Ist das Deutschlands goldene Golf-Generation?

Ist das Deutschlands goldene Golf-Generation?
Vize-Europameister: Alexandra Försterling, Aline Krauter, Paula Schulz-Hanßen und Helen Tamy Kreuzer (von links) mit Trainer Stephan Morales. Foto: Christopher Tiess/DGV

Die Herren des Golf Team Germany sind erstmals Europameister, die Damen um Wannsees Alexandra Försterling Vize-Europameister. Wächst da bei den Amateuren eine goldene Golf-Generation heran? „Derzeit sind wir klar Europas Nummer eins“, sagt Marcus Neumann vom Deutschen Golf Verband.

Der Vorstand Sport des DGV meint damit das Amateurgolf. In deutscher Hand sind immerhin neben der Goldmedaille der Herren bei der jüngsten Team-EM im niederländischen Hilversum und Silber der Damen im schwedischen Upsala derzeit dank Matthias Schmid (GC Herzogenaurach) der Europameistertitel im Einzel und dank Aline Krauter (Stuttgarter GC Solitude) der Titel der Women’s Amateur Championship. Bei den deutschen Damen läuft es inzwischen aber auch im Profigolf super: Sophia Popov (St. Leon-Rot) hat in diesem Jahr bei der AIG Women’s Open einen Majorsieg eingefahren, Esther Henseleit die Ladies European Tour 2019 auf Platz eins der Geldrangliste beendet.

„Das Männer-Team war unschlagbar“

Sehen wir also gerade eine goldene Golfgeneration, die erblüht? „Ich hoffe, dass das noch lange nicht das Ende der Fahnenstange ist“, sagt DGV-Vorstand Marcus Neumann. Seit 2013 habe der DGV mit „Vision Gold“ die Strukturen seiner Nachwuchsarbeit stark verändert. Die Zusammenarbeit zwischen Clubs, Landesgolfverbänden und DGV habe sich verbessert und zu einem Qualitätssprung geführt – obwohl die Zahl der Golf spielenden Jugendlichen eher rückläufig ist. Den größten Teil der Arbeit leisten laut Neumann die Golfclubs. „Im Nationalteam können wir versuchen, ein positives Umfeld zu schaffen, aber wir machen hier nicht aus einem Ackergaul ein Rennpferd“, sagt Neumann, der als Damen-Bundestrainer 2009 die Team-EM gewann. „Das Männer-Team war unschlagbar.“

Jörg Schlockermann, DGV-Kommunikationschef ist überzeugt: „Wir ernten jetzt, was wir gesät haben, aber es ist noch zu früh, um zu sagen, ob das eine goldene Golfgeneration wird.“ Nun gehe es darum, Spielerinnen und Spieler in größerer Zahl auf die Touren zu bringen. Da der DGV von allen Nationalspielern das Bekenntnis verlangt, den Sprung ins Profilager zu wagen, könnten dem deutschen Profigolf erfolgreichere Jahre bevorstehen. Herren-Nationaltrainer Uli Eckhardt wird nicht müde zu wiederholen, dass Amateur Matthias Schmid derzeit der beste deutsche Golfer sei – Tourspieler inklusive. „Ich habe noch keinen unserer Spieler so souverän auf dem Platz agieren sehen wie Matthias“, schwärmt auch Marcus Neumann. „Er ist cool, abgezockt, hat den immer gleichen Rhythmus und Schläge, die auf dem höchsten Level sind.“ Schmid sei weiter als es sein Fast-Namensvetter Max Schmitt vor dem Sprung ins Profilager Ende 2018 gewesen sei. Bei der Team-EM spielte Schmid zum Auftakt eine 62er-Runde.

Alexandra Försterling (rechts) trat in der Matchplay-Runde der Team-EM jeweils im Vierer mit Helen Tamy Kreuzer. Foto: Christopher Tiess/DGV

Zum Herren-Team gehörten neben ihm auch Nick Bachem (Marienburger GC), Marc Hammer (GC Mannheim-Viernheim) und Jannik de Bruyn (GC Hösel). Bei den Damen nominierte Nationaltrainer Stephan Morales neben Alexandra Försterling die amtierende Deutsche Meisterin Helen Tamy Kreuzer (Frankfurter Golf Club), Aline Krauter (Stuttgarter Golf Club Solitude) und Paula Schulz-Hanßen, die eigentlich zum Junior Golf Team Germany zählt und eine sehr starke Saison spielt.

Die Zählspielqualifikation hatten die deutschen Damen als Siebte beendet und sich damit eher knapp für das Viertelfinale qualifiziert, wo Frankreich wartete. „Wir wissen, dass die gut spielen können“, sagt Alexandra Försterling, die sich beim GTGA Invitational der Französin Lucie Malchirand geschlagen geben musste. Herbstliche Temperaturen und teils heftiger Regen – das waren die anspruchsvollen Bedingungen im schwedischen Upsala. Im Vierer mit Helen Tamy Kreuzer trug Alexandra Försterling einen Punkt zum 2:1-Viertelfinalsieg gegen die Französinnen bei. Im Halbfinale trafen die deutschen Spielerinnen auf Dänemark. Nach dem 3&2-Sieg des Vierers mit Försterling und Kreuzer gegen Smilla Sonderberg und Sofie Nielsen und einer ganz starken Leistung von Krauter, die Cecilie Finne-Ipsen mit 4&3 bezwang, stand der 2:1-Sieg fest.

„Es wäre mehr drin gewesen“

Im Finale kam es dann zum Duell mit den Gastgeberinnen. Nach einem guten Start der Deutschen, kam Schweden aber immer besser ins Spiel und siegte am Ende mit 2:1. Krauter sorgte mit ihrem 3&2-Erfolg gegen Ingrid Lindblad für den deutschen Punkt. „Wir hatten alle das Gefühl, dass wir das hätten schaffen können. Und genau so sind wir auch rausgegangen. Wir sind gut ins Match gekommen, hätten aber am Anfang vielleicht etwas höher führen sollen, als wir tatsächlich geführt haben. Am Ende haben die Schwedinnen es einfach besser zusammengehalten als wir. Wir sind mit dem Ergebnis zufrieden. Es ist leistungsgerecht, aber es wäre eben auch mehr drin gewesen“, sagt Stephan Morales, der trotz des großen Erfolges auch ein wenig enttäuscht war.

Erstmals Europameister: Die Herren des Golf Team Germany samt Betreuerteam. Foto: stebl/DGV

Fast zeitgleich hatte das deutsche Herren-Team im niederländischen Hilversum ebenfalls im Duell mit Schweden das bessere Ende für sich und gewann mit einem 2:1-Sieg den Europameistertitel – zum ersten Mal überhaupt. Dreimal stand Deutschland im Finale, 1969, 1999 und 2005, dreimal sollte es nicht sein.

Ruhiger Saisonausklang für Alexandra Försterling

Für Wannsees Alexandra Försterling wird die Saison nun eher ruhig ausklingen. Die Berlinerin ist wieder zurück am College in Arizona, wird aber wegen der Corona-Pandemie auf Turniere verzichten müssen. „Die Saison ist leider abgesagt worden, so dass mir neben dem Studium nur das Training bleibt“, sagt die 20-Jährige. Ihre erfolgreiche Saison werde sie dabei beflügeln. „Und hoffentlich kann ich im nächsten Jahr dann auch in den USA wieder Turniere spielen.“

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