„Die Öffnung der Golfplätze ist ein kostbares Gut“

„Die Öffnung der Golfplätze ist ein kostbares Gut“
So muss das sein: In Pandemie-Zeiten werden die Wilkendorfer Ballwascher gut abgeschirmt gegen Viren und Benutzer. Foto: Thomas Schumann

Seit etwas mehr als einer Woche wird in Brandenburg wieder Golf gespielt, mit umfangreichen Einschränkungen. Wie gut das bisher funktioniert, haben uns die Clubs in Motzen, Wilkendorf und Wall geschildert.

„Wir haben eine anstrengende erste Woche hinter uns“, sagt Jochen Friedhoff, stellvertretender Clubmanager des Berliner Golf & Country Clubs Motzener See. Als die Golfanlage südlich von Berlin am Montag vor einer Woche den Spielbetrieb wieder aufnahm, gab es geradezu einen Ansturm der Mitglieder auf die Startzeiten. „Wir hatten sogar Anfragen aus Hamburg, Niedersachsen, Sachsen und Hessen“, berichtet Friedhoff. Doch die habe der Club angesichts des nur eingeschränkten Spielbetriebs in Zweierflights ablehnen müssen. Bisher lasse der Club nur Mitglieder auf die Anlage. „Wir hatten zunächst anders geplant und waren  dann gezwungen vielen Gästen, die Tee-Times gebucht hatten, kurzfristig abzusagen, eine Menge Telefonarbeit.“

Es wird schnell gespielt

Positiv mache sich vor allem die Spielgeschwindigkeit bemerkbar. In durchschnittlich drei Stunden und 50 Minuten spielten die Flights ihre 18 Löcher – nach normalen Maßstäben ein Traumwert. „Wir haben einen Starter und auch Marshalls, die überprüfen, ob die Abstandsregeln eingehalten werden“, sagt Friedhoff. Niemand habe man bisher vom Platz verweisen müssen. Die Leute seien glücklich, dass sie wieder Golf spielen dürften und hielten sich bereitwillig an die Regeln. „Alle wissen, dass die Öffnung der Golfanlagen ein kostbares Gut ist.“

Am vergangenen Sonntag habe sich das Ordnungsamt ein Bild davon gemacht, wie der Club die Abstandsregeln und Hygienevorschriften umsetze. Rund 80 Autos auf dem Parkplatz hätten den Beamten offenbar skeptisch gemacht. „Ich habe ihn dann durchs leere Clubhaus geführt und habe ihm gezeigt, dass auch in der Gastronomie niemand ist, sondern Speisen nur zur Abholung angeboten werden“, schildert Friedhoff. Dann habe er raus auf den Platz gedeutet und gesagt: „Da draußen sind auf 150 Hektar etwa 100 Golfer, die fast alle allein mit ihrem Auto zum Club gefahren sind.“ Das habe dem Mitarbeiter des Ordnungsamtes eingeleuchtet.

Warten auf das Ordnungsamt

„Ich wäre froh, wenn das Ordnungsamt endlich einmal vorbeikäme“, sagt Thomas Schumann, Clubmanager im Golfpark Schloss Wilkendorf. Für den Fall, dass eine Kontrolle bereits stattgefunden hat, hätte sich das Ordnungsamt jedenfalls nicht zu erkennen gegeben. „Wenn ein Mitarbeiter zu uns käme und an der Umsetzung unseres Konzeptes nichts auszusetzen hätte, würde uns das noch mehr Sicherheit geben“, erklärt Schumann.

Den Anfang machte der Westside Platz, am vergangenen Mittwoch öffnete dann auch Wilkendorfs Sandy Lyle Platz (Foto) für den eingeschränkten Spielbetrieb. Foto: Golfpark Schloss Wilkendorf

Der Westside Platz sei am ersten Tag gleich ausgebucht gewesen. Seit der Sandy Lane Platz am Mittwoch ebenfalls für den Spielbetrieb geöffnet wurde, habe sich die Lage etwas entspannt. „Wir haben hier jede Menge Gäste und sogar schon drei neue Mitglieder gewonnen, die frustriert sind, dass sie in Bad Saarow noch immer nicht spielen können“, berichtet der Clubmanager. „Die Stimmung bei den Golfern ist gut und die Einhaltung von Mindestabständen und Hygieneregeln ist überhaupt kein Problem.“

Wenn es etwas gebe, dass für Diskussionen sorge, dann sei das lediglich die Vergabe der Startzeiten. Manche befürchteten, dass sie ungerecht behandelt werden könnten und beobachteten daher umso genauer, ob die anderen Golfer sich auch an ihre Tee-Times halten. Dass gebuchte Startzeiten nicht wahrgenommen wurden, sei noch nicht vorgekommen. Mitarbeiter, die sonst in der Gastronomie arbeiteten, würden über die Plätze fahren und die Startlisten abgleichen. In Einzelfällen hätten sich in der ersten Woche seit Wiedereröffnung Spieler ohne Tee-Time zwischen zwei Flights gemogelt. „Das ist vielleicht nicht mit böser Absicht geschehen, weil es auch sonst im Regelbetrieb mal vorkommt“, glaubt Schumann. „Wenn wir das feststellen, holen wir die Spieler aber vom Platz.“

Spielmöglichkeiten in Wall

Auch bei Golf in Wall wird derzeit in Zweierflights gestartet und die Plätze sind jeden Tag gut gebucht. Zwischendrin und in Randzeiten finde man aber immer noch eine freie Startzeit, heißt es aus dem Club. Golflehrer Wil Jaspers gebe inzwischen auch wieder Golfunterricht – natürlich mit dem gebotenen Abstand.

Das zuständige Ordnungsamt sei sogar schon zweimal zu Gast gewesen, seitdem in Wall wieder Golf gespielt werden dürfe, berichtet eine Mitarbeiterin aus der Gastronomie „Am Dienstag, den zweiten Tag, und an diesem Montag“, „Die haben sich einmal kurz im Restaurant umgesehen, sind ums Clubhaus herum gegangen und waren nach vier Minuten schon wieder weg.“ Zu sehen habe es nur Golferinnen und Golfer gegeben, die sich darüber freuen, dass sie wieder spielen dürfen, und dafür gerne die nötigen Einschränkungen in Kauf nehmen.

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