Absurde Zweiteilung des Golfclubs an der Oder

Absurde Zweiteilung des Golfclubs an der Oder
No Golf, no Fun derzeit für die Golfer aus Frankfurt (Oder) auf ihrem Heimatplatz in Slubice. Berliner Fernmitglieder hingegen dürfen ungehindert über die Grenze. Foto: Wolfgang Weber

Die unterschiedlichen Eindämmungsverordnungen von Berlin und Brandenburg teilen die Mitglieder des Golfclubs An der Oder in zwei Lager: Die einen dürfen spielen, die anderen praktisch nicht. Auch Clubpräsident Andreas von Bandemer gehört zu den Leidtragenden.

Die letzte Golfrunde, die Andreas von Bandemer zusammen mit einem Freund auf dem gemeinsamen Heimatplatz gespielt hat, liegt schon vier bis fünf Wochen zurück. Und es sieht nicht danach aus, als seien ihm und seinem Flightpartner in der nächsten Zeit neue sportlich-erfrischende Wintergolfrunden vergönnt.

Andreas von Bandemer ist seit gut zehn Jahren Präsident des kleinsten Golfclubs in Brandenburg, des in Frankfurt (Oder) angesiedelten GC An der Oder. Der östlichste aller dem DGV angeschlossenen Golfclubs wartet mit einer weiteren Besonderheit auf, die sich in diesen Lockdown-Wochen – schon zum wiederholten Mal im Corona-Jahr 2020 – als für die große Mehrheit der Mitglieder ausgesprochen nachteilig erweist: Die neun Löcher umfassende sportliche Heimat der Frankfurter Golfer, genannt „Debowa Polana“ (zu deutsch: Eichenlichtung), liegt, wie der Name schon verrät, östlich des Grenzflusses Oder, am südlichen Stadtrand von Frankfurts polnischer Nachbarstadt Slubice.

Andreas von Bandemer ist seit mehr als zehn Jahren Präsident des Golfclubs An der Oder, des einzigen DGV-Clubs, dessen Heimatplatz komplett außerhalb der deutschen Grenzen liegt. Foto: Wolfgang Weber

Knappe vier Kilometer Luftlinie und die Stadtbrücke von Frankfurt hinüber nach Slubice trennen den Clubchef von „seinen“ Fairways und Grüns in den östlichen Oderwiesen. Denn wie die allermeisten der rund 130 Mitglieder des GC An der Oder sind der gebürtige Hannoveraner und seine aus dem Rheinland stammende Frau in Frankfurt zuhause – und unterliegen somit den strengen Corona-Lockdown-Regeln des Landes Brandenburg. Seit Beginn des „harten Lockdowns“ am vergangenen Mittwoch ist der normale „kleine Grenzverkehr“ zwischen Polen und Brandenburg weitgehend zum Erliegen gekommen. Nur noch als Berufspendler, Schüler, Studierende oder wegen eines Familienbesuchs dürfen Einwohner der Mark die Grenze ohne Quarantänepflicht überqueren.

Zehn Tage Quarantäne nach einer Runde Golf

Jeder Brandenburger, der aus anderen Gründen „nur mal kurz“ über die Oder fahren will, etwa um billig zu tanken, auf dem „Polenmarkt“ genannten Basar Slubice einzukaufen oder gleich nebenan eine Runde Golf zu spielen, muss sich nach der Rückkehr in eine zehntägige Quarantäne begeben. In der Praxis bedeutet dies für die Mitglieder des GC An der Oder: Als einzige Golfer in Berlin-Brandenburg müssen sie auf ihr geliebtes Hobby bis auf Weiteres komplett verzichten – no Golf, no Fun.

Aber auch für diese Regel gibt es eine geradezu absurde Ausnahme: Allein die knapp 30 Fernmitglieder des GC An der Oder, die in Berlin leben, dürfen nach Lust und Laune ihr äußerst preisgünstiges Spielrecht auf der Debowa Polana in Anspruch nehmen. Beispielsweise der teilpensionierte Berliner Lehrer Gösta Isakowitz, der mehrmals monatlich die exakt 99 Kilometer von seiner Haustür in Tempelhof zum Golfplatz in Slubice fährt, wo er stets ohne Vorreservierung und Wartezeit auf die Runde gehen kann. Möglich macht es eine Lücke in der aktuellen Berliner Infektionsschutzverordnung. Obwohl Polen vom Robert-Koch-Institut als Covid-Risikogebiet eingestuft wird, entgehen Bürger der Hauptstadt der Quarantänepflicht, wenn sie sich weniger als 24 Stunden im Nachbarland aufhalten.

Der Golfplatz Debowa Polana (Eichenlichtung) ist sportliche Heimat eines polnischen und eines deutschen Golfclubs. Foto: Wolfgang Weber

Eine besonders merkwürdige und potentiell gefährliche Folge dieser Verordnungslücke „made in Berlin“: Da im Hinblick auf Silvester Corona-bedingt der Verkauf von Pyrotechnik in Deutschland untersagt ist, decken sich seit Tagen ganze Heerscharen Knaller-verrückter Berliner auf diversen Märkten jenseits der Oder mit suspekten Polen-Böllern ein. Shuttlebusse aus Berlin, die mehrmals täglich den „Polenmarkt Hohenwutzen“ ansteuern, melden hervorragende Auslastungen. Die Intensivstationen der Kliniken zwischen Spandau und Marzahn blicken dem Jahreswechsel sicher nicht mit Vorfreude entgegen.

„In hohem Maße irritiert“ über dieses Messen mit zweierlei Maß äußerte sich nicht nur der Sprecher der Stadt Frankfurt (Oder), Uwe Meier. Dass allein die Hauptstädter folgenlos die Frankfurter Stadtbrücke nach Slubice überqueren und sich dort mit billigen Zigaretten und Silvesterböllern eindecken oder auch golfen dürfen, hat auch schon bei etlichen einheimischen Mitgliedern des Golfclubs An der Oder für Unmut gesorgt, wie Andreas von Bandemer zu berichten weiß.

Gute Nachrichten für Frankfurter Golfer

Immerhin, auf mittlere und längere Sicht hat der Clubchef gute Nachrichten für seine Clubmitglieder: Die vor einigen Monaten noch recht düsteren Zukunftsaussichten der Golfanlage auf der Eichenlichtung haben sich in den vergangenen Wochen spürbar aufgehellt. Nach einem Führungswechsel beim kommunalen Slubicer Sport- und Erholungszentrum (SOSIR), das bis zum Sommer auch die latent defizitäre Golfanlage Debowa Polana verwaltete, schien die Schließung des Platzes nur noch eine Frage der Zeit.

Die Debowa Polana lädt ein zum Wintergolf in den östlichen Oder-Wiesen. Doch die Golfer aus Frankfurt (Oder) dürfen die Einladung derzeit nicht annehmen. Foto: Wolfgang Weber

Doch jetzt gibt es eine neue, hoffnungsvolle Entwicklung. Der Chef des benachbarten Sporthotels “Olimpic Park” hat den Golfplatz von der kommunalen Gesellschaft in privater Trägerschaft übernommen und mit dem ehemaligen Landrat Leopold Owsiak auch gleich einen kompetenten Golfmanager eingesetzt. Owsiak, selbst begeisterter Hobbygolfer, war im vorigen Jahr die treibende Kraft hinter einem großen Nachwuchsförderungsprogramm, bei dem über 500 Schülerinnen und Schüler aus der Wojewodschaft Lubuskie an Intensiv-Schnupperkursen auf der Slubicer Golfanlage teilnahmen. In der Folge ist die Zahl der Mitglieder des polnischen Golfclubs Slubickie Pole Golfowe, mit dem sich die Frankfurter quasi den Golfplatz an der Oder teilen, immerhin von 30 auf rund 50 gestiegen.

Andreas von Bandemer freut sich auf die künftige enge Zusammenarbeit mit den neuen polnischen Partnern, die er bereits seit Jahren kennt. Allerdings: „Ich kann im Moment noch nicht mal für zwei Stunden rüber, um mit ihnen über Vorhaben für die nächste Golfsaison zu reden.”

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