Berliner Golfträume in Las Vegas

Berliner Golfträume in Las Vegas
Allen Grund zur Freude: David Rauch (rechts) und Polly Mack (vorne quer) vom Berliner Golfclub Stolper Heide überzeugen mit ihren Leistungen für die Golfteams der University of Nevada Las Vegas. Mit Falko Hanisch (links) zieht es 2019 einen weiteren Schützling von Trainer Gregor Tilch ans College der Wüstenstadt. Foto: Mike Wolff

Las Vegas wird langsam zum amerikanischen Außenposten der deutschen Golfnationalmannschaft. Polly Mack und David Rauch vom Berliner Golfclub Stolper Heide spielen bereits für das College der Wüstenstadt. Bald folgt ihnen Clubkamerad Falko Hanisch. Tagesspiegel GOLF hat die Drei in Las Vegas besucht.

Als Polly Mack neulich eine Trainingseinheit im Las Vegas Country Club hinter sich hatte und mit ihren Schlägern auf dem Weg zurück zum Auto war, stand plötzlich Alex Cejka vor ihr. Ihm sei auf der Driving-Range ihr deutsches Nationaltrikot aufgefallen, erklärte der PGA-Tour-Spieler. Wer sie denn sei und was sie nach Las Vegas verschlagen habe, wollte Cejka wissen. Immerhin gehört der 47-Jährige ebenfalls zum Golf Team Germany und besitzt entsprechend auch ein Nationaltrikot, das er zuletzt bei den Olympischen Spielen in Rio tragen durfte.

Da standen sich in der weltberühmten Wüstenstadt also zwei aus einem Team gegenüber. Zwei, die sich bisher nicht persönlich kannten, die aber in Las Vegas ein und dasselbe Ziel verfolgen: an ihrem Golfspiel zu arbeiten. Cejka hat viele Jahre in Las Vegas gelebt und verbringt noch immer die Hälfte des Jahres dort – wegen der exzellenten Bedingungen für Golfer. Und genau die haben auch die Berlinerin Polly Mack angezogen, die inzwischen ihr zweites Jahr für das Golfteam der University of Nevada Las Vegas (UNLV) spielt.

Die 19-Jährige aus dem Berliner Golfclub Stolper Heide hat eine beeindruckende erste Saison hinter sich. Sie wurde in der Mountain West Conference, in der ihr College antritt, zum Neuling des Jahres („Freshman of the Year“) und zur Spielerin des Jahres („Player of the Year“) gewählt. Nie zuvor ist das einer Spielerin der „Rebels“, wie sich die Athleten der UNLV nennen, gelungen. Ihre College-Trainerin Amy Bush-Herzer ist voll des Lobes über die Deutsche Meisterin von 2016: „Es ist bemerkenswert, wie schnell und problemlos sich Polly im Studium und in unserem Golfteam eingelebt hat.“ Sie arbeite sehr hart und wisse genau, was sie wolle. „Das macht sehr gute Spielerinnen aus und lässt sich schwer erlernen“, betont die Trainerin.

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Dwaine Knight, von vielen nur Coach Knight genannt, führt das College-Team der Männer und ist in den USA eine wahre Trainerlegende. Foto: Mike Wolff

Ähnliches ist über David Rauch zu hören, der gerade im ersten Semester an der UNLV studiert und schon eine feste Größe im Golfteam der Männer ist. „Ich mag Davids Herangehensweise; er ist ein starker Spieler mit enormem Trainingsfleiß“, lobt Dwaine Knight, in den USA eine Trainerlegende. Coach Knight, wie ihn alle nur nennen, hat schon Adam Scott, Ryan Moore und Charley Hoffman geformt. Er wurde bereits 2004 in die Hall of Fame der Golf Coaches Association of America berufen. Knight gilt als absoluter Puttingexperte, als einer mit dem Blick für entscheidende Details.

„Coach Knight ist eine unheimliche Respektsperson und zugleich jemand, der mit seinen Sprüchen für eine Menge gute Stimmung sorgt“, berichtet David Rauch, der wie Polly Mack an der UNLV Hotelmanagement studiert. Der 19-Jährige sagt, er fühle sich nach den ersten Monaten in seiner Entscheidung für Las Vegas vollkommen bestätigt: „Tagsüber herrscht hier fast durchgängig T-Shirt-Wetter, und die Golfplätze sind fantastisch.“ Shadow Creek, Southern Highlands und Wolf Creek sind allein drei Golfplätze mit Weltruhm von knapp 60 Anlagen, die es in Las Vegas und der näheren Umgebung gibt. Alle stehen den UNLV-Golfern offen. Ideale Voraussetzungen, um auf eine Tourkarriere hinzuarbeiten, von der Polly Mack und David Rauch träumen.

Rückflug auch mal im Privatjet

Freuen kann sich David Rauch darüber, dass er bisher bei sämtlichen Turnieren zum Aufgebot der Rebels gehörte – keine Selbstverständlichkeit. Zehn Spieler zählt der Kader, fünf dürfen jeweils mitreisen und für das College aufteen. Der interne Wettbewerb um die Teamtrikots ist enorm. „Unsere Spieler müssen sich ihren Einsatz verdienen“, erklärt Dwaine Knight. Er sei überzeugt davon, dass es diesen Wettbewerb braucht, um Bestleistungen zu erreichen. „Wenn uns hervorragende Ergebnisse gelingen, dann haben wir manchmal das Glück, dass uns ein Gönner des Teams mit seinem Privatjet zurück nach Las Vegas fliegen lässt.“

Im Training genießen Coach Knights Athleten überraschend viel Freiheiten. „Terminiert sind lediglich die Fitness-Kurse jeden Montag, Mittwoch und Freitag um 6 Uhr morgens“, sagt David Rauch. Was sein Golftraining betreffe, halte er engen Kontakt zu seinem Heimatcoach Gregor Tilch in Stolpe. „Ich schicke Gregor regelmäßig Videos von meinem Schwung, und dann besprechen wir zusammen mit Coach Knights Assistenztrainer Philip Rowe, wie wir daran arbeiten“, schildert der deutsche Nationalspieler.

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Damen-Trainerin Amy Bush-Herzer und Assistant-Coach Andy Crabtree haben mit Polly Mack eine echte Leistungsträgerin im Team der Rebels. Foto: Mike Wolff

Überhaupt hat Gregor Tilch einen entscheidenden Anteil daran, dass die UNLV erst Polly Mack, dann David Rauch und ab 2019 auch Falko Hanisch ein Golfstipendium gewährt hat. „Gregor hat eine Menge Talente unter sich, und ich mag ihn als Coach und als Mensch“, erklärt Dwaine Knight. Vor ein paar Jahren hätte er Gregor Tilch am Rande der Shriners Open in Las Vegas kennengelernt und gleich ein langes Gespräch über Golftraining mit ihm geführt. „Viele Überzeugungen von Gregor decken sich mit meinen“, sagt Knight, der den Austausch mit dem Berliner Golflehrer sehr schätzt. Dasselbe gilt für Ladies-Coach Amy Bush-Herzer, die sagt: „Gregor hat ein unglaubliches Wissen, was mich dazulernen lässt und damit auch alle Spielerinnen im Team weiterbringen kann.“

Training hat Falko Hanisch überzeugt

Polly Mack und David Rauch freuen sich schon darauf, dass ihr Berliner Clubkamerad Falko Hanisch sich bald auch den Rebels anschließt. „Wir kennen uns seit so vielen Jahren und haben immer zusammen trainiert und gespielt“, erzählt Rauch. „Ich freue mich mega auf Falko.“ Hanisch, der 2016 die British Boys gewinnen konnte und in diesem Jahr zum Eliteschüler des Jahres an der Sportschule im Olympiapark gewählt wurde, hatte auch Angebote anderer renommierter Colleges, darunter die Stanford University. „Ich habe mich für Las Vegas entschieden, weil hier das Gesamtpaket am besten gepasst hat“, sagt Hanisch. Die Freiheit, weiterhin individuell trainieren zu können und nicht wie in manchen Collegeteams durch einen einheitlichen Mannschaftsdrill zu müssen, hätten den Ausschlag gegeben.

Gut möglich, dass Alex Cejka dann noch häufiger deutsche Nationaltrikots in Las Vegas sehen wird. Der langjährige PGA-Tour-Spieler hat selbst schon mit Coach Knight zusammengearbeitet und könnte den drei Rebels aus Berlin sicher seinerseits eine Menge mit auf den Weg geben. Es heißt, eine gemeinsame Runde unter Nationalspielern sei so gut wie ausgemacht.