Die Anfänge von Golf in Berlin liegen im Westend

Die Anfänge von Golf in Berlin liegen im Westend
1984 wurde der Charlottenburger Golfclub gegründet, aus dem später der heutige Golf- und Land-Club Berlin-Wannsee hervorging. Das historische Foto zeigt einige Golfpioniere auf dem Grün vor dem ersten Clubhaus im Berliner Westend.

Seit 1884 wird in Berlin Golf gespielt. Doch den ersten Golfplatz gibt es schon lange nicht mehr – dort ist heute eine Kleingartenkolonie zuhause.

Fotos: Golf- und Land-Club Berlin-Wannsee

Wer den Ort sucht, an dem alles begann, findet heute nur noch ein schlichtes Metallschild mit der Aufschrift „Golfplatz“. Immerhin: Der Name ist geblieben. Doch wo einst Berlins erste Fairways und Grüns angelegt wurden, liegt heute nur noch eine gleichnamige Kleingartenkolonie. Im Berliner
 Westend, Spandauer Damm, Ecke Bolivarallee gründeten unter anderem der amerikanische Zahnmedizin-Professor Willoughby Dayton Miller und der deutsch-schottische Verleger Andrew Pitcairn-Knowles 1894 Berlins ersten Golfclub.

Lange hieß es, amerikanische und britische Diplomaten
hätten den Club ein Jahr später gegründet, aber ein Artikel in der Zeitschrift ‚Spiel und Sport’ aus dem Mai 1894 widerlegt das. Die Berliner Golfpioniere errichteten ihren Neun-Loch-Platz auf einem Gelände, das ihnen vom Grafen zu Eulenburg zur Verfügung gestellt wurde. Schnell wurden am Spandauer Damm erste Turniere veranstaltet: Ein beim deutschen Kaiserreich akkreditierter US-Diplomat stiftete einen attraktiven Silberpokal, der im Westend ab 1896 jährlich ausgespielt wurde. Es ist Berlins älteste Golftrophäe: Bis heute findet im Golf- und Land-Club Berlin-Wannsee Jahr für Jahr das traditionelle Turnier um den Gründerpokal statt.

Auch wenn im inzwischen eingedeutschten Golf-Club Berlin royale Gäste verkehrten wie der deutsche Kronprinz Friedrich Wilhelm und der spätere englische König Edward VIII., musste der Platz im Westend einige Jahre nach dem ersten Weltkrieg weichen. Wo Berlins erste Golfbahnen lagen, sollte eine Wohnsiedlung entstehen. Die Golfer fanden ihre neue Heimat in einem 35 Hektar großen Waldstück südlich des sogenannten Wannseer Kilometerbergs. Schon früher gab es dort Pläne für einen Golfplatz. Durch den kriegsbedingten Ausfall der Olympischen Spiele 1916 in Berlin wurde das Vorhaben aber zunächst aufgeschoben.

Länger wurde mit dem Umzug nicht nur der Name – Golf- und Land-Club Berlin-Wannsee –, sondern auch der Golfplatz. 1925 waren schon 12 von 18 Bahnen fertiggestellt. Im Jahr darauf wurden Berlins erster vollständiger Golfplatz und das beeindruckende Clubhaus mit einem Wettspiel feierlich eröffnet. Weil der Club bald 1400 Mitglieder zählte und deshalb Startzeiten für das Spiel vergeben musste, sicherten sich die Wannseer Golfer weitere 90 Morgen Land in Richtung des nahegelegenen Stölpchensees. Dort entstanden weitere neun Löcher, um den Spielbetrieb zu entzerren.

Hügeliges Gelände: So sah Berlins erster Golfplatz am Spandauer Damm aus.

Bis 1936 fanden in Wannsee sechsmal die Offenen Deutschen Meisterschaften statt. Doch mit Beginn des zweiten Weltkriegs ging die Blütezeit der Berliner Golfszene unweigerlich zu Ende. sowjetische Kampfeinheiten hoben 1945 auf dem Golfplatz Schützengräben aus, brachten Artillerie in Stellung. Mehrere Granaten setzten das Clubhaus in Brand, das fast vollständig zerstört wurde.

Im selben Jahr noch, nach Kriegsende, übernahm das amerikanische Militär den Golfplatz, den die Sowjets bis dahin als Pferdeweide genutzt hatten. 18 Löcher machten die golfaffinen Amerikaner wieder bespielbar. Die neun Löcher am Stölpchensee überließen sie dagegen sich selbst. Undenkbar war zu jener Zeit, dass deutsche Golfer den amerikanischen Platz hätten nutzen können. Die US-soldaten führten die Golftradition in Wannsee auf ihre Art fort, während die Berliner Golfer deutlich dezimiert an die Kladower Imchenallee umzogen. Dort bauten sie eine sechs-Loch-Anlage, deren längstes Fairway 270 Meter maß.

Als kleines Wunder betrachteten die Wannseer damals, dass sie 1953 auf ihren alten neun-Loch-Platz am Stölpchensee zurückkehren durften. Fast ein halbes Jahrhundert dauerte es dann allerdings noch, bis 1994 die Amerikaner anlässlich des endgültigen Abzugs der Alliierten auch ihren 18-Loch-Platz an die eigentlichen Hausherren übergaben.

Den zweiten ernstzunehmenden Golfplatz auf Berliner Gemarkung baute indes die britische Royal Air Force auf dem Gelände des Flughafen Gatow. 1969 eröffnete der British Golf Club Gatow einen Platz mit neun Löchern, die jeweils zwei verschiedene Abschläge hatten. 2001 wurde der Platz dann auf 18 Löcher erweitert. Wo heute größtenteils dichter Baumbestand die Fairways säumt, erstreckten sich damals kahles Feld und eine riesige Lagergrube. Dass früher nicht immer alles besser war, beweist das heutige Übungsgrün direkt vor dem Gatower Clubhaus: seit das Grün nicht mehr zum Platz gehört, landen deutlich weniger Golfbälle auf dem Dach des Clubhauses.