Golf an der Côte d’Azur: Blaues Wunder

Golf an der Côte d’Azur: Blaues Wunder
Auf 900 Metern Höhe bietet Bahn 5 des Monte-Carlo Golf Club einen spektakulären Blick auf das Mittelmeer und das Fürstentum Monaco. Foto: Arne Bensiek

Golf an der Côte d’Azur bedeutet zwölf Monate im Jahr perfekte Bedingungen: Cannes, Nizza und Monte-Carlo sind umringt von hochkarätigen und abwechslungsreichen Golfplätzen.

Es ist erstaunlich, dass in den Stapeln der einschlägigen Golfreisekataloge Frankreich so gut wie nie auftaucht. Dabei verorten die Experten von „Top 100 Golf Courses“ bei unserem Nachbarn allein vier der zehn schönsten Golfplätze auf dem europäischen Festland: Sie heißen Morfontaine (Senlis), Les Bordes (Orléans), Chantilly und Fontainebleau.

Reizvoll ist die Vielfalt und Auswahl von Plätzen besonders an Frankreichs Côte d’Azur, wo das Wetter das ganze Jahr über mitspielt. Nizza und Cannes sind ideale Ausgangspunkte. Die beste Reisezeit ist zwischen März und Juni sowie zwischen September und Oktober – da sind die Temperaturen nicht extrem und die Grüns in guter Verfassung.

Jede Menge Geschichte und atemberaubende Ausblicke bietet der Monte Carlo Golf Club. Die größte sportliche Herausforderung wartet im Golfresort „Terre Blanche“, während der abwechslungsreiche Platz des Golf de Saint Donat unser Gewinner in puncto Preis-Leistungs-Verhältnis ist. Unser Geheimtipp ist letztlich Le Golf de la Grande Bastide, wo Frankreichs Ryder-Cup-Spieler Victor Dubuisson sein Handwerk gelernt hat.

Monte-Carlo Golf Club

Viele schöne Bäume und fast immer auf und ab: Das ist der Charakter des Monte-Carlo Golf Clubs, hier Loch 4. Foto: Arne Bensiek

900 Meter über dem Fürstentum Monaco, am Ende einer schmalen Straße voller Serpentinen würde niemand einen Golfplatz erwarten, noch dazu ein solches Juwel. Der Blick hinunter auf Monte Carlo und das Mittelmeer ist spektakulär, ebenso die Aussicht Richtung Norden, wo die schneebedeckten Ausläufer der Alpen liegen. Dieser Ort, der formal nicht in Monaco liegt, sondern auf Gemarkung von Frankreich, in der Gemeinde La Turbie, ist das Zuhause des traditionsreichen Monte-Carlo Golf Clubs, gegründet 1911.

Charles Houtart ist der Manager des Monte-Carlo Golf Clubs. Foto: Arne Bensiek

Ab 1984 machte die European Tour hier neun Jahre in Folge Station und mit ihr viele große Namen der europäischen Golfelite. Die 18 Bahnen des Par-71-Platzes messen zusammen 6004 Meter, wohl der ausschlaggebende Grund dafür, warum die Tour heute nicht mehr vorbeischaut. Der Golfclub pflegt sein Erbe dennoch mit unvermindertem Stolz: Im Clubhaus erinnert diverses an Severiano Ballesteros, Sam Torrance oder Ian Woosnam, die das Turnier allesamt gewinnen konnten. Die große Historie hindert den Club allerdings nicht daran, seinen Platz Stück für Stück weiterzuentwickeln. „In den vergangenen Jahren haben wir zahlreiche Veränderungen vorgenommen, um den Platz interessanter und fairer zu gestalten“, sagt Clubmanager Charles Houtart.

An Loch 5 scheint Monte-Carlo zum Greifen nah

Am nächsten kommt man dem Meer auf Bahn 5, einem Par 3, links zwischen Abschlag und Grün nur der Abhang und Monte-Carlo scheint einen Augenblick zum Greifen nah – definitiv einer der atemberaubendsten Blicke auf einem europäischen Golfplatz. Fast nie verlaufen die Bahnen eben, meist geht es auf und ab, über eher schmale Fairways, an deren Rändern mannigfaltige Bäume stehen, Kiefern, Zedern und Lebensbäume.

Die zweiten neun Löcher des Monte-Carlo Golf Clubs geben den Blick frei auf die teils schneebedeckten Alpenausläufer. Foto: Arne Bensiek

Ein anderen Charakter entwickelt der Platz auf seinen zweiten neun Löcher, die wegführen vom Meer und hin zu den Bergen. Die Löcher 13 bis 17 bieten ein wahres Alpenflair, und doch fällt dieser Platz nicht auseinander. Er vereint vielmehr elegant seine zwei Gesichter und führt zurecht das Motto „zwischen Meer und Himmel“.

Ein Übungsareal für Rory McIlroy

Bemerkenswert ist auch die Driving-Range des Monte-Carlo Golf Clubs, die viel großzügiger ausfällt als an diesem Ort zu erwarten ist. Dass einige Tourspieler dem Club bis heute treu geblieben sind, zeigt sich an der Rückseite der Range, wo ein extra Übungsareal mit verschiedenen Bunkern, einem Puttinggrün und Rasenabschlägen angelegt wurde – auf Wunsch und Kosten von niemand Geringerem als Rory McIlroy. „Als er noch mit der Tennisspielerin Caroline Wozniacki zusammen war, war er häufig in Monaco und fragte uns deshalb, ob wir für ihn die nötigen Trainingsmöglichkeiten schaffen könnten“, berichtet Manager Houtart. Die Beziehung ist Geschichte, geblieben ist das Trainingsareal, das heute eine Vielzahl sportlich ambitionierter Clubmitglieder, aber auch Tourspieler wie Henrik Stenson nutzen. Wer sich ein Andenken an dieses besondere Golferlebnis oberhalb von Monte-Carlo mit nach Hause nehmen möchte, findet sich das Passende im Pro-Shop des Clubs. Die Auswahl jedenfalls sucht ihresgleichen. Das Greenfee beträgt wochentags 130 Euro, an Wochenenden 160 Euro.
golfdemontecarlo.com

Terre Blanche

Le Château ist einer von zwei 18-Loch-Plätzen in Terre Blanche. Foto: Promo

Sean Connery soll die Idee gehabt haben, im touristisch weniger erschlossenen Tourette, gut 40 Minuten von Cannes entfernt, einen Golfplatz zu bauen. Der schottische Schauspieler bewohnte dort einige Jahre ein kleineres Schloss und entwarf mit Stift und Papier auch schon erste Bahnen. Die Idee scheiterte seinerzeit aber an den Behörden. Erst als Sean Connery ging und eine Bank einstieg, wurde gebaut. 2004 eröffnete der Terre Blanche Golf Club. Das kleine Château Bouge ragt heute malerisch aus den Kronen der Nadelbäume hervor und überblickt ein erstklassiges Fünf-Sterne-Golfresort samt Spa-Hotel und kleinen Gästevillen. Besitzer ist mittlerweile SAP-Gründer Dietmar Hopp. Zwei 18-Loch-Plätze – Le Château und Le Riou – gehören zur makellos gepflegten Anlage, wobei Tagesgäste nur Le Château (Par 72, 6616 Meter von den weißen Tees) spielen können. Da trifft es sich gut, dass es sich dabei um den spektakuläreren von beiden Plätzen handelt.

Sean Connery wohnte einige Jahre in dem kleinen Schloss und er höchstpersönlich soll die Idee gehabt haben, in Tourette einen Golfplatz zu bauen. Foto: Promo

Designer Dave Thomas hat einen Parkland-Course geschaffen, dessen großzügige Fairways sanft durch die wellige Landschaft mäandern. Fast ununterbrochen bietet sich ein Blick auf die mittelalterlichen Provence-Dörfer an den Hängen der Alpenausläufer. Le Château ist mit seinen schneeweißen Bunkern (sprichwörtlich terre blanche), Wasserhindernissen und alten Kiefern nicht nur ein Genuss fürs Auge; der Platz ist ein wahrer Test. Nicht umsonst darf sich Terre Blanche „European Tour Destination“ nennen. Das Meisterstück des Platzes ist Bahn 11, ein langes, abfallendes Par 5, das erst links von einem Bachlauf gesäumt und dann durchschnitten wird – vom Abschlag ein Postkartenmotiv.

Die Greenfee variiert je nach Saison zwischen 96 und 170 Euro. Hotelgäste, Jugendliche und Studenten profitieren von niedrigeren Raten. Mindestvoraussetzung ist laut Club Handicap -35,0. Das „Albatros Golf Performance Center“ von Terre Blanche umfasst eine Driving-Range nach modernsten Maßstäben.
terre-blanche.de

Le Golf de Saint Donat

Le Golf de Saint Donat liegt zwischen Cannes und Grasse. Foto: Arne Bensiek

Einen Steinwurf südlich von der Parfümstadt Grasse liegt der Golf de Saint Donat. Die Zufahrt durch ein Gewerbegebiet mag abschrecken, doch hinter dem Clubhaus erstreckt sich ein liebevolles Stück Land mit 18 feinen Löchern. Der Par-71-Platz (5705 Meter von den weißen Tees) von Stararchitekt Robert Trent Jones Junior ist vergleichsweise kurz. Für ausreichend Schwierigkeit sorgen allerdings die zum Teil spektakulären Höhenunterschiede zwischen Tees, Fairways und Grüns. Wer seine Golftasche trägt oder zieht, absolviert nebenbei ein kleines Sportprogramm. 135 Meter vor dem Grün stehen jeweils kleine Palmen. Mehr noch als in Terre Blanche säumen die typisch provenzalischen Kiefern die Spielbahnen und verschlucken ungenau gespielte Bälle. Auch hier gibt es ein altehrwürdiges Gemäuer: Eine kleine Kapelle mit Spitzdächern, die vom Clubhaus aus zu sehen ist.

Vor allem die Par 3 stechen heraus

Zu einem kleinen Schatz wie dem Golf de Saint Donat passt es, dass mit den Bahnen 3, 12 und 16 vor allem Par-3-Löcher optisch und spielerisch aus dem Ensemble herausstechen. Ein Par ist an jedem von ihnen ein ausgezeichnetes Ergebnis. Die Grüns sind mindestens leicht, mal auch stärker onduliert und fallen meist deutlich von hinten nach vorne ab. Dadurch gibt es selbst aus kurzer Entfernung kaum einen einfachen Putt. Gute Golfer sollten diesen hervorragenden Platz unbedingt von den hinteren Abschlägen spielen. Das reguläre Greenfee liegt die ganze Woche über bei 85 Euro. Handicap-Voraussetzung ist -40,0.
golfsaintdonat.com

La Grande Bastide

Auf den schnellen Grüns vom Le Golf de la Grande Bastide hat Frankreichs Tourspieler Victor Dubuisson einst mit dem Golfspielen begonnen. Foto: Arne Bensiek

Dass der Golf de la Grande Bastide der erste Club von Frankreichs ehemaligen Vorzeigegolfer Victor Dubuisson ist, muss allein kein Qualitätsmerkmal sein. Regelmäßig fährt der Ausnahmegolfer aber mit seinem Ferrari auf dem eher rustikalen Gelände vor, um mit seinen Jugendfreunden auf die Runde zu gehen. Im Club heißt es, der eher zurückhaltende Dubuisson komme hauptsächlich wegen der anspruchsvollen Grüns ins kleine Châteauneuf de Grasse, wo der Platz liegt. Während die Fairways des Golf de la Grande Bastide kein Aushängeschild für Rasenmaniküre sind, hält der Club die eher kleinen Grüns perfekt in Schuss. Ein abenteuerlicheres Break als auf Loch 5 (Par 3, 163 Meter von weiß) ist wohl auf keinem anderen Grün der Côte d’Azur zu finden.

Im Winter fast immer in der Sonne

Die Einheimischen der Region mögen den Golf de la Grande Bastide gerade im Winter, weil das eher offene Gelände immer in der Sonne liegt, und es dort wärmer ist als auf den Waldplätzen der Umgebung. Und natürlich hoffen die Franzosen, dass sie vielleicht einen Blick auf ihr Golfidol Dubuisson werfen können. Dass dieser noch heute lieber spielt, als auf der Driving-Range trainiert, verwundert kaum. Denn der Club, in dem er groß geworden ist, besitzt gar keine richtige Range. Das Greenfee liegt je nach Saison und Tageszeit an allen Wochentagen zwischen 36 und 75 Euro. Gäste müssen ein Handicap von mindestens -35,0 nachweisen.
opengolfclub.com

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