Gross Kienitz schaltet Verwaltungsgericht ein

Gross Kienitz schaltet Verwaltungsgericht ein
Mit 180 Hektar Fläche fast so groß wie Monaco: Die Golfanlagen Gross Kienitz. Foto: GC Gross Kienitz

Nach dem Golf Club Mahlow wurde am Freitagmorgen auch der Golfclub Gross Kienitz vom Ordnungsamt aufgefordert, höchstens zwei Personen auf die Anlage zu lassen. Clubpräsident Max Fränkle verlangt eine juristische Klärung. Der DGV kritisiert die Auslegung der Eindämmungsverordnung durch den Landkreis Teltow-Fläming.

Der Golfclub Gross Kienitz bekam am Freitagmorgen Besuch vom zuständigen Ordnungsamt. „Wir wurden aufgefordert, die Golferinnen und Golfer vom Platz zu holen“, berichtet Clubmanagerin Ariane Fränkle. „Eine Dame erklärte mir, dass entsprechend der geltenden Eindämmungsverordnung höchstens zwei Personen zeitgleich auf der Anlage spielen dürften.“ Anders als von der Behörde gefordert, ließ der Club seine 180 Hektar große Anlage zunächst weiter für Individualsport unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln geöffnet – so wie das seit Monaten der Fall ist. Clubpräsident Max Fränkle beantragte noch am Freitag eine Klarstellung im Wege des einstweiligen Rechtsschutzes beim Verwaltungsgericht Potsdam.

Am Donnerstag war bereits der Golf Club Mahlow – ebenfalls im Landkreis Teltow-Fläming – vom örtlichen Gesundheitsamt aufgefordert worden, höchstens zwei Personen auf den Platz zu lassen, was einer Zwangsschließung gleichkommt. Der Landkreis, in dem auch die GolfRange Berlin-Großbeeren liegt, teilte am Freitag auf Anfrage des Tagesspiegel mit:

„Der gesamte Golfplatz ist im Sinne der EindV als eine Sportanlage zu sehen, diese ist zu schließen, jedoch darf darauf ausnahmsweise unter freiem Himmel allein, zu zweit oder mit den Angehörigen des eigenen Haushalts Sport getrieben werden. (…) Wie groß die Sportanlage ist, spielt dabei keine Rolle. (…) Die Aufforderung des lokalen Ordnungsamtes zur Einschränkung des Spielbetriebes auf das angegebene Maß war deshalb richtig.“

Das ist eine überraschende, neue Auslegung durch den Landkreis, dabei hat sich in der Verordnung der entsprechende Passus zum Individualsport im Freien seit Monaten nicht geändert. Nach Auffassung des Krisenstabes von Teltow-Fläming betreiben Golfer, die im Abstand von zehn Minuten (wahlweise 400 Metern) über den Platz gehen, gemeinsam Sport – weil sie dieselbe Sportanlage nutzen. Eine Sichtweise, die kein anderer Landkreis in Brandenburg teilt und die der Deutsche Golf Verband (DGV) für „unerklärlich“ hält. „Beim Golfspiel sind ja immer nur die zulässigen Personen miteinander unterwegs. Weitere Spieler befinden sich ganz woanders, zumeist außerhalb von Ruf- und Sichtweite auf weit entfernt gelegenen anderen Bahnen“, sagt Alexander Klose, Vorstand Recht und Services des DGV. „Die hier augenscheinlich getroffene Auslegung trifft in keiner Weise den Kern der Verordnungsregelung.“

Tennisplätze nicht als eine einzige Sportanlage gewertet

Bis in den Herbst hinein, solange es das Wetter und die Temperaturen zuließen, durften auf den Tennisanlagen im Landkreis Teltow-Fläming zwei Personen pro Tennisplatz spielen. So berichten es der TC Rot-Weiß Großbeeren und der Luckenwalder Tennisclub, die ihre Abstands- und Hygienekonzepte im Mai jeweils mit Ordnungsamt und Gesundheitsamt abgestimmt hatten. Dass ihre Tennisplätze als eine Sportanlage betrachtet würden, auf der sich insgesamt nur zwei Personen aufhalten dürften, bekamen sie nicht zu hören. „Das Ordnungsamt hat unser Konzept für gut befunden“, sagt Frank Brand, zweiter Vorsitzender des TC Rot-Weiß Großbeeren.

Der Golf Club Mahlow werde seine 9-Loch-Anlage bis auf Weiteres geschlossen halten, sagt Agnes Verpeleti: „Ich kann mir als Betreiberin nicht erlauben, zu rebellieren und ein Bußgeld zu riskieren.“ Gross Kienitz‘ Clubpräsident Max Fränkle, selbst Jurist, rechnet in dieser Woche nicht mehr mit einer Entscheidung des Potsdamer Verwaltungsgerichts: „Wir bleiben vorerst in der rechtlichen Schwebe, aber geöffnet.“

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