„Den schwersten Golfplatz gibt es nicht“

„Den schwersten Golfplatz gibt es nicht“
Einer der schwierigsten Golfplätze im Nordosten: Der WINSTONlinks bei Schwerin. Foto: WINSTONgolf

Je schwieriger desto besser? Viele Golfclubs wünschen sich für ihren Platz ein möglichst hohes Course-Rating. Was es dafür braucht, weiß Ronald Bodenstein, der als Course-Rater für den Deutschen Golf Verband (DGV) unter anderem die Golfplätze in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern bewertet.

„Wenn ich zum Course-Rating in die Golfclubs komme, passiert es immer mal wieder, dass mich die Manager oder Spielführer bei meiner Bewertungsarbeit unbedingt begleiten wollen“, berichtet Bodenstein durchaus amüsiert. Er lehne immer höflich ab. Denn Bodenstein weiß, worauf das mitunter hinausläuft. „Dann bekomme ich erzählt, dass ganz, ganz viele Bälle in diesem Roughstreifen landen oder in jenem Bunker, dabei liegt manchmal beides außerhalb der Landezone.“

Ronald Bodenstein, 69 Jahre alt und Vize-Präsident des Golfverbands Berlin-Brandenburg, verlässt sich lieber auf seine jahrelange Erfahrung als Course-Rater und seine Instrumente. Mit einem Messrad bestimmt er die Landezonen für Scratch-Golfer – Spieler also mit einem Handicap um 0 – und für Bogey-Golfer, sowohl für Frauen als auch für Männer. Liegen Hindernisse wie hohes Rough, Wassergräben, Teiche oder Bunker in diesem Korridor, dann erhöht das natürlich die Schwierigkeit des Platzes.

Ronald Bodenstein, Golf, Course-Rating
Ronald Bodenstein ist Wettspielleiter, Course-Rater und Vize-Präsident des Golfverbands Berlin-Brandenburg. Foto: Privat

„Die meisten Golfclubs wünschen sich einen laut Course-Rating schwierigen Platz, der aber möglichst leicht zu spielen ist, damit die Golfer ihr Handicap erreichen und glücklich sind“, sagt Bodenstein. Ein Paradoxon und doch verständlich: Denn die Schwierigkeit eines Platzes kann sein Ansehen genauso beeinflussen wie der Pflegezustand oder die tolle Landschaft, in die er gebaut wurde. Ein Platz, der sich nicht so einfach besiegen lässt, ist für Clubmitglieder und Greenfee-Spieler gleichermaßen interessant. „Kein Club will im Ruf stehen, eine einfache Wiese zu haben“, weiß Bodenstein.

Was viele Golferinnen und Golfer nicht wissen, ist, dass die Schwierigkeit eines Golfplatzes sich nach gängiger Course-Rating-Praxis zu 80 bis 85 Prozent aus seiner Länge ergibt. Tiefe Bunker, hohes Rough, riesige Wasserhindernisse, blinde Schläge, große Höhenunterschiede auf einem Loch sowie terrassierte und ondulierte Grüns – all diese Elemente spielen eine vergleichsweise marginale Rolle. „Trotzdem werden sie alle genau dokumentiert und fließen in die Bewertung ein“, betont Bodenstein, der neben der Drive-Landezone auch die Landezone des zweiten oder – bei einem Par 5 – dritten Schlags bestimmt und auf ihre Schwierigkeit hin prüft.

Es gibt auch subjektive Einschätzungen

„Wir messen auch die Länge und Breite der Grüns, die Zahl der Grünbunker und den Anteil des Grüns, den sie beispielsweise frontal einrahmen“, erklärt der Course-Rater. Von „wir“ spricht er, weil Course-Rating Teamarbeit ist. Neben Teamleiter Bodenstein braucht es zwei weitere Course-Rater, um die Schwierigkeit eines 18-Loch-Platzes zu bestimmen. „Neben allen Messwerten gibt es auch subjektive Einschätzungen zum Beispiel bei der Bewertung von Grüns“, sagt Bodenstein. In solchen Fällen stimmt sich das Team ab. Rund vier Stunden dauert ein Course-Rating bei 18-Löchern.

Faldo Course Berlin, Course-Rating
Der Faldo-Course des Golf Club Bad Saarow zählt mit definitiv zu den schwierigsten Golfplätzen der Hauptstadtregion. Foto: AROSA Scharmützelsee

Unterstützt wird Teamleiter Bodenstein dabei von Keith Brundage, der Greenkeeper im Berliner Golf Club Gatow ist, und dem Hildesheimer Karsten Schimmelpfennig, der wie Bodenstein gleichzeitig auch Wettspielleiter ist. Gemeinsam übernehmen sie für den DGV die Course-Ratings aller Golfanlagen in Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen. Da jeder Golfplatz regelmäßig im Abstand von sechs bis acht Jahren neu bewertet wird, ergibt sich für das Team von Bodenstein eine Menge Arbeit. Gibt es in der Zwischenzeit bauliche Veränderungen wie aktuell im Golf- und Land-Club Berlin-Wannsee, der gerade 18 Grüns neu gebaut hat, oder im Golfpark Schloss Wilkendorf, wo im vergangenen Jahr das 18. Grün vergrößert wurde, macht das ein Sonderrating notwendig.

„Niemand macht es für das Geld“

„Das Tolle an unser Arbeit ist, dass wir viele Golfplätze zu sehen bekommen und viele Menschen kennenlernen“, sagt Bodenstein. Und so hat der Seddiner natürlich eine Vorahnung welches die schwierigsten Golfplätze in seinem Zuständigkeitsgebiet sind. „Der WINSTONlinks bei Schwerin dürfte vorne mit dabei sein und auch der Faldo Course in Bad Saarow“, mutmaßt Bodenstein und schiebt gleich hinterher: „Den schwersten Golfplatz an sich gibt es nicht, weil der Course-Rating-Wert sich von Tee zu Tee fast ausnahmslos unterscheidet.“ Mancher Platz sei von den weißen Abschlägen selbst für Scratch-Golfer ein Monster, von den gelben oder roten Teeboxen derweil für Bogey-Golfer deutlich humaner – oder andersherum.

Die 145 Euro pro Rating, die Ronald Bodenstein und seine Mitstreiter neben der Erstattung der Fahrtkosten jeweils erhalten, sind angesichts des Aufwandes eher ein Zuschussgeschäft. „Niemand macht das für das Geld“, ist Bodenstein überzeugt, der anschließend noch einmal zwei bis drei Stunden am Computer sitzt und die Werte einträgt. Die exakte Schwierigkeit – also Course-Rating und Sloperate – werden anhand dieser Werte vom DGV in Wiesbaden bestimmt. „Ich werde nach unseren Vorort-Terminen immer gefragt: Und, wie ist der CR-Wert?“, erzählt Bodenstein. „Dann muss ich immer sagen, dass ich das nicht weiß und dass der Club sich noch etwa zwei Wochen gedulden muss, bis das Ergebnis aus Wiesbaden kommt.“

Was der Unterschied zwischen CR und Slope Rate ist, erfahren Sie hier.

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