Felix Katzy: „Haben die beste Team-Chemie“

Felix Katzy: „Haben die beste Team-Chemie“
Felix Katzy ist mit 28 Jahren der jüngste Erstliga-Trainer der DGL. Foto: Golf- und Land-Club Berlin-Wannsee

Mit gerade einmal 28 Jahren ist Felix Katzy Cheftrainer der Bundesliga-Herren im Golf- und Land-Club Berlin-Wannsee. Im Interview spricht er über seine Stärken als Trainer, seine hohen Ziele mit dem Team und die Rivalität mit den Nachbarn vom Berliner Golfclub Stolper Heide.

Herr Katzy, im Dezember hat der Golf- und Land-Club Berlin-Wannsee bekanntgegeben, dass Sie mit nur 28 Jahren Cheftrainer der Bundesliga-Herren werden. Sind die der Julian Nagelsmann des Golf?

Felix Katzy: Ich kenne mich im Fußball zugegebenermaßen nicht sonderlich gut aus. Aber der Name Nagelsmann ist mir durchaus ein Begriff. Wahrscheinlich bin ich im Golf genauso wie er im Fußball nun der jüngste Trainer eines Bundesligisten.

Korrekt. Waren Sie überrascht, dass Wannsee Ihnen das Amt des Cheftrainers anvertraut hat?

Katzy: Ich habe es gehofft und auch frühzeitig signalisiert, dass ich mir das zutraue. Aber ehrlicherweise habe ich mir auch die Frage gestellt: Lässt der Club das zu? Dass ich das Vertrauen letztlich bekommen habe, macht mich sehr stolz.

Als Spieler und zuletzt Co-Trainer haben Sie einige Trainer-Typen erlebt, in der jüngeren Vergangenheit Arnar Már Ólafasson und Christian Kurras. Was waren deren Stärken? 

Katzy: Adi Ólafasson hat eine unglaubliche Erfahrung gehabt, ihn hat nichts aus der Ruhe gebracht und in jeder Situation hat er das richtige Beispiel und die richtigen Worte für die Spieler gefunden – eine beeindruckende Persönlichkeit. Christian Kurras haben die Spieler wegen seiner unheimlich empathischen Art ins Herz geschlossen, er hat einen Mannschaftsrat gegründet, gewissermaßen Augenhöhe hergestellt und die Meinung der Spieler bei der Aufstellung mit einbezogen.

Wie unterscheiden Sie sich von Ihren beiden Vorgängern? 

Katzy: Ich bringe keine jahrzehntelange Erfahrung als Trainer mit, aber eine unendliche Leidenschaft für diesen Club. Ich will mit diesem Team unbedingt Erfolg haben. Außerdem kann ich sagen, dass ich jede Position im Team selbst schon erlebt habe. Als ich klein war, habe ich das Team als Caddy begleitet, dann habe ich selbst in der Bundesliga gespielt und seit meiner Ausbildung zum PGA-Professional bin ich als Co-Trainer dabei gewesen. Ich kann mich in jeden hineinversetzen, weiß, was ich zu welchem Zeitpunkt der Saison mit den Spielern machen kann und welche Sätze sinnvollerweise wann fallen. Mit Philipp Mejow habe ich zudem jemanden an meiner Seite, der seine Erfahrung als Tourspieler einbringen kann.

Philipp Mejow unterstützt Felix Katzy mit seiner Erfahrung als Tourspieler. Foto: Stefan Heigl

Sie liebäugeln selbst mit der Tour. 

Katzy: Das stimmt, mich reizt die Vorstellung. Deshalb werde ich in diesem Jahr bei der Qualifying-School der European Tour spielen. Der Club unterstützt das, weil ich im Gegenzug sicherstelle, dass das Team-Training wie geplant stattfinden kann.

Der erste Bundesliga-Spieltag soll am 15. Mai im Hamburger Golf-Club Falkenstein stattfinden. Gehen Sie davon aus, dass es so kommt? 

Katzy: Das kann man in diesen Tagen unmöglich mit ja oder nein beantworten. Wir hoffen drauf, unser Trainingsplan ist auf die DGL-Saison ausgerichtet und die Aussicht erzeugt eine Menge Trainingseifer.

Wie wird Ihr Team aussehen? 

Katzy: Die acht Plätze im Team werden in diesem Jahr sehr umkämpft sein. Neben Pro Philipp Mejow und unseren drei US-College-Spielern Nils Dobrunz, Nikolai Schaffrath und Maximilian Wojciechowski drängen junge Spieler wie John Mecheril, Morris Schiefner und Clubmeister Brandon Roll ins Team. Hannes Hilburger ist jung und erfahren zugleich, mit ihm und Max Fischer rechne ich fest. Routiniers wie Dean Berninger, Philip Konnikov und Nino Melzer werden ihre Plätze im Team aber nicht kampflos räumen. Ich bin sicher, dass diese große Konkurrenz uns stärker macht.

Sind Sie aufgrund der Corona-Pandemie in der Saisonvorbereitung eingeschränkt? 

Katzy: Nur insofern, dass kein Gruppentraining möglich ist. Das hat Vor- und Nachteile. Das „Battlen“ der Spieler untereinander entfällt. Dafür kann ich im Einzeltraining individueller auf die Spieler eingehen. Ich bekomme regelmäßig Schwungvideos geschickt oder auch Anrufe aus den USA. Niemand von uns lässt sich in ein Corona-Loch fallen. Ich habe nicht die Befürchtung, dass wir schlechter aus dem Winter kommen als in früheren Jahren.

Haben Wannsees Herren Selbstbewusstsein gegeben: Die zwei Spieltagssiege (hier in Hubbelrath) in der Saison 2019. Foto: Arne Bensiek

Was möchten Sie mit Ihrem Team erreichen? 

Katzy: Natürlich träume ich vom Deutschen Meistertitel, das muss zumindest unser Ansporn sein. Das klare Ziel ist das Final Four, für das sich die zwei jeweils besten Teams der Nord- und Südgruppe qualifizieren. In der Vergangenheit wollten wir das vielleicht auch schon, haben aber selbst nicht so recht daran geglaubt. Die Saison 2019, in der wir zwei Spieltage gewinnen konnten und das Final Four denkbar knapp verpasst haben, hat uns aber eine Menge Selbstvertrauen gegeben. Im Final Four hätten wir sicher den Vorteil, dass dort nur noch Lochspiel gespielt wird.

Warum kommt Ihnen das entgegen? 

Katzy: Wir haben eine Team-Chemie, die wahrscheinlich besser ist als bei allen anderen. Unsere Spieler kennen sich schon sehr lange, weil sie fast ausnahmslos aus unserer Jugendabteilung stammen. Sie unternehmen auch abseits des Golfplatzes viel miteinander – durch Corona aktuell natürlich weniger. Aber dieser Team-Spirit ist beim Lochspiel ein ganz großer Trumpf.

In den vergangenen Jahren waren die Wannsee-Damen stets erfolgreicher als die Herren. Woran liegt das? 

Katzy: Die Frage höre ich nicht zum ersten Mal. Aber eine einfache Antwort habe ich darauf nicht. Zwei Faktoren könnten eine Rolle spielen: Mit Alexandra Försterling, Luka Kienbaum und Zita Arndt gibt es bei den Damen einen echten Ausnahmejahrgang, der begleitet wird von der schlachterprobten Tina Fischoeder. Da die Damen-Teams aus nur sechs Spielerinnen bestehen, fällt diese Qualität stärker ins Gewicht.

Im Wettbewerb um Berliner und Brandenburger Golftalente mischt seit einigen Jahren auch der Berliner Golfclub Stolper Heide mit. Wie groß ist die Rivalität? 

Katzy: Ich sehe da eine gesunde Rivalität. Wir grasen uns nicht gegenseitig auf den Anlagen die Spieler weg, wie das durchaus zwischen anderen Clubs vorkommt, sondern begegnen uns mit Respekt.

In den vergangenen zwei Jahren hat das Zweitliga-Team aus Stolper Heide jeweils den Titel des GVBB-Mannschaftsmeister gewonnen. Welchen Wert hat dieser Wettbewerb, der am 24. und 25. April auf dem Ostplatz in Stolpe ausgespielt wird? 

Katzy: Für uns geht es dabei um Ruhm und Ehre. Der Titel selbst ist auf dem Papier vielleicht ein kleiner. Aber der Wille, der uns antreibt, die GVBB-Mannschaftsmeisterschaft wieder zu gewinnen, ist riesig. Dieser Wettbewerb ist für uns viel mehr als ein Vorbereitungsspiel auf die DGL. Die beiden Niederlagen in 2019 und 2020 haben wehgetan. Das wollen wir in diesem Jahr nicht noch einmal erleben.

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