Golfclubs wollen gegen Zwangsschließung klagen

Golfclubs wollen gegen Zwangsschließung klagen
Kommt es wieder soweit? Die Golfclubs wollen sich gegen eine erneute Zwangsschließung juristisch wehren. Foto: Arne Bensiek

Wenn Sportanlagen in einem nächsten Lockdown schließen müssen, dürfte das auch Golfplätze betreffen. Mehrere Clubs in Berlin-Brandenburg würden gegen eine erneute Zwangsschließung klagen. Der Deutsche Golf Verband (DGV) unterstützt sie dabei.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder werden am Mittwochabend voraussichtlich neue Einschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie verkünden. Nach Informationen der Bildzeitung sollen wie beim ersten Lockdown sämtliche Sportanlagen geschlossen werden. Mehrere Golfanlagen in Berlin-Brandenburg würden gegen eine solche Regelung juristisch vorgehen. Der DGV bereitet für die Clubs bereits ein Schreiben für eine Musterklage gegen die Zwangsschließungen vor. „Natürlich bekämpft man eine Pandemie nicht mit Ausnahmeregelungen, aber man sollte aus den vergangenen Monaten lernen“, fordert DGV-Kommunikations-Vorstand Jörg Schlockermann. „Wir haben von keiner einzigen Infektionskette erfahren, die auf eine Golfanlage zurückzuführen ist.“

Motzens Präsident Hans-Georg Giering. Foto: Mike Wolff

Hans-Georg Giering, Präsident des Berliner Golf & Country Clubs Motzener See, kündigt an, dass sein Club sich gegen eine erneute Zwangsschließung juristisch zur Wehr setzen würde. „Wir haben alle Maßnahmen getroffen, damit von unserer Anlage kein Risiko ausgeht“, betont Giering. Auf eigene Initiative habe der Club vor 14 Tagen sein Hygienekonzept noch einmal verschärft und eine Maskenpflicht im gesamten Clubhaus bestimmt. „Wir haben den Lockdown im Frühjahr tapfer mitgetragen, aber eine weitere Schließung würden wir nicht einfach hinnehmen, weil es dafür keine plausiblen Gründe gibt“, sagt Motzens Präsident.

„Wir würden definitiv gegen die Schließung klagen“, betont Ariane Fränkle, Managerin der Golfanlagen Gross Kienitz. Thomas Schumann, Manager des Golfpark Schloss Wilkendorf, will die weitere Entwicklung abwarten und dann über mögliche Schritte entscheiden. Thomas Bonk, Geschäftsführer der Golfclub Stolper Heide Betriebs GmbH sagt: „Die Vorsicht, mit der die Golferinnen und Golfer auf unserer Anlage unterwegs sind, ist vorbildlich.“ Beim ersten Lockdown hätten die Clubmitglieder noch viel Verständnis für die vorübergehende Schließung der Golfplätze gezeigt – angesichts der unübersichtlichen Lage und der fehlender Erfahrung mit der Corona-Pandemie. „Dieses Verständnis wäre jetzt aber aufgebraucht, weil vom Golfspielen nachweislich keine Gefahr ausgeht“, sagt Bonk.

„Schade, dass es keine Konzepte gibt“

Er rechne für den Fall einer neuerlichen Zwangsschließung mit mehr Rückerstattungsforderungen von Mitgliedern. „Wir werden gegen eine Schließung juristisch vorgehen müssen, weil es wirtschaftlich notwendig ist“, so der Geschäftsführer. Niemand wünsche sich, gegen Regelungen zu klagen, die der Eindämmung der Pandemie dienen. „Schade, dass es nach mehr als einem halben Jahr mit der Corona-Pandemie offenbar keine Konzepte gibt, die unterscheiden zwischen geschlossenen Sportstätten und Anlagen für Individualsport im Freien.

Binnewies, Golf, Berlin
GVBB-Präsident Harald Binnewies. Foto: Mike Wolff

Weniger als ein Prozent der deutschen Clubgolfer haben wegen der geschlossen Golfanlagen im Frühjahr Beiträge zurückgefordert, weiß Harald Binnewies, Präsident des Golfverbands Berlin-Brandenburg (GVBB). Das habe eine Auswertung des DGV ergeben, die kürzlich Thema im Länderrat gewesen sei. Sollte es zu einer erneuten Zwangsschließung der Golfplätze kommen, sieht Binnewies gute Chancen, auf dem Rechtsweg einstweilige Verfügungen dagegen zu erwirken: „Die Gleichmacherei hat ja auch schon dazu geführt, dass das Beherbergungsverbot von Gerichten gekippt wurde.“ Als Sport, der an der frischen Luft, kontaktlos und meist sogar im großen Abstand betrieben werde, sei Golf vollkommen unbedenklich.

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