Falko Hanisch: Sport-Eliteschüler des Jahres

Falko Hanisch: Sport-Eliteschüler des Jahres
Nationalspieler Falko Hanisch vom Berliner Golfclub Stolper Heide ist von der Poelchau-Schule zum Eliteschüler des Jahres ausgezeichnet worden. Foto: Mike Wolf

Mit Falko Hanisch hat die Sportschule im Olympiapark in dieser Woche erstmals einen Golfer als Eliteschüler des Jahres ausgezeichnet. Ein Interview über Spitzenleistungen auf der Schulbank und dem Golfplatz.

Herr Hanisch, Eliteschüler des Jahres hört sich ziemlich vornehm an. Was bedeutet Ihnen die Auszeichnung?

Falko Hanisch: Ich finde sie ziemlich cool, weil sie aus meiner Sicht auch eine Wertschätzung für die Sportart Golf ist. Es gibt ja Menschen, die Golf nicht für Sport halten. Das war anfangs sogar unter den Schülern hier auf der Poelchau-Schule so. Hier gibt es viele Fußballer, Schwimmer, Wasserballer, Ruderer und Leichtathleten. Lydia Volkmer und Hannes Hilburger aus Wannsee und Falk Ivanov und ich aus Stolpe sind hier als Golfer eher Exoten. So richtig weiß ich allerdings noch nicht, wie ich die Auszeichnung zwischen meinen Turniersiegen im Golf einzuordnen habe. Ich werde es vielleicht einfach mal in meinen Lebenslauf aufnehmen.

Hat man Ihnen erklärt, warum die Wahl auf Sie gefallen ist?

Hanisch: Der Schulleiter hat mir gesagt, dass die Auszeichnung an die Schülerin oder den Schüler geht, die oder der sich in den vergangenen Jahren sportlich wie schulisch am besten entwickelt hat.

Sie trainieren acht Stunden am Tag und sind fast ständig unterwegs auf Turnieren im In- und Ausland. Wie kommen Sie zu Ihrem blütenreinen Notenschnitt von 1,0?

Hanisch: Für mich ist das Lernen eine willkommene Abwechslung zum manchmal eintönigen Trainingsalltag. Nur Golf reicht mir nicht, ich möchte auch was für meinen Kopf tun. Ich habe das Glück, dass mir das Lernen außerdem leichtfällt und dass es kein Fach gibt, das mich nicht interessiert. Aber es liegt auch an den Lehrern, die uns Schüler extrem unterstützen und uns auch mit allem wichtigen Material versorgen, wenn wir mal nicht da sind. Da heißt es nicht, wenn man zurückkommt: Frag mal deine Mitschüler, was wir gemacht haben.

Falko Hanisch, Stolper Heide, Golf, Berlin
„Die Auszeichnung ist auch eine Wertschätzung für die Sportart Golf“, sagt Falko Hanisch. Foto: Mike Wolff

Gibt es auf einer Eliteschule des Sports, wo ständig alle bei irgendwelchen Wettkämpfen sind, überhaupt so etwas wie einen Schulalltag?

Hanisch: Theoretisch schon, weil wir morgens alle zeitgleich in unseren jeweiligen Vereinen trainieren und zu festen Unterrichtszeiten in die Schule kommen. Montags und freitags von 10 bis 16.30 Uhr und dienstags bis donnerstags von 12.25 bis 16.30 Uhr. In der Realität verpasse ich wegen meines Sports 50 Prozent des Unterrichts. Das ist das zulässige Maximum.

Machen Sie dann kurz vor der Runde noch Hausaufgaben?

Hanisch: (lacht) Nein, das wäre nicht schlau. Ich lerne meist spätabends. Wenn ich bis 20 Uhr trainiere und mir danach noch etwas koche, wird es auch mal 22 Uhr, bis ich mich mit meinen Schulsachen hinsetze. Aber das ist mir wichtig. Ich möchte meine Zeit in der Schule nicht nur einfach absitzen.

Das sieht der ein oder andere Fußballer, der kurz vor seinem ersten Profivertrag, steht vielleicht anders.

Hanisch: Es ist tatsächlich so, dass das Interesse am Unterricht bei uns in der Oberstufe sehr unterschiedlich ausgeprägt ist. Das erfüllt in Einzelfällen durchaus das Klischee von der Sportschule – erst Sport, dann Schule. Aber ich liebe den besonderen Spirit, der uns hier alle verbindet. Auf einer normalen Schule geht jeder in seine eigene Richtung, der eine macht Musik, die andere geht Reiten und ein Dritter zockt jede freie Minute an der Konsole. Hier auf der Sportschule haben wir alle gewissermaßen ein Interesse: im Leistungssport immer besser zu werden. Das verbindet. Da ist eine interessante Diskussion über die besten Colleges und Sportstipendien in den USA, wie wir sie neulich hatten, nichts Außergewöhnliches. Auf meiner alten Schule hätten mir meine Mitschüler einen Vogel gezeigt.

Haben Sie schon einen College-Platz gefunden?

Hanisch: Ja, ich werde ab dem kommenden Jahr an der University of Nevada in Las Vegas studieren. Das tun mit Polly Mack und David Rauch bereits zwei enge Freunde, die ebenfalls aus dem Berliner Golfclub Stolper Heide kommen und auch zum Golf Team Germany gehören. Im Oktober werde ich zur Signing-Week in Las Vegas sein. Mal sehen, gerne würde ich Wirtschaftsinformatik studieren.

Informationen zur Sportart Golf an der Poelchau-Schule gibt es hier.