Golf in Katar: Von Birdies und Falken

Golf in Katar: Von Birdies und Falken
Katars Education City Golf Club. Foto: Mike Wolff

Lange bevor in Katar der Sportboom ausbrach, war der Golfsport in dem Emirat bereits zu Hause. Die Hauptstadt Doha hat zwei ausgezeichnete Golfanlagen, eine weitere ist in Planung. Katar ist längst mehr als nur ein Geheimtipp für Golfer und Kulturfreunde.

Kurz bevor die Sonne aufgeht und der Morgengrauen den Horizont erkennen lässt, erschallen die Rufe der Muezzin zum Gebet von den Miniretten der zahlreichen Moscheen von Doha, der Hauptstadt von Katar. Die Sonne prägt dieses Land. Trocken, sandig und staubig. Nur im Norden bieten die Mangrovenwälder von Al Thakira ein anderes Bild. Eine Kayaktour bei untergehender Sonne ist hier eine beliebte Touristenattraktion.

Golf gespielt wird in Katar seit den Vierzigern

Trotz dieser prägenden Hitze macht sich das Land am Arabischen Golf auf, eine Macht in der Welt des Sports zu werden. Der Wüstenstaat legt immer mehr Wert auf Sportgroßereignisse wie zuletzt der FIFA Club World Cup, die Leichtathletik Weltmeisterschaft 2019 und zuvor bereits Handball-, Box- und Schwimmwettbewerbe von Weltniveau. Die erfolglose Bewerbung für die Olympischen Spielen 2020 wird sicherlich nicht der letzte Versuch gewesen sein. Und 2022 steigt die Fußball-WM in Katar.

Die Westbay mit der Skyline von Doha. Foto: Mike Wolff

Lange bevor dieser Sportboom ausbrach, hat sich der Golfsport in dem Emirat etabliert. Schon seit 1998 findet jährlich das Qatar Masters statt, ein Turnier der European Tour, mit namhaften Siegern wie Sergio Garcia, Adam Scott, Ernie Els oder Henrik Stenson. Die Geschichte des Golfsports beginnt aber sogar schon ein halbes Jahrhundert früher. In den späten 40er-Jahren wurde Katars erster Golfplatz für ausländische Angestellte der Ölindustrie angelegt. Neun Bahnen mit doppelten Abschlägen, auf Sand gebaut – ein sogenannter Brown Course. Dieser Platz existiert heute noch als Privatkurs für Firmenangehörige. 1951 folgte der zweite Platz, auch ein Brown Course in der Nähe der Hauptstadt mit neun Löchern, die acht Jahre später auf 18 ausgeweitet wurden. Dieser fiel später allerdings der Erweiterung des Flughafens zum Opfer.

Education City Golf Club

Im Education City Golf Club kann man lernen und erfahren, wie ein Weltklasse-Golfplatz aussieht. Foto: Mike Wolff

Derzeit gibt es in Katar zwei grüne Golfanlagen mit insgesamt 60 Löchern, eine dritte ist in Planung. Fast im Schatten des WM-Stadions von Education City liegt der erst im Frühjahr 2019 eröffnete Education City Golf Club. Nach einer kurzen Fahrt auf gut ausgebauten Straßen vom Zentrum der Stadt eröffnet sich bei der Tordurchfahrt zur Anlage eine andere Welt. Der einzige Sand auf den Bahnen weit und breit befindet sich in den mehr als 80 zum Teil riesigen Bunkern. Die Wüste ist hier in einem zauberhaften Garten verwandelt worden.

Das Clubhaus ist modern, groß und luftig, aber nicht prätentiös. Eine Besonderheit dieser makellosen, von José María Olazábal spannend und herausfordernd designten Anlage sind die drei unterschiedlichen Plätze. Neben einen 18 Loch-Meisterschaftskurs gibt es einen 9-Loch Par-3-Platz und als Überraschung und Neuerung einen 6-Loch-Parcours, der mit 1950 Metern (Par 23) von den hinteren Abschlägen das volle Vergnügen für eine kurze schnelle Runde bietet. Noch ist dieser Platz nicht mit Flutlicht für Nachtgolf ausgestattet, anders als die neun Löcher des Par-3-Platzes.

Ein Design von José María Olazábal

Nicht nur um der Hitze am Tag und der gleißenden Sonne zu entgehen, bietet sich diese Möglichkeit geradezu an. Löcher zwischen 82 und 168 Metern, vier mit Wasserhindernissen, sehr abwechslungsreich – eine gute Art, um zum Abschluss eines sonnigen Tages um den Absacker zu spielen. Allerdings sollte genau gespielt werden: Bälle, die die Grüns verfehlen, können im langen Gras des Roughs verloren gehen.

Das Highlight der Anlage ist der Meisterschaftsplatz, der es mit vielen Plätzen weltweit aufnehmen kann. Mit Greenfees von 170 bis 220 Euro im Winter ist dieser nicht ganz günstig. Dafür wird aber erstklassiger Service geboten. Selbstverständlich sind ein Cart mit Eisbox und Wasser, Bälle und Tees auf der Driving-Range, gekühlte Handtücher und Getränke auf dem Platz im Preis inbegriffen. Alles wird von den Mitarbeitern, die immer mit einer helfenden Hand bereitstehen, in einer beeindruckenden Freundlichkeit präsentiert.

Der Sonne entkommen: Dank Flutlicht kann im Education City Golf Club auch nachts gespielt werden. Foto: Mike Wolff

Olazábal hat ganze Arbeit geleistet: Viel Erde wurde bewegt, um aus der flachen, steinigen und trockenen Umgebung einen anspruchsvollen, sportlichen und abwechslungsreichen Platz mit vielen Schräglagen auf den Fairways und Grüns zu modellieren. Der Platz ist in perfektem Zustand. Überraschend kommt auf etwa der Hälfte aller Bahnen Wasser ins Spiel, aber auch die arabische Eigenheit der Wadis – Bachläufe ohne Wasser – ziehen sich durch die Anlage. Das Rough ist mit etwa 20 Zentimetern etwas höher und dichter gehalten, so das auch gefundene Bälle (einige verschwinden wie von Geisterhand) auf jeden Fall einen Distanzverlust bedeuten.

Am 13. Loch erreicht man das Signature Hole, ein wunderschönes, 541 Meter langes Par 5 mit zwei Fairways, die beidseitig um einen See führen. Longhitter können den direkten Weg über die linke Seite nehmen, der in Summe zwar deutlich kürzer ist, aber einen zweiten Schlag von 180 Metern erfordert,  um das direkt am See liegenden Grün zu erreichen. Das rechte Fairway, für die meisten die bessere Wahl, ist aber auch nicht ohne. Wer nicht sehr genau spielt, befindet sich in einem riesigen Bunker und könnte für einen Augenblick meinen, doch in der Wüste gelandet zu sein.  Auf diesem Platz kommt nie Langeweile auf, und jedes Loch hat etwas Besonderes. Nicht verwunderlich, dass ab 2020 das Qatar Masters auf diesem neuen aufregenden Platz stattfinden wird.

Doha Golf Club

European-Tour-Platz mit Aussicht auf moderne Architektur: Der Doha Golf Club. Foto: Mike Wolff

Gegen diesen Platz hat der ein wenig in die Jahre gekommene Doha Golf Club, bisher jetzt Austragungsort der European Tour, das Nachsehen. Fairerweise muss betont werden, dass bei unserem Besuch die Grüns sehr stark gesandet und Platzarbeiten im Gange waren und dadurch der Gesamteindruck stark getrübt wurde. Nicht, dass der Platz schlecht ist, im Gegenteil. Aber gegen den Ausnahmeplatz des ECGC fällt er doch ein wenig ab.

Traditionelleres Ambiente

Das Ambiente des Clubhauses ist deutlich traditioneller und arabischer. Vor allem das Restaurant ist wie aus dem Bilderbuch. Eine Besonderheit ist eine Vitrine mit signierten Schlägern aller Gewinner des Turniers. Es empfiehlt sich, hier nicht die eigenen Schläger zu benutzen. Wo sonst kann mit Honma-Leihschläger gespielt werden? Die Front-Nine sind eher flach und gerade, eng und von Büschen und Palmen begrenzt. Umgeben sind die Bahnen von der ursprünglichen, steinigen Wüste. Rough gibt es kaum, und es gilt, die vielen rot gesteckten, wasserlosen Waste-Areas zu vermeiden. Sie sind mit kleinen bepflanzten Steininseln gespickt – immerhin sehr hübsch fürs Auge.

Doha Golf Club. Foto: Mike Wolff

Höhepunkt der ersten Hälfte ist das 8. Loch, ein Par 3, 178 Meter lang vom hinteren Tee, bergab über Wasser. Ständige Begleiter sind im Hintergrund die Hochhäuser, die zum Teil seltsame Formen annehmen. Zur zweiten Hälfte der Runde zeigt der Platz sein schöneres Gesicht. Viel gefälliger, offener und schöner, mit deutlich mehr Bewegung auf den Fairways. Parklandartig, mit mehr Bäumen und Höhenunterschieden. Wenn beide Hälften so gut wären, würde Doha über zwei Plätze von Weltniveau verfügen.

Doha Golf Club. Foto: Mike Wolff

Auch hier gibt es die Möglichkeit, nachts zu spielen. Der 9-Loch-Academy-Course mit Flutlicht ist für Anfänger tags wie nachts bestens geeignet, aber auch für eine schöne Runde unter einem Sternenhimmel für erfahrene Spieler.

Katar setzt auf Kultur

Das Museum Islamischer Kunst (MIA) wurde auf einer künstlichen Insel ins Meer gebaut. Foto: Mike Wolff

Aber Katar setzt nicht nur auf Sport: Auch die Kultur hält das Emirat hoch. Im Gegensatz zu anderen arabischen Staaten wird hier mehr Wert gelegt auf heimische Kunst und Kunst aus der islamischen Welt. Schon vor elf Jahren wurde das auf einer künstlichen Insel ins Meer gebaute Museum Islamischer Kunst (MIA) eröffnet.

Ausstellungsstücke in Dohas Museum Islamischer Kunst. Foto: Mike Wolff

Eher klassisch in Vitrinen werden Kunstwerke und religiöse Artefakten, stilvoll und kunstvoll beleuchtet, präsentiert. Allein das Gebäude ist einen Besuch wert. Es wurde von I.M. Pei entworfen, der auch verantwortlich war für den Erweiterungsbau des Deutschen Historischen Museums in Berlin. Pei hat es aus einzelnen Kuben wie zu einem Exerzitium aus Geometrie aufgetürmt.

Unvergesslich ist der Blick vom Museum über die Bucht zum Finanzviertel Westbay vor allem abends bei untergehender Sonne  und angehenden Lichtern. New York lässt grüßen. Architektonisch besonders sehenswert ist das gerade – und noch nicht vollständig – eröffnete Nationalmuseum Katars. Es wurde der „Wüstenrose“ nachempfunden, eine von Naturkräften aus Sand geformte Struktur, die viele Formen annehmen kann. Der französische Architekt Jean Nouvel hat aus 539 unterschiedlich große Scheiben ein Gebilde zusammengefügt, die das Bauwerk schon zur Kunst erhebt und dabei wenig über den Inhalt verrät.

Das gerade eröffnete Nationalmuseum Katars ist einer Wüstenrose nachempfunden. Foto: Mike Wolff

Die Großzügigkeit des Gebäudes gibt den Inhalten dann genügend Raum zur Entfaltung. Wie in einer Erzählung wird die Geschichte des Landes in den letzten 7000 Jahren dargestellt. Für jeden Abschnitt gibt es einen Raum mit Objekten und Videoprojektionen. Besonders an die Jüngsten wurde mit kindgerechten Mitmachbereichen gedacht.

Ausstellung im Nationalmuseum von Katar. Foto: Mike Wolff

In Education City, unweit des Golfplatzes, ermöglicht neben der Nationalbibliothek, das Museum für Zeitgenössische Kunst den Gästen einen Einblick in die künstlerische Entwicklung der Gegenwart, nicht nur des Landes, sondern der gesamten Region, bis nach Afrika. Die Stadien, die für die Fußball-WM 2022 gebaut werden, sind nicht nur für Fans sehenswert. Alle sind natürlichen oder geschichtlichen Formen der katarischen Kultur nachempfunden und heben sich architektonisch wohltuend von den austauschbaren Stadienbauten in aller Welt ab.

Unterwegs im Soul Waqif

Das gilt auch für die Altstadt von Doha, den Souq Waqif. Sie hebt sich deutlich ab von den Basaren etwa von Marrakesch oder Muskat. Nach einem Brand und einem Teilabriss ist beim Wiederaufbau und der Erweiterung das neugestaltete Quartier ein wenig museal geraten. Dennoch: Trotz der penibel saubergehaltenen enge Wege ist die katarische Kultur des Handelns deutlich zu spüren. Neben Gegenständen des täglichen Bedarfs und touristischen Angeboten türmen sich Gewürze, Blüten und Früchte des Orients in pittoresken kleinen Läden.

Beliebtes Hobby: Im Falkensouq kann man den Kataris beim Fachsimpeln und Ausführen ihrer liebsten Tiere zusehen. Foto: Mike Wolff

Im Falkensouq kommt der Besucher dem Hauptzeitvertreib der Kataris ganz nah: dem Falkensport. Hier wird gefachsimpelt, gekauft und gelegentlich auch mal ein Vogel im Falkenhospital abgegeben. Alles steht den Touristen offen. Im Gegensatz zu vielen anderen arabischen Märkten sind die Einwohner Fremden gegenüber sehr aufgeschlossen. Fotografieren ist kein Problem, und Zeit für ein Gespräch ohne Kaufzwang gibt es immer.

Die Sonne ist für die Einheimischen gerade am Ende des Tages ein wichtiger Begleiter. Ob bei einer Wüstenfahrt, auf einem Dhau in der Bucht, an der Corniche oder in einer Bar hoch über der Stadt – alle genießen die letzten Lichtstrahlen des Tages.

Fünfeinhalb Stunden mit dem Flugzeug ab Berlin

Doha und Katar sind ein guter Einstieg in den Orient. Gerade mal fünfeinhalb Stunden im Direktflug von Berlin eröffnet sich den Besuchern eine fremde, spannende aber auch sichere Welt. Die beste Reisezeit liegt, wegen der Hitze, zwischen November und März. Das politische System eines benevolenten Herrschers, dem Emir, ist uns fremd und gewöhnungsbedürftig. Die offene Begegnung zwischen Einheimischen und Besuchern ist aber das probate Mittel, Differenzen auszuräumen und sich aufeinander zu zubewegen. Noch ist Katar kein Eldorado für Golfer, aber wenn die vorhandenen Plätze mit den geplanten neuen Anlagen ergänzt werden, wird das Land sicherlich eine Destination für mehr als nur eine Kurzvisite sein.

Für den Aufenthalt empfiehlt es sich ein Hotel in fußläufiger Entfernung der Altstadt zu nehmen und es gibt ausreichend Auswahl und für jeden Geschmack das Richtige. Ob luxuriös im neuen Viertel Msheireb Downtown Doha, im Alwadi Hotel Doha MGallery mit der Infinity Rooftop Lounge von der es einen atemraubenden und uneingeschränkten Blick über die gesamte Stadt gibt und es keinen besseren Ort die untergehende Sonne bei einem Cocktail zu genießen . Ein wenig uriger und origineller und direkt neben der Altstadt ist das Souq Waqif Boutique Hotel Al Jasra. In diesem Haus, das früher als Residenz für Qatars führenden und reichsten Familien diente, bekommen die Besucher einen Eindruck der noch lebendig gehaltenen Traditionen. Ob Architektur, Kulinarik, alte Hammamanwendungen oder Gastfreundlichkeit wird ein Eintauchen in die originelle Bräuche dieses orientalischen Landes ermöglicht.

Diese Reise wurde ermöglicht durch den Qatar Tourism Council und Qatar Airways.

Hilfereiche Links:
ecgolf.com
dohagolfclub.com
visitqatar.qa
qatarairways.com
tivolihotels.com/en/souq-waqif-doha
alwadihoteldoha.com/