Simone Weinholz: Mit 40 Jahren zur Golflehrerin

Simone Weinholz: Mit 40 Jahren zur Golflehrerin
Golflehrerin Simone Weinholz vom Golf- und Country Club Seddiner See. Foto: Arne Bensiek

Simone Weinholz vom Golf- und Country Club Seddiner See hat mit 40 Jahren ihren Traumberuf gefunden: Golflehrerin. Eine Geschichte über eine wiederentdeckten Liebe, ein 7er Eisen und ein Verkehrsschild.

Golflehrerinnen sind eine Seltenheit. Nur etwa 70 gibt es in Deutschland, Golflehrer dagegen rund 1600. Völlig einzigartig aber dürfte die Geschichte von Simone Weinholz sein. Nach einer Ausbildung zur Versicherungskauffrau, Arbeit für Lufthansa und als Maklerin, der Geburt von zwei Kindern und einer beruflichen Auszeit hat sie sich dazu entschieden, Golflehrerin zu werden – mit 40 Jahren. „Das war nie in meiner Lebensplanung vorgesehen“, sagt sie heute.

Der Tag, der alles veränderte, war ein Sonntag. Ihre Familie sei bei Freunden eingeladen gewesen. Eine gesellige Runde im Garten. Irgendwann kam das Gespräch auf Golf. „Ein Bekannter meinte zu mir: Du hast doch auch mal Golf gespielt, gab mir einen Schläger und sagte: Schlag mal dahinten zu dem Schild.“ Das Schild war ein Verkehrsschild in respektabler Entfernung, der Schläger ein Eisen 7. Ihr letzter Golfschlag sei zu dem Zeitpunkt Jahre her gewesen, viele Jahre. Aber gelernt ist eben gelernt. Das Bewegungsmuster schlummerte in ihr. „Ich habe das Eisen perfekt getroffen“, erinnert sich Weinholz. Noch unglaublicher: Sie habe das Schild getroffen. „Dieser Moment war ein Schlüsselerlebnis. Meine Liebe zu Golf war mit einem Mal wieder da, noch größer vielleicht als in Jugendtagen“, sagt sie und strahlt dabei.

Staubig, heiß und saulangweilig

Als ihr Vater sie mit sieben Jahren die ersten Male mit auf den Golfplatz nahm, hielt sich ihre Zuneigung zu der neuen Sportart allerdings spürbar in Grenzen. Selbst wenn die von Heide gesäumten Bahnen des Golf-Club St. Dionys in Niedersachsen bis heute zu Deutschlands schönsten gehören. „Es war heiß, staubig und ich fand es saulangweilig“, weiß Weinholz noch heute. „Ich hatte den Eindruck, die lange Bahn endet nie.“ Statt für Golf habe sie sich dann ganz mädchenlike fürs Reiten entschieden. Für Pferde, Wiesen und Abenteuer. Als sie sich mit 14 Jahren aber einmal mehr beim Querfeldeinreiten den Arm brach, sei sie frustriert gewesen. Warum es nicht doch noch mal mit Golf probieren? Ein guter Gedanke.

Simone Weinholz: Spaß am Unterrichten gehört dazu.
Simone Weinholz beim Unterricht: Der Spaß tritt nie in den Hintergrund. Foto: Arne Bensiek

„Ich hatte den Bewegungsablauf sofort wieder parat“, sagt sie, die plötzlich nicht genug kriegen konnte von dem anspruchsvollen Spiel. „Fast jeden Tag bin ich mit meinem klapprigen Rad die drei Kilometer zum Golfplatz gefahren, meinen Trolley mit Bag einhändig im Schlepptau.“ Sie sei damals ein eher schüchternes Mädchen gewesen, das beim Golf sehr viel gelernt habe: Ängste vor Erfolg überwinden, Disziplin, Druck verarbeiten, mit Emotionen umgehen und eigene Schwächen annehmen können. „Ich hatte kein festes Ziel, ich wollte mich einfach verbessern“, sagt Weinholz. Fortschritte hätten sie motiviert. Oft sei sie stundenlang allein über den Platz gegangen, sei beim Jugendtraining gewesen, habe für die Jugend-Mannschaft gespielt. „Ich habe damals eine tiefe Leidenschaft zu Golf entwickelt.“

Insofern war es für sie mit 17 Jahren zunächst ein Schreck, als die Eltern entschieden, dass die Familie nach Berlin zieht. Das war es jetzt mit Golfspielen, dachte sie. Glücklicherweise war Weinholz der Jugendwartin des Golf- und Land-Club Berlin-Wannsee schon beim Jugendländerpokal aufgefallen – und sie wurde dort mit offenen Armen aufgenommen. „Es gab damals im Club gefühlt nur eine Handvoll Jugendliche, ganz anders als heute. Aber der sportliche Spirit im Club hat total gepasst“, berichtet Weinholz. Und was für ein Einstand: 1985 wurde sie gleich Berliner Meisterin.

Das geliebte Spiel geriet ihr für Jahre aus den Augen

Dass sie eines Tages Golflehrerin werden würde, hätte sie allerdings nicht im Entferntesten gedacht: „Ich habe mal ein dreitägiges Praktikum als Arzthelferin gemacht und danach gewusst, dass ich in die Wirtschaft gehen und Geld verdienen möchte.“ Nach einer Ausbildung zur Versicherungskauffrau lebte sie mit 20 ein halbes Jahr als Au-Pair-Mädchen in einer Londoner Familie. Ohne Golf. Das habe sich nicht ergeben. Und so geriet ihr das geliebte Spiel für Jahre aus den Augen. Denn zurück in Berlin, mit Beruf und anschließend den jungen Kindern war die Zeit knapp. Zu knapp. Ihr Mann spiele kein Golf, ebenso wenig die zwei Söhne, die inzwischen volljährig sind.

Zwischen dem sonntäglichen Volltreffer auf das Verkehrsschild und dem Entschluss, Golflehrerin zu werden, vergingen noch knapp sechs Jahre. Eine Zeit, in der Simone Weinholz unter anderem Clubmeisterin der GolfRange in Großbeeren wurde, dann Clubmeisterin im Berliner Golf & Country Club Motzener See. Schließlich spielte sie für die Damen-Mannschaft des Golf- und Country-Club Seddiner See. Als sie ihren Coach Nick Baron und Clubmanager Horst Schubert fragte, ob sie eine Ausbildung zur Golflehrerin machen könne, hatte sie gleich zwei Unterstützer gewonnen. Die kurz zuvor gelockerten Zutrittsbedingungen zur Golflehrerausbildung der PGA of Germany kamen ihr entgegen. Trotzdem musste sie sich anstrengen, um etwa die notwendige Spielstärke nachzuweisen – aber auch die Ausbildung selbst zu finanzieren.

„Ich bin überhaupt kein Lehrertyp“

Nick Baron wurde Simone Weinholz’ Ausbilder. Außerdem reiste seine Schülerin durch ganz Deutschland, um sich verschiedene Trainingsansätze anzuschauen und Wissen zu sammeln bei anderen erfolgreichen Golflehrern: Der ehemalige Tourspieler Heinz-Peter Thül und Golfguru Oliver Heuler waren nur zwei von ihnen. Was ihr am besten gefiel, nahm sie für sich mit – und für ihre eigenen Schüler. „In den mittlerweile zehn Jahren habe ich mich als Golflehrerin komplett verändert“, sagt Weinholz im Rückblick. Durch die tägliche Arbeit mit Menschen ganz verschiedener Art habe sie selbst viel gelernt.

Simone Weinholz ist keine dogmatische Predigerin von Winkeln und Zahlen – auch wenn sie die technische Seite des Berufs natürlich draufhat. Auch wenn sie zahlreiche Zusatzqualifikationen besitzt, zum Beispiel als Golfphysiocoach. Ihr Schülerinnen und Schüler schätzen die einzige Frau im fünfköpfigen Team der Seddiner Golfschule, weil der Unterricht bei ihr nie verkrampft ist, weil bei aller Arbeit und Konzentration der Spaß nicht in den Hintergrund tritt. Das erfährt man, wenn man sich im Club umhört. „Ich denke, dass ich als Frau eine etwas andere Sprache und Didaktik habe als meine männlichen Kollegen“, sagt Weinholz.

Erhebend finde sie an ihrem Beruf, wenn Schüler nach einem richtig guten Schlag staunen oder beinahe fassungslos seien. Das sei immer wieder faszinierend zu beobachten. Weinholz’ ältester Schüler ist 93 Jahre alt. Jede Woche spielen die beiden neun Löcher. Auch das seien für sie unbezahlbare Momente ihres Traumberufs. „Ich bin überhaupt kein Lehrertyp und würde auch nichts Anderes unterrichten“, sagt Weinholz. Nichts außer Golf.

Mehr über Simone Weinholz: http://weinholz-golf.de