Hans Samek: Deutschlands erster Golfstar

Hans Samek: Deutschlands erster Golfstar
Die Gamaschen erregen weltweite Aufmerksamkeit, Hans Samen wird schlagartig bekannt.

Der Wahlberliner Hans Samek war nie Deutscher Meister, nahm aber als erster Deutscher an der British Amateur Championship teil. Aufsehen erregte vor allem seine Mode. Eine Geschichte von Golfstars, Ufa-Stars, schwarzen Schafen und dem englischen Onkel, der den Nazis den Garaus machte.

Nur sieben Jahre nach Ende des Krieges laden die Veranstalter des British Amateur Championship einen Deutschen nach Westward Ho! ein. Hans Sameks Auftritt sollte der Golfwelt in Erinnerung bleiben, ihm verschafft er Popularität und internationale Kontakte, die er später im Interesse des Golfsports zu nutzen weiß. Typisch britisch fällt der Kommentar des „Golfing“, wiedergegeben von der New Zealand Times im August 1925, aus:

Wer ist Hans Samek?

Hans Samek (links) und Cyrill Tolley bei der British Amateur Championship 1925 in Westware Ho!

Ein Hamburger ist er nicht. Vermutlich ist für die britischen Leser ein Hamburger leichter zu ertragen, als wenn man ihn mit seiner Wahlheimat Berlin in Verbindung gebracht hätte. Die Schiffspapiere des Weitgereisten machen zwischen 1928 und 1956 unter der Rubrik Staatsangehörigkeit bzw. ethnische Gruppe folgende Angaben: Deutschland, Österreich, Ungarn, Tschechoslowakei, Jude und schließlich Amerikaner. Nichts davon ist falsch, sondern entspricht den politischen und persönlichen Veränderungen, die die Sameks in knapp dreißig Jahren durchleben werden.

Hans Heinrich Samek wird 1882 als jüngstes von sieben Kindern seiner Eltern Jakob und Sophie in Brünn (Brno), einer seinerzeit bedeutenden Industriestadt Südmährens im Herzen der österreichisch-ungarischen k. u. k. Monarchie geboren. Knapp 20 Jahre zuvor hatten sich Jakob, Albert und Johann Leopold Samek als Schafwollfabrikanten selbständig gemacht und das Unternehmen schnell zu großer Blüte gebracht. Sameksche Qualität wurde bei den Weltausstellungen ab 1867 regelmäßig prämiert. Um die Jahrhundertwende werden die Produkte aus feinster Schafwolle weltweit über ein Netz selbständiger Agenten auch nach Nord- und Südamerika vertrieben.

Im Jahre 1907 werden Hans und sein älterer Bruder Karl als Partner aufgenommen. Im gleichen Jahr geht Hans als Repräsentant von „Brüder Samek, Wollwarenfabrik, Brünn“ nach Berlin. Dabei spielen vermutlich nicht nur wirtschaftliche, sondern auch persönliche Gesichtspunkte eine Rolle, hatte er sich im September mit Margarethe Else Neumann verlobt. Elses Vater betreibt in der Leipziger Straße 51 – 53 in unmittelbarer Nachbarschaft zum Kaufhaus Hermann Tietz ein Spezialgeschäft für Handschuhe, Strickwaren und andere Textilien.

Kaufhaus Ferdinand Neumann am Dönhoffplatz

Else und Hans beziehen 1908 zunächst zur Miete eine Doppelhaushälfte in der Platanenallee 16 in Berlin-Westend. Bereits im Jahre 1909 kauft Hans das Anwesen und lässt das gesamte Dachgeschoss für seine privaten Zwecke ausbauen, während die darunterliegenden Wohnungen vermietet werden. Im selben Jahr wird der einzige Sohn Stefan Ulrich geboren, von dem später noch die Rede sein wird. Geschäftsadresse ist und bleibt für einen Zeitraum von fast 30 Jahren die Jägerstraße in Berlins Mitte.

Squiers-Cup von 1986. Gewinner des Jahres 1919: Hans Samek.

Wann der sportbegeisterte Hans, der im heimatlichen Brünn mit seinem Bruder Karl rudert, zum Golfsport kommt, ist nicht genau feststellbar. Aus der Lebensgeschichte des amerikanischen Zahnarztes und früheren Eishockeychampions Deutschlands, Charles Hartley, erfahren wir jedoch, dass er es gewesen sein soll, der Samek zum Golfsport bringt. Vielleicht spielt auch eine Rolle, dass Samek sein neues Heim in Berlin vom Hofbaurat Rudolph Zahn erwirbt, einem Architekten, der sich bereits 1910 in den Ergebnislisten des Clubs in Westend verewigt. Bereits im Jahre 1919 sind seine Golfkünste soweit fortgeschritten, dass er den zuerst im Jahre 1896 ausgespielten Squiers-Cup gewinnt, was vor ihm noch keinem Deutschen gelingt.

Im Jahr 1913 wird das 50-jährige Unternehmensjubiläum gefeiert. Das Brünner Tageblatt widmet dem Unternehmen und seinen Inhabern eine ganze Seite. Die Versailler Verträge von 1919 verändern die politische Landkarte Europas nachhaltig. In Folge des Unterganges der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie finden sich die Brünner plötzlich in einem selbständigen von den Alliierten zusammengezimmerten Staat Tschechoslowakei wieder, in dem die Verdrängung der Deutschen an Dynamik gewinnt. War noch zur Jahrhundertwende der deutsche Bevölkerungsanteil in Brünn dominierend, sind die Deutschen schon Ende der zwanziger Jahre in der Minderheit.

Hans Samek im Kreise amerikanischer Champions und Ladies Champions im Spring Haven Club, Chester, Pennsylvania, 1928.

Hans arbeitet in der Folgezeit nicht nur am eigenen Schwung, für den „Golfing“ später kaum lobende Worte finden sollte, sondern er versucht gleichzeitig den deutschen Golfsport voran zu bringen. Dabei helfen nicht nur seine spielerischen Qualitäten, sein Organisationstalent sowie auch sein einnehmendes Wesen, dem sich andere kaum entziehen können. Zwischen 1920 und 1930 schreibt er wiederholt Artikel über den Golfsport („Sport im Bild“, „Die Dame“ und „STYL-Blätter für Mode und die angenehmen Dinge des Lebens“) im Allgemeinen und seinerzeit angesagte Reiseziele wie etwa Brioni, einer Trauminsel vor der istrischen Küste.

Hans und Stefan Samek bei der Trickgolfvorführung von Joe Kirkwood in Wannsee, 1929.

In „Golf Illustrated“ beschreibt er 1930 die Entwicklung des deutschen Golfsports, der, wie er hofft, bald Anschluss an die internationale Spitze finden soll. Die Artikel beeindrucken mit profunder Kenntnis des Sports und lassen das Gefühl entstehen, dass man etwas in seinem Leben verpasst, wenn man nicht zum Golfschläger greift. Zwischen 1922 und 1928 gehört er sechsmal der deutschen Nationalmannschaft an und ist zweimal Zweitplatzierter bei den Herren-Verbandsmeisterschaften von Deutschland 1923 und 1924. Vorstandsarbeit im Wannsee-Club leistet er zwischen 1922 und 1933. Während der Präsidentschaft Herbert Gutmanns im Deutschen Golf Verband bringt er sich ab 1928 in die Arbeit des Technischen Ausschusses ein.

Das Jahr 1929 beschert dem Club einen sportlichen Höhepunkt, an den kaum ein anderes Ereignis jemals heranreichen wird. Zur Vorbereitung dieses denkwürdigen Höhepunktes reist Samek 1928 in die USA und spielt unter anderem im Spring Haven Club (Chester, Pennsylvania) mit den Golfgrößen der zwanziger Jahre.

6000 Reichsmark Salär

Samek wird sich mit Walter Hagen einig, dass die amerikanische Ryder-Cup-Mannschaft, die im April 1929 im Moortown Golfclub (Leeds) gegen die britische Auswahl um Captain George Duncan antreten soll, im Anschluss nach Berlin kommt! Gemessen an heutigen Gagen mutet das Salär von seinerzeit 6.000 Reichsmark zurückhaltend an, wenngleich dieser Betrag etwa fünf Jahresgehältern eines Facharbeiters entspricht.

Walter Hagen auf dem 18. Grün in Wannsee.

Ende Mai 1929 kommen dann tatsächlich Walter Hagen, Ed Dudley, Joe Turnesa, Jonny Farrell und Horton Smith nach Wannsee und mischen das Teilnehmerfeld der German Open ordentlich auf. Der erst 21-jährige Horton Smith spielt in der 2. Runde mit 69 Schlägen einen neuen Platzrekord und liegt knapp in Führung. Am Sonntag, den 26. Mai 1929 liegen die sechs führenden Spieler noch mit Aussicht auf den Titel. Eine bis dahin nicht gekannte Anzahl von Zuschauern wird Zeuge eines spannenden Finales mit Ed Dudley gegen Walter Hagen, Jonny Farrell gegen Aubrey Boomer und schließlich Percy Alliss gegen Horton Smith. Den Ausschlag geben am Ende die besseren Platzkenntnisse des Lokalmatadors Percy Alliss der sich mit 2 Schlägen Vorsprung durchsetzen kann. Man stelle sich vor, dass die Wannsee Pros später in der Lage gewesen wären, die würdigen Nachfolger Hagens Arnold Palmer, Jack Nicklaus oder Tiger Woods schlagen zu können!

Smith, Farrell, Hagen und Dudley belegen die Plätze 2 bis 5, Turnesa wird 8. vor Roberts (Schweden) und Cyril Tolley (England, Amateur) und Bruno Jersombeck, der jedoch schon 29 Schläge Rückstand auf den Sieger aufweist.

Wo ist Hans Samek in der Rangliste?

Im Januar 1929 veröffentlicht „Golf“, das offizielle Organ des DGV, eine Rangliste der besten deutschen Amateure. Hans Samek und auch Graf Reichenbach finden hierin keinen Platz, da sie, obwohl zu den Spitzenspielern zählend, keine deutschen Staatsangehörigen sind. Das ist etwas verwunderlich, da man in den Jahren zuvor lesen durfte, dass Samek die deutschen Farben in Westward Ho! vertreten hatte und wiederholt für die Nationalmannschaft angetreten ist. Auf Platz drei der Rangliste findet sich jedoch Samek jun., der bereits als 19-Jähriger zu den Spitzen des Deutschen Golfsports zählt.

Hatte es 1929 kein Amateur in die Endrunde der German Open geschafft, spielt Stefan Samek 1931 so in illustrer Gesellschaft mit René Golias, dem späteren Sieger, Marcel Dallemagne sowie Joe Kirkwood um den Titel. Zwar reichen seine Ergebnisse nicht an die der Berufsspieler heran, mit respektablen 325 Schlägen ist er nach vier Runden jedoch nicht nur der beste Wannseer, sondern auch zweitbester Amateur des Turniers.

In den Jahren zwischen 1928 und 1932 spielt er in den Länderspielen gegen Schweden und Ungarn. Gemeinsam mit Bernhard von Limburger wird er 1928 Vierer-Meister von Ungarn. Höhepunkt seiner golferischen Karriere ist jedoch im Jahre 1932 der Titelgewinn der erstmals ausgespielten Internationalen Amateur-Meisterschaften der Tschechoslowakei in Prag.

Ein Jahr später muss er sich nur Hano Tonder geschlagen geben und wird Zweiter

Das Jahr 1933 wird für die Sameks zum Wendepunkt ihres Lebens. Gehören sie gerade noch zu den Spitzen der Berliner Gesellschaft, bei denen Künstler von Bühne und Film und sogar der Kronprinz verkehren, werden sie nach und nach zu Ausgestoßenen. Dabei hat Stefan gerade ein Jahr zuvor an seinem ersten Ufa-Film mit Willy Fritsch und Camilla Horn mitgewirkt.

Filmprospekt für die UfA-Produktion „Der Frechdachs“ mit Willy Fritsch und Camilla Horn, Schlagerkomposition: Stefan Samek.

Zu dem Streifen „Der Frechdachs“ komponiert er die Musik, der berühmte Rudolf Bernauer liefert die Texte. Auch nach fast neunzig Jahren vermittelt die Musik das Lebensgefühl einer Zeit, die als goldenes Zeitalter in die Geschichte eingeht.

Vic Oliver, alias Victor Oliver Samek, britisch-österreichischer Comedian (1896-1964).

Nach der Machtübernahme der Nazis geht alles ganz schnell. Berühmte Regisseure, Schauspieler, Musiker und Texter können ihre Arbeit nicht fortsetzen, da ihnen als Juden der Zutritt zur neugeschaffenen obligatorischen Reichsfilmkammer versagt ist. Viele emigrieren, auch Stefan Samek geht nach der Pleite seiner „Reichsliga-Film GmbH“ in die Heimat seiner Väter nach Brünn.

Die Ächtung allen jüdischen Lebens macht auch im Golfsport keine Ausnahme. Schon im April 1933 lassen viele Vereine ihre Mitglieder wissen, dass Juden nicht länger erwünscht seien. Anfang 1937 melden die Vereinsführer dem Reichssportführer die „Judenfreiheit“ der Vereine.

Während die jüdische Elite der Bankiers, Ärzte, Rechtsanwälte und Beamten nach Erlass des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ im April 1933 sofort den Drangsalierungen der Nazis ausgesetzt werden, können die Sameks als Fabrikanten mit ausländischer Staatsangehörigkeit vermutlich etwas länger ihr gewohntes Leben fortsetzen. Spätestens 1936 werden jedoch Vorbereitungen getroffen, Deutschland zu verlassen. Dass es ein Abschied für immer werden würde, ahnen sie damals womöglich noch nicht. Mehrere Reisen in die USA lassen die Vermutung zu, dass die Auswanderung von langer Hand vorbereitet wird. Noch rechtzeitig vor dem Einmarsch der Wehrmacht in die Tschechoslowakei, reisen Hans, Else und Stefan Samek endgültig ab.

Antonia Reichsgräfin von Triangi von und zu Latsch und Madernburg (1868-1940)

Im Jahr 1938 beginnen sie in den USA ihr neues Leben. Brüder und Schwestern, Neffen und Nichten von Hans, die in der Tschechoslowakei und Österreich zurückbleiben, fallen später den Nazis zum Opfer. Bruder Karl wird 1941 zunächst nach Theresienstadt verbracht, um später ins Rigaer Ghetto deportiert zu werden, die Schwestern Laura und Marie (Mimi) sterben in den Ghettos von Lodz (Litzmannstadt) und Theresienstadt. Stefans Tante Beatrice, die als „Reichsgräfin Triangi“ eine skurrile künstlerische Karriere in Wien macht, kommt ebenso wie seine Cousine Lydia nach dem Anschluss Österreichs unter nie ganz geklärten Bedingungen ums Leben.

Einladungskarte der Reichsgräfin ins Hotel Bristol, Wien.

Die in Wien und der Tschechoslowakei lebenden Verwandten geraten frühzeitig ins Visier der Nazipresse, da durch die Heirat von Viktor Oliver, einem Neffen von Hans, die Sameks plötzlich Verwandte in Großbritannien haben, dessen prominentester Vertreter zum Lieblingsfeind der Nazis wird.

Sir Winston Churchill (1874-1965): Nobelpreis für Literatur 1953.

Vic Oliver, der Tunichtgut der Familie, macht in den USA und später in England Karriere als Comedian. Mit „Hi Gang!“ hat er nicht nur eine eigene Radiosendung, sondern spielt auch auf britischen Bühnen und dreht einige Kinofilme. Im Jahre 1936 trifft er in London Sarah und beide verlieben sich sofort unsterblich ineinander. Der Vater ist „really not amused“! Sein Brief an die zukünftige Schwiegermutter von Vic, geschrieben während einer Unterhaussitzung, lässt an Klarheit nichts vermissen:

February 21st, 1936

My darling,

The interview took place on Sat’ noon. He professed himself quite ready to give the name & dress of his mother & sister. (…)He did not impress me with being a bad man; but common as dirt:

An Austrian citizen, a resident in the U.S. & and here on license & an American passport: twice divorced: 36 so he says: a horrible mouth: a foul Austro-Yankee drawl. (…)

With innumerable kisses &

tender love,

Your loving & devoted husband

Weder Sir Winston noch Sarahs Mutter gelingt es, die Ehe zu verhindern. Als die Ehe 1941 zerbricht, kommentiert Winston Churchill, der sich mit der Mesalliance seiner Tochter arrangiert hatte, wie folgt:

[…] “I am an old and weary man. I feel exhausted” Churchill commented. Clementine tried to cheer her husband up by remarking, “But think what Mussolini and Hitler feel like”, to which Churchill replied, “Ah, but at least Mussolini has had the satisfaction of murdering his son-in-law”. This reference to the recent shooting of Count Ciano on charges of treason, and the prospect of Vic Oliver […] sharing the same fate “so pleased him”, that Churchill went for a walk and appeared to revive […].

Die Ehe wird 1945 endgültig geschieden.

Französische Fassung des UfA-Schlagers „Stundenlang…“ aus „Der Frechdachs“.

1939 nimmt „Der Stürmer“, das berüchtigte Hetzblatt von Julius Streicher, die Geschichte zum Anlass, über die schillernde Persönlichkeit von Tante Beatrice, die durch mehrere nicht ungeschickte Heiraten zu Geld und Titel gekommen war, wie folgt zu titeln:

„Minister und Jüdin. Verwandte Seelen finden sich … Die jüdische Reichsgräfin Triangi und Marineminister Churchill.“

Stefan, Genevieve und Stephanie Samek

Dass Sir Winston am Ende wesentlichen Anteil daran hat, die Nazis zur Kapitulation zu zwingen, mag für die Überlebenden eine späte Genugtuung gewesen sein. Für viele kommt die Niederlage jedoch zu spät. Hans macht ab 1938 in den USA und England das weiter, was er am besten kann. Der Nachruf der New York Times im März 1966 gibt an, dass er Inhaber von drei Textilhandelsgesellschaften ist. Neben der „British Samek, Inc.“ gehören ihm auch „World Weavers Ltd.“ und die heute zum belgischen Scabal-Konzern gehörende „Wain, Shiell & Son, Inc.“ mit Sitz in London. Hans ist in seiner neuen Wahlheimat beruflich noch einmal durchgestartet.  Dabei wird ihm wohl das von seiner Großmutter vermittelte Lebensmotto geholfen haben:

Jede Sache die es wert ist, getan zu werden, ist es wert, gut gemacht zu werden!“

Stanley Marcus, jahrzehntelang Vorstand des amerikanischen Kaufhauskonzerns Neiman Marcus schildert seine Begegnung mit Hans Samek in seinen im Jahre 2001 erschienenen Lebenserinnerungen („Minding the store“) jedenfalls wie folgt:

A textile Salesmanager taught me a very valuable lesson. His name was Hans Samek, a Czechoslovakian refugee who came to the Unites States during the war to sell top-quality British fabrics. I had met many good and great salesman up to that time, but never had I seen a man show his life with such vigor, extol his products with such enthusiasm, sell with such urgency. He approaches every sale as if it were the last sale he’d ever make. His spirit was infections, and before he was through, you wanted to buy as if it were the last chance you’d ever have to purchase such fine cloths. After one such session I turned to him and said, “Mr. Samek, you approach business with such a great sense of urgency. Do you brush your teeth with that same attitude?” “Why, of course”, he replied, “I do brush my teeth urgently, as I do anything in life that’s worth doing at all.” I amended my grandmother’s early advice of “Anything worth doing is worth doing well” by substituting the word “urgently” for “well.”

In seinem Lebensmotto hatte Hans das Wort „gut“ durch „dringend“ ersetzt.

„Anything worth doing is worth doing urgently“

Hans und Elisabeth Samek, Kalifornien, USA

Sein Lebensweg und sein Erfolg scheinen jedoch zu belegen, dass alles, was er tat, nicht nur dringlich vorangetrieben wird, sondern auch stets von bester Qualität ist. Hans stirbt 1966 in Los Angeles, seine Frau Else überlebt ihn um acht Jahre. Stefan arbeitet nach Ausbruch des Krieges für das OSS, dem Office of Strategic Services, dem ersten amerikanischen Auslandsgeheimdienst, aus dem später die CIA hervorgehen soll. Gemeinsam mit anderen Immigranten verfasst er Texte für propagandistische Radiosendungen. Später arbeitet er als Wirtschaftsprüfer.

Die Sameks haben in den Vereinigten Staaten von Amerika ihre neue Heimat gefunden. Eine von Stefans Kompositionen aus dem Jahre 1940 trägt den bezeichnenden Titel:

„My home is USA“

Stefan stirbt 1996 in Atlantic Beach, Florida. Seine einzige Tochter erlangt als „Cat Lady of Madison Avenue“ für ihre Arbeit in den „Whiskas“ und „Sheba“ Kampagnen erhebliche Be-kanntheit in der Werbebranche. Sie lebt im Bundesstaat Massachusetts.

Der Artikel ist eine Auszug aus dem Buch „125 Jahre Golf in Berlin und Brandenburg“ von Olaf Dudzus und Christoph Meister. 22 in sich abgeschlossene und reichlich bebilderte Kapitel schildern auf 176 Seiten anschaulich, wie sich der Golfsport in Berlin und Brandenburg als Spiegelbild der großen Veränderungen entpuppt, denen Deutschland und seine Menschen von der Kaiserzeit über die Weimarer Republik, der Barbarei der NS-Staates, sowie der Zeit des kalten Krieges bis zur Wiedervereinigung Deutschlands im Jahre 1989 ausgesetzt waren. So ließen die jahrelangen Recherchen zu diesem Buch u.a. zwei große Familienportraits entstehen, die stellvertretend für viele Schicksale nach 1933 stehen. Das Buch ist zu beziehen über: Deutscher Golf Verlag, Potsdam
Autoren: Olaf Dudzus und Christoph Meister
ISBN 9783 000 660 221

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