Neue Golfregeln: „Das wird ein Durcheinander“

Neue Golfregeln: „Das wird ein Durcheinander“
Die Suche nach dem Ball darf nach den neuen Golfregeln nur noch drei Minuten dauern statt der bisherigen fünf. Foto: Elke A. Jung-Wolff

Droppen auf Kniehöhe, Fahne beim Putten stecken lassen oder maximal drei Minuten Ball suchen – seit 1. Januar gelten viele neue Golfregeln, die das Spiel erleichtern und beschleunigen sollen. Regelexperten aus Berlin und Brandenburg freuen sich über die Neuerungen, zweifeln aber noch an der Umsetzung.

Ronald Bodenstein, Vize-Präsident des Golfverbandes Berlin-Brandenburg:

Ronald Bodenstein. Foto: Privat

„Als Spielleiter von Verbandswettspielen liegt mir schnelles Spiel sehr am Herzen. Insofern freue ich mich darüber, dass Ready Golf nun auch Bestandteil der offiziellen Golfregeln ist und somit spielen darf, wer bereit ist. Ich begrüße auch, dass nur noch höchstens drei Minuten nach einem Ball gesucht werden darf statt der bisherigen fünf. Ob es das Spiel allerdings beschleunigt, dass man die Fahne stecken lassen kann, auch wenn der Ball auf dem Grün liegt, bezweifle ich. Einer puttet lieber mit Fahne, für den anderen muss sie raus und ein Dritter erhofft sich bei seinem kurzen Bergab-Putt dann doch einen Vorteil vom Fahnenstock – das könnte ein Hin und Her geben und am Ende sogar länger dauern.

„Droppen auf Kniehöhe macht mir Sorgen“

Sorgen macht mir, zumindest für den Anfang, das Droppen auf Kniehöhe. Es wird viele Fälle geben, in denen der Ball aus Gewohnheit weiterhin aus Schulterhöhe fallen gelassen und dann gespielt wird. Das gibt ab sofort zwei Strafschläge. Bei Turnieren, in denen es um etwas mehr als nur um die Ehre geht, werden die neuen Regeln aus meiner Sicht für ein ganz heftiges Durcheinander sorgen. Und es wir seine Zeit brauchen, bis die Neuerungen bei den Spielern angekommen sind. Denn die Zahl der Golfregeln ist zwar von 34 auf 24 zurückgegangen, dafür sind sie nun jeweils detaillierter und umfangreicher. Da hilft es immerhin, dass das neue offizielle Regelbuch viele anschauliche Zeichnungen enthält und dadurch leicht und schnell zu verstehen ist.“

Robert Wegener, Head-Professional im Berliner Golf & Country Club Motzener See:

Robert Wegener, Motzener See, Golf
Robert Wegener. Foto: Privat

„Eine sehr sinnvolle neue Golfregel ist für meinen Geschmack, dass man keinen Strafschlag mehr kassiert, wenn man den Ball beim Schlag doppelt berührt. Jedem ist das beim Chippen schon passiert und man ist durch das ungewollte Ergebnis genug gestraft. Dasselbe gilt für den Fall, in dem man mit dem Ball sich, seine eigene Ausrüstung oder die seines Caddies trifft. Gut finde ich auch, dass man keine Strafe mehr bekommt, wenn man seinen Ball beim Suchen versehentlich berührt. Jede Regel, die dazu beiträgt, das Spiel schneller zu machen, hat meine Unterstützung. Aber das Droppen auf Kniehöhe finde ich blöd. Da gebe ich zu, da bin ich „old school“.

„Eine Platzregel gegen das Wesen des Spiels“

Die neuen Golfregeln werden auf dem Platz sicher zu den ein oder anderen Komplikationen führen. Wer regelmäßig Turniere spielt, wird sich aber schnell darauf einstellen. Was mich allerdings ratlos macht, ist die neue Möglichkeit einer Platzregel: Wenn ein Ball geschlagen wird und zum Beispiel nach 200 Metern Flug rechts oder links im Aus landet oder nicht zu finden ist, kann man demnach gegen zwei Strafschläge einen neuen Ball zwei Schlägerlängen weit auf dem Fairway droppen – ohne Distanzverlust also. Das widerspricht aus meiner Sicht dem Wesen des Spiels.“

Gösta Dobler, Vizepräsident des Golf- und Country Club Seddiner See:

Gösta Dobler, Seddiner See, Vizepräsident
Gösta Dobler. Foto: Privat

„Slow play ruins the day, sagt man in Schottland, und ich gebe den Schotten vollkommen recht. Ich hoffe, dass Ready Golf auch bei uns dazu führt, dass eine Golfrunde zu zweit nicht länger als 3:20 Stunden dauert, zu dritt höchstens vier Stunden und zu viert maximal 4:30 Stunden. Tatsächlich gibt es ja eine ganze Handvoll neuer Regeln, die das Spiel schneller machen sollen. Aber ich habe da so meine Zweifel. Letztlich ist es wie im Straßenverkehr: Auch da gibt es eine Straßenverkehrsordnung, aber viele halten sich einfach nicht dran.

„Böses Blut aus dem Spiel nehmen“

Gut finde ich, dass Aspekte der Etikette wie das Zurücklegen von Divots oder das Ausbessern von Pitchmarken nun zur Platzregel erklärt werden können. Wer sich nicht darum schert, kann dann mit einem Strafschlag sanktioniert werden. Aber auch das steht und fällt mit der Umsetzung, die allerlei Konfliktstoff birgt. Und ein Gutes an den neuen Golfregeln ist ja, dass sie auch das Potenzial haben, böses Blut aus dem Spiel zu nehmen. Denn versehentliches Berühren des Balles, der Puttlinie oder das nicht immer ganz trennscharfe Ausbessern von Pitchmarken oder Spikemarken auf dem Grün hat in der Vergangenheit immer wieder für Diskussionen oder sogar Streit gesorgt.“

Joe Otto, Clubsekretär im Berliner Golfclub Stolper Heide:

Joe Otto, Stolper Heide, Golf, Berlin
Joe Otto. Foto: Privat

„Die neuen Golfregeln gelten seit einer Woche und sogar auf der US PGA Tour ist zu beobachten, dass manche Spieler ihre Probleme damit haben. Bryson DeChambeau hat gesagt, dass er das Droppen auf Kniehöhe für Unsinn hält. Aus meiner Sicht hätte die Regel „mindestens auf Kniehöhe“ lauten sollen. Das hätte wahrscheinlich den Übergang erleichtert.

Es gibt jetzt die Möglichkeit, Bereiche des Platzes, in denen häufig Bälle verloren gehen, als Penalty Areas auszuweisen. Die Idee dahinter ist, das Spiel zu beschleunigen. Geht ein Ball in einer Penalty Area verloren, verhält es sich wie bisher bei einem Wasserhindernis: Es gibt einen Strafschlag, aber der Ball kann am Rand gedroppt werden, wo er in das Hindernis geflogen ist, quasi ohne Distanzverlust. Das macht das Spiel aber nicht nur schneller, sondern deutlich leichter und verändert dadurch den Charakter des Spiels. Bei Privatrunden wäre das vielleicht noch denkbar, aber nicht bei Clubmeisterschaften oder Ligaspielen. Und wenn mal das Eine und mal das Andere gilt, ist die Verwirrung perfekt. Unser Club wird daher vorerst keine Penalty Areas ausweisen.“

 

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Spieleredition der offiziellen Golfregeln im handlichen DIN A6-Format. Foto: Köllen Golf

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Teilnahmeschluss ist der 31. Januar.