Golfreise nach Irland: Grüner wird’s nicht

Golfreise nach Irland: Grüner wird’s nicht
Adare Manor ist der Austragungsort des Ryder Cups 2026. Foto: www.production54.com

Irland ist golfverrückt und gespickt mit mehr als 300 teils atemberaubenden Golfplätzen. K Club, Old Head und Waterville sind weltbekannt, Adare Manor wird ihnen folgen, noch bevor dort 2026 der Ryder Cup Station macht. Eine Golfreise auf die grüne Insel.

Irland hat gerade einen Lauf. Aus Golfersicht hätte das vergangene Jahr kaum besser laufen können. Shane Lowry gewinnt die prestigereiche Open Championship in Royal Portrush im Norden der Insel, das Land erhält den Zuschlag für den Ryder Cup 2026 und Rory McIlroy – von vielen als Ire und nicht als Nordire gesehen – erobert Platz eins der Weltrangliste zurück. Die ansteckende Begeisterung der Iren für Golf ist aber auch mit den Golfplätzen zu erklären, die ihr Land zieren.

Die Linksplätze von The Island, Tralee, Waterville und Old Head fordern einem golferisch alles ab, besonders wenn der Wind bläst, und belohnen einen dafür mit Ausblicken, die man ein Golferleben nicht vergisst. Im K-Club warten ein erstklassiger Ryder-Cup-Platz, viel Geschichte und Geschichten, die im Clubhaus eindrucksvoll aufbereitet sind. Das exklusivste Erlebnis hält Adare Manor bereit, dessen Besitzer J.P. McManus von seinen Architekten nicht weniger verlangte, als ihm ein europäisches Augusta National zu bauen – mit dem bedeutenden Unterschied, dass Gäste dort sehr willkommen sind.

Adare Manor

Architekt Tom Fazio hatte in Adare Manor den Auftrag, ein europäisches Augusta National zu schaffen. Foto: Larry Lambrecht

Das Luxusresort 15 Autominuten von Limerick entfernt ist das Zuhause vieler Superlative. 2014 hat der irische Milliardär J.P. McManus, eine Zeitlang Besitzer von Manchester United, das Herrenhaus am River Maigue mitsamt dessen 3,4 Quadratkilometer großen Ländereien erworben, auf denen sich nach Meinung vieler der beste Parklandplatz Irlands befand. 27 Millionen Euro betrug der Kaufpreis. Für weitere knapp 70 Millionen Euro ließ der neue Hausherr nicht nur das im Tudorstil gehaltene Domizil von Grund auf sanieren. Der erst 1995 von Robert Trent Jones Senior entworfenen Golfplatz bekam ein Redesign verpasst, das einem Neubau gleichkam. McManus engagierte dafür Architekt Tom Fazio.

Manikürter Rasen, schneeweißer Bunkersand, viel Wasser: Adare Manor ist ein würdiger Austragungsort für den Ryder Cup. Foto: Larry Lambrecht

Schneeweißer Bunkersand und erhöht liegende, pfeilschnelle Grüns mit ihren großen Run-off-Areas erinnern ebenso an das Masters in Augusta wie der makellose Pflegezustand. 60 Greenkeeper maniküren den 18-Loch-Parklandplatz im Normalbetrieb. Auf den zweiten Neun verdichten sich die Risk-and-Reward-Löcher mit ihren Wasserhindernissen zu einem Crescendo, das förmlich nach dem Ryder Cup schreit. Loch 18, ein Par 5, das auf das Herrenhaus zuläuft und kurz vor dem Grün vom River Maigue gekreuzt wird, ist ein Meisterstück.

Ein Blick ins Clubhaus-Bistro von Adare Manor. Foto: Jack Hardy

Auch wenn schon heute im Clubhaus der Kakao durch eine Ryder-Cup-Schablone auf den Capuccino gestreut wird, dauert es noch mehr als sechs Jahre, bis die ganze Golfwelt auf das kleine, bisher nicht bekannte Örtchen Adare schauen wird. Wer hier Golf spielt, im Manor House mit Blick auf den Golfplatz übernachtet, erlebt schon heute eine für europäische Golfresorts neue Definition von Perfektion. Das Hotel wurde 2018 zum besten Irlands gewählt, das Greenfee ist mit 370 Euro auf der grünen Insel fast das Ende der Fahnenstange. Nicht zu vergessen die rund 100 Euro für den obligatorischen Caddy. In jeder Hinsicht ein Erlebnis. Zur Seite des Resorts

Tralee Golf Club

Sonnenaufgang über dem Tralee Golf Club. Foto: Arne Bensiek

Arnold Palmer, einer der besten Golfer aller Zeiten, hat an der irischen Westküste 1984 seinen  ersten Golfplatz auf europäischem Boden entworfen. Und glaubt man dem 2016 verstorbenen „King“, der im Tralee Golf Club als überlebensgroße Bronzestatue am ersten Abschlag steht, dann war er es, der die ersten neun Löcher bauen ließ, während für die zweiten Neun niemand Geringeres als der liebe Gott verantwortlich zeichnete. Unverkennbar ist jedenfalls, dass dieser hervorragende Linkscourse seine wahren Schätze auf der Backnine offenbart.

Achterbahnfahrt durch die Dünen: Tralee bietet gerade auf der Backnine spektakuläre Bahnen. Foto: Arne Bensiek

Hier geht es zwischen den Dünenkämmen rauf und runter, und neben vielen furchterregenden Senken voller Strandhafer, die es zu überspielen gilt, warten hier auch die spektakulärsten Ausblicke auf den weiten Sandstrand am Fuße des Platzes und auf den Ozean. Tralees vier Par-3-Bahnen  gelten als das beste Quartett Irlands, das Gesamtwerk als einer der feinsten Linksplätze des Landes. Das Greenfee liegt in Haupt- und Nebensaison zwischen 180 und 250 Euro. Zur Seite des Clubs

Waterville Golf Links

Dünenland mit zauberhafte Konturen: Waterville Golf Links. Foto: Arne Bensiek

Im äußersten Südwesten der Insel, gut eine Autostunde von Killarney entfernt, liegen die Waterville Golf Links. Auch hier steht unweit des Clubhauses eine Bronzestatue, allerdings ist diesmal nicht der Architekt verewigt worden. Es ist der Amerikaner Payne Stewart,  berühmt für sein Outfit aus Schiebermütze und Knickerbockerhosen, dem der Club hier ein Denkmal gesetzt hat. Der dreifache Majorsieger kam 1999 auf dem Höhepunkt seiner Karriere bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Auf den Waterville Golf Links bereitete sich Stewart Jahr für Jahr auf die Open Championship vor und brachte sogar mehrfach seinen Freund Tiger Woods mit in die Grafschaft Kerry.

Die Waterville Golf Links liegen zwischen River Rinny und Atlantischem Ozean. Foto: Arne Bensiek

Es gibt auf diesem Linksplatz weniger starke Höhenunterschiede als in Tralee und dennoch herrliche Blicke auf das Meer und das Delta des River Rinny. Der unablässige Wind macht diesen eher langen Platz (6746 Meter von den hinteren Abschlägen) zu einer sportlichen Herausforderung – die harten, treuen Grüns obendrein. „Die meisten Gäste können sich darauf nur schwer einstellen“, sagt Maschinenbaustudent Leo aus Braunschweig, der jedes Jahr in seinen Semesterferien als Caddy in Waterville Taschen trägt. Das Greenfee liegt zwischen April und Oktober bei 250 Euro, in der Nebensaison bei 75 Euro. Zur Seite des Clubs

Old Head Golf Links

Für diesen Blick und eine Runde Golf auf den Old Head Golf Links kommen jährlich tausende amerikanische Golfer nach Irland. Foto: Arne Bensiek

Die Landzunge (Headland), die eine Autostunde südlich von Cork ins Meer ragt, ist der Grund dafür, warum sich jedes Jahr abertausende Golftouristen auf den Weg nach Irland machen. Bereits ab dem 17. Jahrhundert stand am Zipfel der knapp 90 Hektar großen Halbinsel ein erster Leuchtturm. 1997 wurde hier ein atemberaubender Golfplatz errichtet und ein Club gegründet, zu deren wenigen Gründungsmitgliedern der Aschaffenburger Schlägerbauer Thomas Falk zählt.

Old Head ist nichts für Menschen mit Höhenangst – oder die schönste Therapie. Foto: Arne Bensiek

Luftbilder von diesem einzigartigen Platz, der mehr als hundert Meter aus dem Ozean emporragt, wirken förmlich wie eine Droge. Zehn von 18 Bahnen – darunter alle vier Par-3-Löcher – führen direkt entlang der Klippen. Eine Runde durch die vielleicht spektakulärste Szenerie der Golfwelt ist nichts für Menschen mit Höhenangst – oder die schönste Form der Therapie. Der Wind bläst laut Caddy an 355 Tagen im Jahr aus allen Rohren. Manchen aufs offene Meer verzogenen Abschlag trägt er gnädig zurück auf die Bahn, manch anderen beflügelt er auf seiner Reise ins Nimmerwiedersehen.

Nächster Halt Amerika: Die Old Head Links liegen rund 100 Meter über dem Meeresspiegel. Foto: Arne Bensiek

Wobei das nicht ganz stimmt. Das 17. Grün, der mit etwa 90 Metern über dem Meeresspiegel niedrigste Punkt des Platzes, wurde bei einem gewaltigen Herbststurm schon einmal von einer Welle ins Meer gewaschen. Im Gegenzug revanchierte sich die See, indem sie auf das Fairway Tausende Bälle spülte. Ein skurriler Anblick für die Greenkeeper, als sie morgens zur Arbeit kamen. Das Greenfee beträgt 375 Euro in der Hauptsaison, 225 Euro in der Nebensaison. Zur Seite des Clubs

The Island Golf Club

Einst kamen die Golfer des Island Golf Club mit dem Boot, heute mit dem Auto. Foto: The Island Golf Club

Streng genommen liegt der Club gar nicht auf einer Insel, aber den Gründern muss es so vorgekommen sein. Im damals noch jungen und schwer katholischen Royal Dublin Golf Club durfte sonntags kein Golf gespielt werden. Also ruderte anno 1890 eine Schar weniger frommer Herzblutgolfer immer wieder am Tag des Herrn von Malahide aus über den Broad Meadow River, um im wilden Dünenland unbeobachtet Golf zu spielen. Die Leute kommen inzwischen mit dem Auto, aber das Clubwappen des Island Golf Club ziert unbenommen ein Ruderboot.

Harter Platz, herzliche Atmosphäre: The Island Golf Club. Foto: Arne Bensiek

Über den Fluss wird heute lediglich gespielt, und so heißt Bahn 13, ein Par 3, „Broadmeadow“. Der Club rühmt sich aber vor allem seiner 14. Bahn, einem Par 4, das mit knapp 13 Metern das schmalste Fairway Irlands habe. Die beste Bahn des Linksplatzes folgt direkt im Anschluss. Ein Par 5, dessen zweite Hälfte flankiert ist von hohen Dünen. Das Fairway wirkt fast wie der Rücken eines Krokodils, mit unzähligen Schräglagen. Mitglieder und Gäste schätzen die unaufgeregte und herzliche Atmosphäre im Island Golf Club, der nur 15 Minuten vom Dublin Airport entfernt liegt und der wochentags ein Greenfee von 160 Euro sowie 180 Euro am Wochenende verlangt. Zur Seite des Clubs

The K Club

Schauplatz eines europäischen Kantersieges: The K Club. Foto: Mike Wolff

Er hat geschafft, wovon Adare Manor noch träumt: The K Club hat Ryder-Cup-Geschichte geschrieben, als 2006 das Team Europa die USA mit einem Rekordergebnis von 18,5 zu 9,5 vermöbelte. Das K steht für die westlich von Dublin liegende Grafschaft Kildare, in der das Fünf-Sterne-Resort mit seinen zwei 18-Loch-Parklandplätzen liegt. Die Heldengeschichte von 2006, die sich im K Club zugetragen hat, ist im Clubhaus mit Fotos, Texten und Reliquien minutiös dokumentiert.

Das K in The K Club steht für die Grafschaft Kildare, wo das Golfresort liegt. Foto: Mike Wolff

Arnold Palmer hat den Ryder-Cup-Course entworfen, der insbesondere für seine spektakuläres Schlusslöcher verehrt wird. Bahn 16 kann wohl mit Recht für sich in Anspruch nehmen, das feinste Par 5 Irlands zu sein: Ein Doppel-Dogleg, erst rechts herum, dann links herum, bevor ein Fluss das Fairway-Ende und das von Bäumen eingerahmte Grün trennt. Eine eiserne Brücke, die zum Grün und wieder herunter führt, krönt dieses Loch.

Im Vergleich zu Adare Manor ist das Greene in Adare Manor fast ein Schnäppchen. Foto: Mike Wolff

Groß sind die Fußstapfen, in die Adare Manor 2026 treten wird – und vergleichsweise gering das Greenfee von 175 Euro zwischen Mai und September. Zur Seite des Golfresorts

Reisetipps

Flug: Aer Lingus, Lufthansa und Ryanair fliegen im Normalbetrieb täglich von Frankfurt am Main nach Dublin und zurück.

Reisezeit: April bis Oktober, wobei es im Juli und August häufiger regnen kann. Mai und Juni sowie September und Oktober sind relativ beständig. Bedingt durch den Golfstrom herrscht das ganze Jahr hindurch ein mildes ausgeglichenes Klima.

Übernachten: Adare Manor verfügt neben Hotelzimmern und Suiten im 5-Sterne Manor House auch über 30 Appartment-Lodges und zwei großzügige Cottages, die in unmittelbarer Nähe zum Golfplatz liegen. Das Clubhaus-Restaurant bietet neben erstklassigem Frühstück auch raffinierte Gerichte. Im Herrenhaus gibt es mit dem „Oak Room“ ein Restaurant mit Michelin-Stern.

Die Lobby des Manor House von Adare Manor. Foto: Jack Hardy

Ballygarry House Hotel & Spa ist ein idealer Ausgangspunkt für den Tralee Golf Club. Das stilvolle und gemütliche Hotel ist für Service und Qualität vielfach ausgezeichnet worden und bietet mit seinem „Restaurant 58“ gehobene Küche und mit seiner Brasserie eine klassische Karte mit sehr gutem Preis-Leistungs-Verhältnis.

Die Brasserie des Ballygarry House. Foto: ballygarryhouse.com

Brook Lane Hotel in Kenmare ist ein familiengeführtes, behagliches 4-Sterne-Hotel mit großzügigen Zimmern und Suiten. Das hoteleigene „No. 35 Restaurant“ empfiehlt der Guide Michelin. Gut gelegen auf der Durchreise von Tralee nach Waterville oder Old Head.

Junior Suite des Brook Lane Hotels. Foto: brooklanehotel.com

Old Head Golf Links verfügt über 15 luxuriöse Meerblick-Suiten, die im Untergeschoss des Clubhauses liegen. Das à la Carte Restaurant „De Courcey“ serviert erstklassiges Seafood.

Seaview Suite der Old Head Golf Links. Foto: oldhead.com

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