krise so, dass keine Spieler in Flights zusammengelegt werden, die sich nicht gemeinsam angemeldet haben. Dafür verzichtet der Club auf Greenfee-Einnahmen.

Seddin, Märkischer und Potsdam schließen freiwillig

Clubhaus Golf Seddiner See, Berlin, Brandenburg
Der Golf- und Country Club Seddiner See kam einer behördlichen Anordnung zuvor und schloss bereits am Montag seine Golfanlage. Foto: GCC Seddiner See

Gänzlich gilt das bereits für den Golf & Country Club Seddiner See, den Märkischen Golf Club und den Potsdamer Golf-Club, die am Montag einer Anordnung durch die Brandenburger Behörden bereits zuvorkamen und ihre Anlagen schlossen. „Es ist nicht erlaubt, den Platz, die Range, den Kurzplatz und das Gebiet zu betreten und zu nutzen“, schreibt der PGC auf seiner Internetseite.

Winston Golf in Mecklenburg-Vorpommern war am Wochenende gut besucht und profitierte seinerseits von der Schließung der Golfanlagen in Hamburg. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig hat zwischenzeitlich aber dazu aufgerufen, niemand möge sich auf den Weg nach Mecklenburg-Vorpommern machen, um ein Hotel oder eine Ferienwohnung zu beziehen. „Wir bleiben offen, es sei denn Frau Schwesig ordnet an, alle öffentlichen Sportstätten zu schließen“, sagt Fleesensees Manager und Headpro Sven Strüver. Zurzeit seien nur den Oberlaussitz Platz und die zwei neun Loch Anlagen geöffnet. Je nach Witterung und Platzzustand ist eine vorgezogene Öffnung des Torgelow Platzes möglich. „Es wird vorerst keine Turniere geben, auch die Stammgäste-Trophy am 4. April ist fraglich“, sagt Strüver, der das Golfverbot wie GVBB-Präsident Binnewies für fragwürdig hält. „Wird man auch nicht mehr ausreiten dürfen?“, fragt er sich.

„Vier Wochen werden wir kompensieren können“

Wie hart die Zwangsschließung Golfanlagen in Berlin und absehbar in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern trifft, hängt von der Dauer ab. „Einen Ausfall von Greenfee- und Range-Einnahmen über vier Wochen werden wir kompensieren können“, sagt Gatows Clubmanager Björn Maas. Das dürfte auch für andere Clubs gelten, die sich zum Großteil über ihre Mitglieder finanzieren. Im Golf Resort Berlin Pankow ist das anders, dennoch gibt sich Clubmanager Paul Wagmüller gelassen: „Wir leben stark von Greenfeespielern, weshalb eine Pause von vier Wochen einen starker Einschnitt in unsere Finanzen bedeutet, aber das werden wir verkraften.“

GVBB-Präsident Harald Binnewies gab sich am Montagmittag noch optimistisch. „Ich habe vor, weiter Golf zu spielen“, kündigte der 75-Jährige an. „Ich werde dabei alle Ratschläge befolgen, Abstand zu anderen halten und regelmäßig meine Hände waschen.“ Golf sei gerade für ältere Menschen sehr gesund, weil sie sich dabei leicht sportlich betätigten, an der frischen Luft und in der Sonne ihre Immunabwehr stärkten. Gut möglich, dass Binnewies seine Golfpläne schon am Dienstag verwerfen muss.

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