Driver: Mit neuen Technologien ans Limit gehen

Driver: Mit neuen Technologien ans Limit gehen
Die neuesten Modelle: der Epic Flash von Callaway, der M6 von Taylor Made, der TS3 von Titleist und der PING G410. Foto: Mike Wolff

Die Schlägerhersteller versuchen mit immer neuen Ideen und Ansätzen das Maximum aus dem Driver zu kitzeln. Zwar ist die ganz große Keule keineswegs der wichtigste Golfschläger im Bag – aber noch immer der beliebteste.

Wer denkt, die Entwicklung von Drivern könnte langsam an ihre Grenzen stoßen, irrt: Speed Injected Twist Face heißt die aktuelle Technologie aus dem Hause Taylor Made. Sie soll noch mehr Weite aus dem Schläger kitzeln. Callaway wirbt mit einer Schlagfläche, deren Aufbau mit Hilfe künstlicher Intelligenz berechnet wurde. Der „Epic Flash“, so der Name des Callaway-Drivers, soll dem Ball härter zu Leibe rücken denn je. Geheimnisvoll ist die Masseverteilung in der Schlagfläche nicht nur für den Laien. Selbst die Ingenieure des Herstellers gestehen, dass sie den genauen Sinn des Aufbaus nicht erklären können.

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Fittingexperte Denis Hohmann von Hohmann Golf in Berlin-Charlottenburg. Foto: Mike Wolff

„Der Ansatz von Taylor Made erschließt sich mir leichter und erinnert an die Fertigung von Motoren für Rennwagen“, sagt Fittingexperte Denis Hohmann von Hohmann Golf in Berlin-Charlottenburg. Die Idee sei nicht mehr, einen Schläger zu bauen, der mit seinem Trampolineffekt so nah wie möglich an den noch legalen Wert herankommt. Denn alle Hersteller rechneten in der Fertigung mit Toleranzen und hielten vorsichtshalber einen kleinen Sicherheitsabstand zum Höchstwert, um keine illegalen Schläger zu produzieren. „Mit dem Speed Injected Twist Face baut Taylor Made nun aber in einem ersten Schritt genau diese illegalen Schläger, um sie dann per Injektion von Masse punktgenau zu drosseln“, erklärt Hohmann.

Heiße Schlagflächen in Serie

Der CT-Wert, der den Trampolineffekt der Schlagfläche beziffert, darf nach den offiziellen Vorgaben für Golfschläger höchstens 0,83 betragen. Diesem Wert nähert sich Taylor Made nun mehr denn je. Wobei vom Ausreizen der Nachkommastellen vermutlich die breite Masse mehr profitiert als die Tourspieler. „Tourspieler habe schon immer Schlägerköpfe bekommen, die nah am Ideal waren“, ist Hohmann überzeugt. Jetzt gebe es die „heißen Schlagflächen“, wie der Materialfachmann es nennt, mit dem M5 und M6 von Taylor Made allerdings erstmals in Serie. Wie viel mehr Weite die neue Technologie vom Tee bringt, ist letztlich die entscheidende Frage. Laut Taylor Made hat Tourspieler John Rahm seine Ballgeschwindigkeit damit um drei Meilen erhöht. Das entspricht einem etwa fünfeinhalb Meter längerem Ballflug.

Eine der letzten Innovationen aus dem Hause Callaway war die Jailbreak-Technologie, bei der zwei vertikale Streben hinter der Schlagfläche den Schlägerkopf stabilisieren und die Verwindung des Materials minimieren. Ein verständlicher Ansatz. Beim neuen Callaway Epic Flash wirkt die Masseverteilung in der Schlagfläche so unwillkürlich verdickt und verdünnt, dass kein wirkliches System zu erkennen ist. Trotzdem versichert auch Callaway, dadurch den Trampolineffekt seines Drivers noch einmal erhöht zu haben.

Driver bringt Spaß

Eine gute Entwicklung sieht Denis Hohmann auch bei Titleist, die bei ihren Drivern TS2 und TS3 die Spinrate noch einmal um etwa zehn Prozent verringert hätten. „Der TS4 kommt jetzt deutlich sportlicher daher, weil die Masse näher an der Schlagfläche sitzt“, erklärt Hohmann, dem die große Schaftauswahl bei den Titleist-Drivern gut gefällt. Eine große Nachfrage habe es auch nach dem PING G400 gegeben, der nun abgelöst wurde vom G410.

Obwohl der Driver der Schläger ist, über den am meisten geredet und mit dem am meisten geprahlt wird, enthalten sich viele Anfänger die „große Keule“ zunächst vor. „Von manchen Kunden höre ich, dass sie den Driver nicht beherrschen und deshalb lieber auf ihn verzichten“, berichtet Denis Hohmann. „Andere erzählen, dass sie ihr 3er-Holz genauso weit schlagen wie ihren Driver.“ Das könne nur an der Trefferqualität liegen, die durch den längeren Schaft des Drivers mitunter etwas schlechter wird. Die Meinung, der Driver sei nichts für Anfänger, hält Hohmann indes für falsch. Wer hartnäckig Schwierigkeiten mit dem Driver habe, der könne sich den Schaft leicht kürzen lassen und dadurch Kontrolle gewinnen, ohne viel Länge zu verlieren. „Golf soll Spaß machen und der Driver spielt dabei erwiesenermaßen eine große Rolle“, sagt Hohmann.

Zur Person: Denis Hohmann (36) spielt seit seinem zehnten Lebensjahr Golf. Als Fitting- und Materialexperte berät er bei Hohmann Golf täglich Golferinnen und Golfer auf der Suche nach dem passenden Equipment. Der gebürtige Charlottenburger war Berliner Meister, hat für den Golf- und Land-Club Berlin-Wannsee in der Bundesliga gespielt und teet mittlerweile für die Jungsenioren des Golf- und Country Club Seddiner See e.V. auf.

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