„Greenkeeping ist ein Denksport geworden“

„Greenkeeping ist ein Denksport geworden“
Da blutet das Golferherz: Abseits der künstlichen Beregnung ist auf den Golfplätzen in und um Berlin die Trockenheit gut zu sehen. Foto: Arne Bensiek

Die Golfplätze in der Hauptstadtregion und in Mecklenburg-Vorpommern leiden unter der Trockenheit – und mit ihnen die Greenkeeper. Zwar sei die Hitze nicht so extrem wie 2018, doch die Schäden des vergangenen Sommers sind noch immer sichtbar. Zwei Greenkeeper über ihre Strategien.

„Wenn wir das letzte Jahr mit dazu nehmen, fehlen uns seitdem 1000 Liter Regen pro Quadratmeter“, sagt Christian Franke, Head-Greenkeeper des Berliner Golfclub Stolper Heide. Franke arbeitet schon seit 1991 in seinem Beruf, hat vieles erlebt, kann Dinge einordnen. Der 53-Jährige sagt: „Das Wetter in 2018 und 2019 ist für die Golfplätze in Berlin und Brandenburg eine Katastrophe.“

190 Hektar misst die Golfanlage in Stolper Heide, etwas mehr als 60 Hektar davon werden künstlich beregnet: Grüns, Abschläge, Fairways. Abseits des Kurzgemähten ist sich die Natur selbst überlassen, und genau dort sind die Spuren der Dürre am sichtbarsten. Bäume sterben, Wiesen vertrocknen. „Es gäbe viele Stellen auf unseren Plätzen, wo es sinnvoll wäre, nachzusäen“, erzählt Franke. „Aber zum Anwachsen braucht der Rasen Wasser, sonst wird das nichts.“ Und einfach Bäume nachzupflanzen, die nicht heimisch sind, aber besser mit der Trockenheit klarkommen, erlaube der landschaftspflegerische Begleitplan bisher nicht.

Saftiger Rasen gleich Mitglieder?

Wenn es so weitergeht, glaubt Franke, dann werden in Zukunft vor allem die Golfclubs Mitglieder gewinnen, die noch saftigen Rasen bieten können – weil sie über viel Wasser aus Tiefbrunnen verfügen oder mit dem vorhandenen Wasser besonders effektiv und clever umgehen. „Greenkeeping ist ein Denksport geworden“, sagt Franke, der in Stolper Heide ein sogenanntes Benetzungsmittel einsetzt, um den Boden vor dem Austrocknen zu schützen.

Stephen Monk ist Head-Greenkeeper im Golf & Country Club Fleesensee. Foto: Mike Wolff

Gut 100 Kilometer Luftlinie nördlich vom Berliner Golfclub Stolper Heide liegt Golf Fleesensee mit seinen 72 Bahnen und einem Head-Greenkeeper, der alles versucht, um seine Plätze für längere Trockenperioden zu wappnen. „Seit Jahren sind wir schon intensiv am Aerifizieren und Sanden, damit der Rasen tiefer wurzelt und dadurch robuster wird“, berichtet Steven Monk. Die Golfanlage in Fleesensee habe den Vorteil, dass es in der Region viel Wasser im Boden gebe und die Beregnung der Plätze gewährleistet ist. Trotzdem sei die Trockenheit der letzten Saison noch immer am Wasserstand in den Teichen der Golfanlage abzulesen.

Monk und sein Team wollen deshalb zukünftig Schritt für Schritt ressourcenschonender bewässern. Im 2018 wurde auf dem Schloss Torgelow Platz bereits ein neues Steuerungssystem für die Beregnung eingebaut, im Oktober ist der Schlossplatz dran, dann folgen die weiteren Plätze. „Das spart uns viel Wasser“, betont Monk. Als er in Fleesensee angefangen habe, hätten alle Regner ihr Wasser noch 360 Grad um sich geworfen – eine unnötige Verschwendung. „Inzwischen haben wir sie allesamt ausgetauscht oder angepasst.“

Steigender Spieldruck macht es noch komplizierter

Manche Golfclubs setzen auf neue Grassorten, die Trockenheit besser vertragen, wie etwa der Golf- und Land-Club Berlin-Wannsee bei der jüngsten Renovierung seiner Grüns. „Alles stellt sich um“, sagt Christian Franke aus Stolper Heide. Nicht nur die Trockenheit sei indes eine Belastung für die Golfplätze. Franke sieht noch ein anderes Problem: den steigenden „Spieldruck“, wie er es nennt. „Wenn nicht mehr an 250 Tagen pro Jahr gespielt wird, sondern an 356, weil es keinen richtigen Winter mehr gibt, und von morgens früh bis abends spät, dann bedeutet das für den Rasen zusätzlichen Stress.“ Ihm und seinem Team reiche in den Sommermonaten kaum noch die Zeit, um die Plätze ausreichend zu bewässern. „Um den Spielbetrieb nicht zu stören, wässern wird in den Nachtstunden.

Franke sagt, die Belastung auf die Greenkeeper nehme unweigerlich zu, und er prophezeit: „Die Entscheidungen im Greenkeeping werden in Zukunft immer fundamentaler für die Golfanlagen und damit auch für die Clubs.“ Da brauche es wirtschaftliches Fingerspitzengefühl und ein gutes Verhältnis zwischen der Platzmannschaft und dem Clubvorstand.