Pro und Contra: Golflaser gegen Golf-GPS

Pro und Contra: Golflaser gegen Golf-GPS
Laser, GPS-Uhr oder Golfradar: Entfernungsmesser und Traininshilfen gibt es für jeden Geschmack und Zweck. Foto: Denis Hohmann

Entfernungsmesser sind im Golf nicht mehr wegzudenken. Manche schwören auf Golflaser, andere setzen lieber auf GPS-Geräte. Warum, erklärt der Berliner Materialexperte Denis Hohmann, der sich anfangs sogar gegen die Technik gesperrt hat.

„Als die ersten Laser auf den Markt kamen, war ich sehr skeptisch“, erinnert sich Denis Hohmann von Hohmann Golf in Berlin-Charlottenburg. Er, der Materialfachmann, gehörte damals zum Bundesliga-Team des Golf- und Land-Club Berlin-Wannsee und vertraute lieber altbewährten Methoden. „Bei besonders wichtigen Runden bin ich tags zuvor mit dem Meterrad den Golfplatz abgegangen und habe die Entfernungen diverser Hindernisse notiert“, sagt Hohmann und kann darüber heute nur noch schmunzeln. Seine erste Runde mit einem Golflaser – damals noch ausgeliehen von einem Freund – hätte ihn zum Umdenken gebracht, ihm die Augen geöffnet: „Beim Golf geht es um gute Schläge und nicht um fleißiges Messen.“ Golfrunden ohne Laser seien für ihn heute kaum noch vorstellbar.

Garmin gibt bei Golfuhren den Ton an

Die beliebteste und am weitesten verbreitete Form der Entfernungsmesser sei mittlerweile aber die GPS-Uhr, angeführt vom Schweizer Hersteller Garmin, beobachtet Hohmann auf dem Golfplatz und im Geschäft. „Die Uhren haben sich total etabliert.“ Ihre Vorteile: klein, auf einen Blick zu erfassen und bei Einsteigermodellen vergleichbar günstig. Trotz ihres begrenzten Displays seien die Uhren Multitalente, die sämtliche Distanzen exakt parat haben – zu Bunkern, Wasserhindernissen, Grünanfang, Grünende, aber… „Nicht zur Fahne, und das ist ihr größter Schwachpunkt“, betont Hohmann. Denn die Fahnenpositionen variieren jeden Tag.

„Zwei Jahre lang habe ich mich gegen Laser gewehrt, dann habe ich einen ausprobiert und möchte seitdem nicht mehr drauf verzichten“, sagt Materialexperte Denis Hohmann. Foto: Mike Wolff

Auf Golfanlagen, die ihre Pinpositions vermessen und auf der Scorekarte oder einem kleinen Zettel angeben, bleibt den Besitzern von GPS-Uhren im besten Fall nur ein kleines bisschen Mathematik. Fehlen diese Werte, hilft nur, die Fahnenposition auf der Uhr annähernd zu bestimmen. Ein ungenaues Unterfangen und eine Funktion, die nicht einmal alle Golfuhren anbieten.

„In puncto Exaktheit sind die Laser aus meiner Sicht unschlagbar“, sagt Denis Hohmann. Auch wenn das Gerät vor jedem Schlag aus dem Bag genommen werden und auf die Fahne gerichtet werden müsse, sei das höchstgenaue Ergebnis den Aufwand wert. Abgesehen vom Erneuern der Batterie erfordern Golflaser sonst keine Pflege. Anders als GPS-Uhren. Die müssen nicht nur regelmäßig aufgeladen werden, sondern benötigen hin und wieder auch ein Update. Wenn es in den Golfurlaub geht, stellt sich plötzlich die Frage: Umfasst die mit der Uhr erworbene Lizenz auch die Plätze in Las Vegas, London oder Nordvietnam? In manchen Fällen ist eine zusätzliche Lizenz nötig, die auch zusätzliche Kosten verursacht. Vorteil Laser!

Ein Golflaser hilft auch auf der Driving-Range

Wertvoller als eine GPS-Uhr ist ein Laser auch beim Training auf der Driving-Range. Denn die Entfernungstafeln zeigen die Distanz zu den Kunstrasenmatten. Gibt es aber Rasenabschläge, lässt sich ihre tatsächliche Entfernung nur mittels Laser bestimmen. Ein weiterer Vorteil für den Laser, der anschließend jedoch keine Auskunft darüber gibt, wie gut oder schlecht der Schlag genau war. „Wer ein technischen Begleiter fürs Training sucht, dem empfehle ich das FlightScope mevo, ein handliches Golfradar für den privaten Bereich, das ins Golfbag passt und für 649 Euro um Welten günstiger ist als die Profimodell von FlightScope und Trackman“, sagt Denis Hohmann.

Bushnell ist Marktführer bei Golf-Lasern, Garmin bei GPS-Golfuhren. Beide Hersteller produzieren inzwischen auch Hybride. Foto: Denis Hohmann

Auf der Runde haben Golfuhren und andere GPS-Geräte ihre Stärken bei den inzwischen sehr ausgefeilten Statistiken, die sich mit ihrer Hilfen erfassen lassen. Vom Score, Fairwaytreffer und Green in Regulation bis zur tatsächlichen Länge eines Schlages. Wer wissen will, wo seine Stärken und Schwächen liegen, kann dies mit den GPS-Geräten nachhalten, per Bluetooth aufs Smartphone übertragen und auswerten. Es gibt zwar unzählige Smartphone-Apps, die das auch ohne Uhr bieten. Ihr Nachteil: Der Stromverbrauch ist oft so hoch, dass das Handy noch vor Ende der Runde in die Knie geht.

Sensoren im Schläger gehört die Zukunft

Wer bereit ist, etwas mehr Geld zu investieren, findet inzwischen auch Laser mit GPS wie etwa das Garmin Z80. „Aus meiner Sicht ist das die Eier legende Wollmilchsau, weil man mit dem Laser eine exakte Distanz messen kann und beim Blick durch das Okular auch eine Bahnenskizze sieht, in der auch der Punkt markiert ist, den man gerade fixiert“, erklärt Hohmann. „Ein super geiles Gerät.“ Mehr gehe nicht.

Ein Trend mit Zukunft sind indes die Arccos-Sensoren, die etwa Schlägerhersteller PING für seine Schläger anbietet. Via Sensoren erkennt die Arccos-App auf dem Smartphone stets, welcher Schläger gerade zum Einsatz kommt und dokumentiert damit Schlag für Schlag die Runde. „Damit kann man seine ganze Runde hinterher nochmal durchgehen“, sagt Hohmann. Noch liegen die Kosten für die Sensoren pro Schläger zwischen 15 und 20 Euro, hinzu kommt eine Arccos-Mitgliedschaft von circa 100 Euro pro Jahr. „Solche Sensoren werden in fünf bis zehn Jahren bestimmt standardmäßig in allen Golfschlägern verbaut sein“, glaubt Denis Hohmann.

Zur Person: Denis Hohmann (37) spielt seit seinem zehnten Lebensjahr Golf. Als Fitting- und Materialexperte berät er bei Hohmann Golf täglich Golferinnen und Golfer auf der Suche nach dem passenden Equipment. Der gebürtige Charlottenburger war Berliner Meister, hat für den Golf- und Land-Club Berlin-Wannsee in der Bundesliga gespielt und teet mittlerweile für die Jungsenioren des Golf- und Country Club Seddiner See e.V. auf.

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