Franziska Loye: Die Berliner Meisterin

Franziska Loye: Die Berliner Meisterin
Franziska Loye ist Kapitänin im Bundesliga-Team des Berliner Golf Club Gatow. Foto: Mike Wolff

Aus dem Bundesliga-Team des Berliner Golf Club Gatow ist Franziska Loye als Kapitänin und Leistungsträgerin nicht wegzudenken. Beruflich ist die 29-jährige voll eingespannt und doch amtierende Einzelmeisterin von Berlin-Brandenburg.

Den Titel als beste Amateurgolferin der Hauptstadtregion konnte Franziska Loye Mitte August bei der Einzelmeisterschaft des Golfverbands Berlin-Brandenburg (GVBB) sogar zum dritten Mal gewinnen – und das in Folge. Dabei steht die gebürtige Chemnitzerin voll im Berufsleben. In ihrer Freizeit schaufelt sie sich den Freiraum für zwei bis drei Trainingseinheiten in der Woche, hinzu kommen Turniere und die Spieltage der Kramski Deutschen Golf Liga (DGL). „Das muss man natürlich wollen, aber ich stehe voll dahinter“, sagt Loye.

Sie habe den Ehrgeiz, sich auf dem Golfplatz selbst zu optimieren, wie es die Gatowerin nennt. „Erst seit zwei Jahren habe ich überhaupt ein Plus-Handicap“, berichtet Loye. Das sei immer ihr Ziel gewesen, ihr Traum. Ihre Motivation sei auch, den aufstrebenden Nachwuchsspielerinnen in Gatow zu ermöglichen, in der Ersten Bundesliga Golf zu spielen. Ganz so wie sie es selbst erlebt hat. „Ich bin seit 2009 hier und habe dem Golfclub sehr viel zu verdanken“, sagt sie.

Mit zwölf Jahren hat Franziska Loye angefangen, ernsthaft Golf zu spielen. Im Golfclub Chemnitz war das. Schnell fiel ihr Talent auf und sie wurde im Landeskader von Sachsen und Thüringen stärker gefördert. Bei Turnieren in der Wettspielregion wurde dann einige Jahre später auch der Berliner Golf Club Gatow auf sie aufmerksam – genauer gesagt der Vater von ihrer heutigen Team-Kameradin Michèle Holzwarth. Franziska Loye kam zum Probetraining nach Berlin und fand dort ihr neues Zuhause, nicht nur golferisch.

Während sie an der Uni Potsdam ihren Bachelor in Betriebswirtschaftslehre machte, erlebte sie mit Gatow das Auf und Ab zwischen Erster und Zweiter Liga, den Kampf um den Aufstieg oder für den Klassenverbleib, je nachdem, wo der Club gerade rangierte. „Bei uns im Team gab es oft ein Kommen und Gehen“, sagt Loye mit Blick auf die letzten Jahre. Die Talente der Hauptstadtregion hätten sich in Wannsee oder Stolpe eine bessere Förderung versprochen oder mehr geboten bekommen und seien deshalb für Gatow kaum zu gewinnen gewesen.

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Perfekte Ergänzung: Franziska Loye (rechts) und Michèle Holzwarth beim gemeinsam Vierer am ersten DGL-Spieltag in Hubbelrath. Foto: Arne Bensiek

„Obwohl wir immer wieder gezwungen waren, uns kreative Lösungen auszudenken, um ein schlagkräftiges Team zusammenzubekommen, gibt es seit jeher einen phänomenalen Zusammenhalt unter uns Spielerinnen“, schwärmt Loye. Aktuell gehören zum Beispiel die beiden Engländerinnen Jessica und Lianna Bailey zum Team – sportlich eine große Verstärkung und durchaus passend zum britischen Ursprung des Clubs. „Eine entscheidende Rolle für die gute Stimmung im Team spielt aber auch unser Trainer Joel Goodson.“

Die kürzlich zu Ende gegangene Erstligasaison beendeten die Gatowerinnen auf dem vierten von fünf Rängen der Nordgruppe. „Wir sind eigentlich immer in der Rolle der Underdogs“, erklärt Loye. Das habe den angenehmen Vorteil, dass es wenig zu verlieren und viel zu gewinnen gebe.

Franziska Loye, die sich das Kapitänsamt mit Leonie Reuter teilt, hat ihre Stärken auf und neben dem Grün. Mit dem Putter oder beim kurzen Spiel gehört sie sicher nicht nur zu den besten Spielerinnen der Hauptstadtregion. Im Team gilt sie eher als gelassenes Gemüt, als eine, die sich nicht aus der Ruhe bringen lässt. Ganz anders etwa als ihre gute Freundin und langjährige Vierer-Partnerin Michèle Holzwarth, die für ihre emotionalen Ausbrüche berühmt ist. „Vielleicht passt es zwischen uns so gut, weil wir uns so perfekt ergänzen“, mutmaßt Loye und schmunzelt.

Die 29-Jährige wird weiter an ihrem Spiel arbeiten. Wer weiß im Golf schon, wann der Zenit erreicht ist? Neben dem Traum vom Single-Handicap, der in Erfüllung gegangen ist, versucht Franziska Loye seit Jahren, Karten für das US-Masters zu bekommen: „Für mich ist Augusta ein absoluter Sehnsuchtsort und ich wünsche mir, dass meine jährliche Bewerbung um Karten bald mal Erfolg hat.“