Fleesensee testet autonome Rasenmäher

Fleesensee testet autonome Rasenmäher
Selbst ist die Maschine: Die autonomen Fairwaymäher kommen in Fleesensee auf zwei Golfplätzen des Resorts zum Einsatz. Foto: Mike Wolff

Das Greenkeeper-Team im Golf & Country Club Fleesensee wird seit April von zwei selbstfahrenden Rasenmähern unterstützt. Head-Greenkeeper Stephen Monk ist von deren Arbeit begeistert.

„Autonomes Rasenmähen wird in Zukunft auf Golfplätzen eine wichtige Rolle spielen“, ist Monk überzeugt. Während in der Landwirtschaft bereits vielfach selbstfahrende Erntemaschinen zum Einsatz kämen, stehe das Greenkeeping in dieser Frage noch ganz am Anfang. „Autonome Rasenmäher mit Satellitensteuerung arbeiten zwar nicht so schnell wie Menschen, aber sie arbeiten genauer“, hat der Rasenexperte in den vergangenen Monaten beobachtet. Mit dem umfangreichen Einsatz der GPS-Technik ist das Golfresort in Mecklenburg-Vorpommern deutschlandweit Pionier.

Die zwei GPS-Mäher, die Fleesensee einsetzt, sind keinesfalls mit den kleinen Mährobotern für den heimischen Garten vergleichbar, die es etwa im Baumarkt zu kaufen gibt. Es sind die stattlichen Fairwaymäher, die jeder Golfer schon einmal gesehen hat, deren Sitz einfach leer bleibt und die sich nun wie von Geisterhand bewegen. Auf dem Dach sind die Mäher mit einem GPS-Empfänger ausgestattet, vorne und hinten gibt es Sensoren, mit deren Hilfe die Mäher vor Hindernissen Halt machen. Die Technik stammt von der niederländischen Firma Precision Makers, die in Abstimmung mit den Greenkeepern auf dem Bordcomputer zunächst die zu mähenden Bereiche definiert und programmiert – selbstverständlich auch verschiedenste Muster. Bedient wird im Normalbetrieb dann per Fernbedienung.

Autonomes Mähen, Fleesensee Golf
Die GPS-Mäher verfügen über Sensoren, die Golfer und Golfausrüstung erkennen und davor Halt machen. Foto: Mike Wolff

„Bei uns kommen die autonomen Mäher auf dem Schloss-Platz und auf dem Schloss Torgelow Course zum Einsatz“, erzählt Stephen Monk. „Ausschließlich auf den Fairways.“ Einerseits seien die beiden Plätze die Aushängeschilder des Resorts, andererseits lägen sie nah am Wirtschaftshof der Greenkeeper. Denn ganz allein dürfen die Maschinen aus rechtlichen Gründen nicht auf dem Golfplatz unterwegs sein. Immer muss jemand in der Nähe sein, der die selbstfahrenden Mäher beaufsichtigt und im Notfall stoppen könnte.

Besserer Pflegezustand

„Es hieß schon, wir würden jetzt unsere Greenkeeper entlassen und nur noch die Maschinen arbeiten lassen“, berichtet Monk. Richtig sei stattdessen, dass die Greenkeeper in den rund 40 Minuten, die das Mähen eines Fairways dauert, nicht mehr auf dem Mäher sitzen, sondern Zeit für ergänzende Arbeiten haben: Stechen der Bunkerkanten, Harken des Sandes, Entfernen von Unkraut, Düngen, Ausbessern von Wegen und Wässern von Hand. „Das sind Arbeiten, die einen guten zu einem sehr guten Golfplatz machen“, betont der Waliser. Insofern ermöglichten die selbstfahrenden Mäher, einen besseren Pflegestandard zu erreichen.

GPS-Mäher, Golf, Fleesensee
Ob Karomuster oder diagonale Linien – alles lässt sich einprogrammieren. Foto: Mike Wolff

Die Mitglieder der in Fleensensee beheimateten Clubs wurden vorab vom Testbetrieb der GPS-Mäher informiert. Der Vorteil: Golferinnen und Golfer müssen am Abschlag nicht warten, bis der Mäher seine Arbeit unterbricht oder beendet, sondern können ihr Spiel einfach fortsetzen. Kommt der GPS-Mäher bis auf einen Meter an die Golfer, das Bag oder den Trolley heran, stoppt er und piept. Der Nachteil: Golfbälle sind zu klein, als dass die Technik der autonomen Mäher diese als zu schonende Hindernisse erkennt. „Ist Ihr Golfball in der Mählinie zum Liegen gekommen, bitten wir Sie, diesen kurz zu entfernen, bis der Mäher diesen Bereich gemäht hat“, empfiehlt der Club Mitgliedern und Gästen.

Perfekte Fairway-Konturen

„Nur wenige Spieler bekommen die selbstfahrenden Mäher überhaupt zu sehen“, sagt Stephen Monk. In den Sommermonaten starten die Arbeiten bereits um 4.30 Uhr. Lediglich die frühen unter den Frühaufstehern würden die GPS-Mäher im Laufe ihrer Runde irgendwann auf der Back-Nine überholen. „Viele merken dabei nicht einmal, dass auf dem Fairwaymäher niemand sitzt.“

Stephen Monk, Head-Greenkeeper, Fleesensee
Hier fährt der Chef noch selbst: Fleesensees Head-Greenkeeper Stephen Monk. Foto: Mike Wolff

Dass der Stolz der Greenkeeper unter dem technischen Fortschritt leide, will der Chef der 36 Platzarbeiter in Fleesensee weder bejahen noch verneinen. „Wenn man von Kollegen bisher dafür bewundert wurde, wie akkurat und zentimetergenau man die Fairwaykanten mäht, dann sind die GPS-Mäher natürlich starke Konkurrenz“, sagt Monk. Ihn selbst fasziniere aber vielmehr die Schnittqualität, die ein computergesteuerter Fairwaymäher durch seine gleichbleibende Geschwindigkeit erreicht. Der Toleranzwert für den gewünschten Mähbereich liegt laut dem Hersteller der GPS-Technik bei gerade einmal zwei Zentimetern. Der Head-Greenkeeper hält das für zu bescheiden: „Wenn überhaupt, dann reden wir über Millimeter. Die gemähten Linien sind in meinen Augen perfekt.“