Semlin plant Ferienhäuser auf dem Golfplatz

Semlin plant Ferienhäuser auf dem Golfplatz
Bisher hat das Golfresort Semlin an See mit seinem Hotel 72 Doppelzimmer zu bieten. Foto: Golfresort Semlin am See

Das Golfresort Semlin will bis zu 30 Ferienhäuser zwischen Kurzplatz und 19. Spielbahn bauen. Widerstände im Umweltministerium haben das Projekt lange gebremst. Was den Durchbruch bringen könnte, erzählt Resort-Eigentümer Michael Lieberkühn im Interview.

Herr Lieberkühn, seit einigen Jahren schon planen Sie eine Erweiterung des Golfresorts Semlin um Ferienhäuser. Woher kommt die Idee?

Michael Lieberkühn: Die Idee ist inzwischen sieben Jahre alt, und sie kam mir beim Blick auf Golfplätze in Spanien, Italien und den USA. Dort sind Häuser auf Golfanlagen gang und gäbe. In Deutschland gibt es das noch gar nicht. Wir möchten mit diesem Projekt sanften Tourismus im Westhavelland ermöglichen, also Urlaub in der Natur. Mit den Ferienhäusern können wir außerdem Familien mit Kindern ansprechen. Für diese Zielgruppe ist unser Golfhotel konzeptionell nicht ausgelegt.

Noch hakt es mit der Umsetzung Ihrer Pläne. Warum?

Lieberkühn: Die Stadt Rathenow, den Kreis und die Tourismusverbände haben wir auf unserer Seite. Aber unsere Pläne sind bei der oberen Umweltbehörde in Potsdam auf Widerstände gestoßen. Es gab zuletzt ein Kompromissgespräch mit der Landesregierung, in dem uns vier, fünf Punkte aufgetragen wurden, die wir noch abarbeiten müssen für eine Genehmigung.

Michael Lieberkühn ist Investor und Eigentümer des Golfresort Semlin am See. Foto: Mike Wolff

Was sind das für Punkte?

Lieberkühn: Da geht es um die Größe, das Aussehen und die genauen Standorte der Häuser. Eine detaillierte Ausarbeitung werden wir im Frühjahr liefern, und dann gehen wir davon aus, dass der Bebauungsplan für das Projekt genehmigungsfähig ist.

Wie werden die Ferienhäuser aussehen?

Lieberkühn: Wir planen Holzhäuser mit 60 und mit 120 Quadratmetern Wohnfläche, jeweils mit zwei Schlafzimmern und zwei Bädern. Dank einer Küche sind die Gäste autark. Was die Optik angeht, könnte ich mir ein skandinavisches Ambiente vorstellen, aber ich entscheide nicht allein. Unsere Partner aus dem Tourismus, der Vermarktung und die Behörden reden in dieser Frage auch mit.

„Angedacht sind drei kleine Dörfer“

Ursprünglich hatten Sie beabsichtigt, 100 Ferienhäuser zu bauen, die Zahl dann aber reduzieren müssen.

Lieberkühn: Wir planen mittlerweile mit 25 bis 30 Häusern, die zwischen dem Kurzplatz und der 19. Spielbahn entstehen sollen. Wie gesagt: Es ist das erste Mal, dass in Deutschland Häuser direkt auf einem Golfplatz gebaut werden. Angedacht sind drei Gruppen, quasi drei kleine Dörfer, die um einen Wasserlauf herum errichtet werden. Die Zufahrt zu den Häusern ist per E-Cart vom Parkplatz aus möglich.

Das brandenburgische Umweltministerium hat Zweifel daran geäußert, dass es ausreichend Nachfrage für Ihre Ferienhäuser gibt.

Lieberkühn: Die Nachfrage ist gewaltig. Wenn wir größere Turniere haben wie etwa die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft der Senioren können wir mit unseren 72 Doppelzimmern im Hotel gar nicht alle Gäste unterbringen. Mehr Kapazität wird uns definitiv helfen, auch mehr Golfgruppen zu empfangen. Das sind meist 20 bis 40 Golferinnen und Golfer, die aus anderen Clubs im norddeutschen Raum zu uns kommen.

Bis zu 30 Ferienhäuser sollen zwischen dem Kurzplatz und der 19. Spielbahn entstehen (blau umrandete Fläche). Screenshot: Google Maps

Wie viel Geld kostet Sie dieses Projekt?

Lieberkühn: Wir rechnen mit einer Investition von circa fünf Millionen Euro.

Klingt, als wäre Ihr Golfhotel in diesem Jahr gut ausgelastet gewesen.

Lieberkühn: Das Unterbringungsverbot im Frühjahr und jetzt bedeutet für uns etwa 700.000 Euro Umsatz weniger. In der Zeit, in der das Golfhotel geöffnet war, hatten wir eine bombastische Auslastung, mit der wir zumindest einen Teil kompensieren konnten.

„Wir leisten uns einen Superkoch“

Halten Sie den Trend hin zum heimischen Tourismus für nachhaltig oder für ein Strohfeuer der Corona-Zeit?

Lieberkühn: Wir haben in diesem Jahr viele neue Gäste empfangen, die begeistert waren. Ich nehme an, dass diese Menschen wiederkommen. Und ich denke auch, dass die Corona-Pandemie das Reisen über das kommende Jahr hinaus beeinflussen wird. Es dürfte weniger Flugtourismus geben und mehr Menschen, die ihren Urlaub in Deutschland verbringen. Sonst würden wir auch nicht investieren. Immerhin planen wir neben den Ferienhäusern auch eine Erweiterung unseres Hotels um 40 Zimmer und ein Schwimmbad. Außerdem leisten wir uns ab Anfang Januar einen „Superkoch“, laut Gault&Millau den besten Sachsen-Anhalts. Christopher Franz wechselt vom Restaurant Schmokenberg in Havelberg zu uns. Dafür werden wir auch unsere Küche und unser Kaminzimmer umbauen.

Am anderen Ende von Brandenburg, in Bad Saarow, würde man sich freuen, wenn der Eigentümer des dortigen Golfresorts ähnlich optimistisch in die Zukunft blickte.

Lieberkühn: Unser Vorteil ist, dass wir nicht abhängig sind von Banken. Es hilft uns auch, dass wir im Dreieck zwischen Berlin, Hamburg und Hannover liegen. Der Hamburger ist mit dem Auto in etwas mehr als zwei Stunden bei uns. Will er nach Bad Saarow, muss er nochmal zwei Stunden fahren.

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