Seddiner See für Geld-zurück-Garantie nominiert

Seddiner See für Geld-zurück-Garantie nominiert
Jahresbeitrag zurück nach der Hälfte der Golfsaison? Der GCC Seddiner See bietet Interessenten an einer Clubmitgliedschaft diese Geld-zurück-Garantie seit 2013 an. Foto: Arne Bensiek

Für das Spielrecht mit Geld-zurück-Garantie ist der Golf- und Country Club Seddiner See als einer von bundesweit drei Golfclubs für den Innovationspreis des DGV nominiert. Im Interview zieht Seddins AG-Vorstand Horst Schubert Bilanz – auch zur Angst vor Trittbrettfahrern.

Herr Schubert, der Deutsche Golf Verband (DGV) hat Ihren Golf- und Country-Club Seddiner See für den Innovationspreis 2020 in der Kategorie „Kundengewinnung“ nominiert, weil Sie eine Mitgliedschaft mit Geld-zurück-Garantie anbieten. Hätten Sie dafür nicht eher eine Tapferkeitsmedaille verdient?

Horst Schubert: Der Schritt fühlte sich tatsächlich am Anfang auch für uns mutig an. Dieses Modell einer Jahresmitgliedschaft mit Geld-zurück-Garantie bedeutet nämlich: Wer seine Mitgliedschaft bis zum 30. Juni wieder kündigt, erhält den kompletten Jahresbeitrag rückerstattet. Bei der Diskussion im Clubvorstand, der die Hoheit über Mitgliedsbeiträge hat, war die Befürchtung, dass etliche Trittbrettfahrer kommen und umsonst spielen könnten. Wir haben unsere Geld-zurück-Garantie dann im Herbst 2013 beschlossen und sind in 2014 damit versuchsweise gestartet. Was hatten wir zu verlieren? Im schlimmsten Fall spielen tatsächlich ein paar Leute kostenfrei bei uns, aber dadurch geht uns immerhin kein Geld verloren.

Wie viele haben Ihr für die Golfbranche ungewöhnliches Angebot genutzt?

Schubert: Die Zahl war im ersten Jahr nicht überwältigend: 18. Überwältigend war aber, dass nur ein einziger vom Sonderkündigungsrecht Gebrauch gemacht hat. Somit war das wichtigste Gegenargument weg: die Trittbrettfahrer. Die Zahl der Interessenten ist mit jedem Jahr gestiegen. 2016 waren es 58. Was dann allerdings 2017 passiert ist, kann ich mir bis heute nicht erklären: ein Absturz auf 17.

Horst Schubert ist Vorstand der Golf- und Country Club Seddiner See AG. Foto: Mike Wolff

War der Markt vielleicht gesättigt?

Schubert: Nein, die Folgejahre haben uns das Gegenteil bewiesen. Weil wir nach wie vor überzeugt waren von dem Instrument, haben wir die Braut einfach noch ein bisschen hübscher gemacht und ab 2018 noch zwei Gastronomiegutscheine à 100 Euro pro Halbjahr dazugegeben. Das Upgrade ist massiv eingeschlagen. Plötzlich hatten wir wieder 66 Buchungen – ein Niveau, das wir seitdem halten konnten. Im kommenden Jahr erwarte ich nun einen abermaligen Sprung auf 80 bis 90. Der jetzige Stand der verbindlichen Anmeldungen lässt diese Prognose zu.

Wie vielen Golferinnen und Golfern mussten Sie bis heute ihr Geld zurückbezahlen?

Schubert: Von 2014 bis 2020 haben wir insgesamt 323 dieser Mitgliedschaften verkauft, davon wurde in 19 Fällen vom Sonderkündigungsrecht Gebrauch gemacht. Das entspricht einem Anteil von gerade einmal sechs Prozent. Außerdem: Seit dem Start unserer Geld-zurück-Garantie sind 77 Prozent der Leute bei uns geblieben. Ein deutlich überdurchschnittlicher Wert, wenn ich mir Markstudien des DGV anschaue. Die Leute kommen also nicht nur, weil sie ein attraktives Angebot bekommen haben, sondern sie bleiben, weil sie feststellen: Hier kann man es aushalten. Die Mitgliedschaft ist ihr Geld wert. Wenn hingegen 50 Prozent die Geld-zurück-Garantie in Anspruch nähmen, dann hätte ich sicherlich Schwierigkeiten, das Instrument weiter zu nutzen.

Der Südplatz des Golf- und Country Club Seddiner See. Foto: GCC Seddiner See

Was sagen Ihnen diejenigen, die den Club nach einem halben Jahr Testphase wieder verlassen?

Schubert: Da hören wir vorwiegend zwei Gründe, die wir nicht beeinflussen können: zu viel Beruf, zu wenig Freizeit und kurzfristiger Ortswechsel, meistens beruflich bedingt.

Woher kommen die Golferinnen und Golfer, die Ihr Angebot nutzen?

Schubert: Überraschenderweise kommt fast die Hälfte aus dem Bereich der Fernmitgliedschaften. Die spielen also bereits Golf, sind in Berlin-Brandenburg zuhause, aber kein Mitglied in einem GVBB-Club. Die zweitgrößte Gruppe kommt mit 33 Prozent aus anderen Clubs der Region; der Rest sind Golfanfänger.

„Wir geben einen Vertrauensvorschuss“

Überrascht es Sie, dass noch kein anderer Golfclub Ihrem Beispiel gefolgt ist und ebenfalls eine Rückerstattung des Jahresbeitrags anbietet?

Schubert: Doch, das wundert mich durchaus. Denn ich bin überzeugt davon, dass alle Golfanlagen vor der Aufgabe stehen, Schwellenängste bei den Menschen abzubauen. Wir sollten die Türen für die Menschen so weit öffnen, wie wir können, und Ihnen entgegenkommen, beispielsweise mit einem Vertrauensvorschuss wie einer Geld-zurück-Garantie.

Wie sind Sie eigentlich auf die Idee gekommen?

Schubert: Der Textilversender Land’s End ist mit diesem Garantieversprechen seit mehr als 50 Jahren erfolgreich am Markt. Wir, der Golf- und Country-Club Seddiner See, sind ebenfalls erfolgreich am Markt und haben seit Einführung der Geld-zurück-Garantie die Zahl unserer Mitglieder um 14 Prozent gesteigert.

Was ist der Innovationspreis des Deutschen Golf Verbands?

„Abschlag der Ideen“, der Innovationspreis des DGV, wird seit 2018 in jährlich wechselnden Kategorien vergeben. Nach Umwelt und sozialem Engagement steht 2020 die Kundengewinnung im Fokus. Eine Jury hat aus 100 eingereichten Projekten drei Nominierte ausgewählt. Neben dem GCC Seddiner See sind das der Hamburger Land & Golf Club Hittfeld und der Golfclub Essen-Heidhausen. Diese drei Clubs erhalten ein je nach Abschneiden gestaffeltes Preisgeld sowie ein professionelles Video über ihr Best-practice-Beispiel. Abstimmen können die Delegierten des DGV-Verbandstages – wegen der Corona-Pandemie diesmal im schriftlichen Verfahren. Bekanntgegeben wird der Sieger des Innovationspreises voraussichtlich Ende November.

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