Gradwanderung: Die passenden Wedges

Gradwanderung: Die passenden Wedges
Gradzahlen sind das Eine, Spielgewohnheiten das Andere bei der Auswahl passender Weges. Foto: Mike Wolff

Wie viel Loft die zwei bis drei Wedges im Bag haben sollten, gibt der Eisensatz vor – und das Schlagrepertoire rund ums Grün.

Die Zeiten ändern sich, auch für Wedges. Viele Hersteller von Golfschlägern haben die Lofts ihrer Eisensätze im Laufe der vergangenen Jahre gestärkt. Aus den klassischen 47 bis 48 Grad eines Pichting-Wedges zum Beispiel sind bei vielen Marken inzwischen 44 Grad geworden. Dadurch fliegt der Ball allerdings nicht nur weiter, dadurch wird auch der Abstand größer zum traditionellen Gapwedge – dem nächstkürzeren Schläger. Denn neben dem Pichtingwedge, das in aller Regel noch Teil des Eisensatzes ist, haben die meisten Golferinnen und Golfer traditionell ein Gapwedge (52 Grad), ein Sandwedge (56 Grad) und ein Lobwedge (60 Grad) im Bag. Diese Gradzahlen gelten vielen noch immer als in Stein gemeißelt.

„Ein Abstand von vier bis sechs Grad zwischen den Wedges ist durchaus sinnvoll“, sagt dazu Denis Hohmann von Hohmann Golf in Berlin-Charlottenburg. Immer häufiger rät der Fittingexperte seinen Kunden aber zu stärkeren Lofts bei den Wedges. „Damit zum Pitchingwedge keine Lücke klafft, spricht doch nichts gegen Lofts von 50, 54 und 58 Grad“, sagt Hohmann. Manche Hersteller böten das Gapwedge mit einheitlichem Schlägerkopf und Schaft auch noch als Teil des Eisensatzes an. „Diese Option ist für viele Spieler am besten, weil sie das Gapwedge meist voll schlagen und es sich in seinen Spieleigenschaften dann wie die anderen Eisen verhält“, erklärt Hohmann. Meist sei es dank eines Cavity-Backs auch fehlerverzeihender als die Modelle der eher puristischen Wedge-Serien.

Hoher Lob oder flacher Chip

Neben den reinen Gradzahlen entscheiden aber auch die Gewohnheiten und das Schlagrepertoire im kurzen Spiel über die passenden Wedges. Wer es beherrscht und schätzt, sich aus brenzlichen Lagen mit einem hohen Lob zu befreien, der wird sich kaum von seinem 60-Grad-Wedge trennen wollen. Wer den Ball beim Chip lieber flachhält, wird sich an Wedges mit stärkeren Lofts dagegen kaum stören. „Jeder hat gerade im kurzen Spiel seine individuellen Vorlieben und Fähigkeiten, zu denen die Wedges natürlich passen sollten“, betont Hohmann. Das sei die Herausforderung bei der Auswahl.

Eine wichtige Richtgröße beim Wedgefitting ist zudem der Bounce – der Winkel zwischen der Unterkante der Schlagfläche (Leading Edge) und dem Ende der Schlägersohle (Trailing Edge). Je größer dieser Winkel ist, desto eher verzeiht das Wedge einen zur frühen Bodenkontakt vor dem Ball. „Ein hoher Bounce von beispielsweise zehn Grad erschwert, dass sich der Schlägerkopf in den Boden gräbt“, schildert Hohmann. Für Golferinnen und Golfer mit mittleren bis höheren Handicaps, die den Ball des Öfteren nicht ganz akkurat träfen, sei ein hoher Bounce sehr vorteilhaft. Schaftlänge, Flex (weich, regulär oder steif) sowie der Lie-Winkel verhalten sich bei Wedges wie bei den Eisen.

Qualitätsdichte deutlich höher

Nennenswerte Qualitätsunterschiede wie einst gibt es heute laut Hohmann kaum mehr zwischen den Wedges der großen Schlägerhersteller wie TaylorMade, Mizuno, Cleveland oder Titleist: „Die Qualitätsdichte hat deutlich zugenommen, weil alle Hersteller von ihren Vertragsspielern auf der Tour verlangen, dass sie sämtliche Schläger der Marke spielen.“ Das habe die Hersteller im Gegenzug dazu gezwungen, tourreifes Equipment zu produzieren. Fast alle Modelle gibt es heute mit verschiedenem Finish – in glänzendem Chrom, matt gebürstetem oder auch rostendem Stahl. Trotzdem hätten die Wedges von Mizuno und Titleist traditionell bei vielen seiner Kunden noch immer einen besonders guten Ruf, ist Denis Hohmanns Beobachtung.

Ob sich Wedges in der Zukunft noch groß verändern werden, ist ungewiss. Immer wieder gibt es Versuche, sie weiterzuentwickeln, indem zum Beispiel wie beim „High Toe“ von TaylorMade die Grooves die gesamte Schlagfläche abdecken. Die wesentlichen Aspekte der technischen Weiterentwicklung von Golfschlägern sind heute allerdings Ball-Flughöhe, Distanzkontrolle, Fehlerverzeihung und Komfort – und im kurzen Spiel eher unwesentlich.

Zur Person: Denis Hohmann (36) spielt seit seinem zehnten Lebensjahr Golf. Als Fitting- und Materialexperte berät er täglich Golferinnen und Golfer auf der Suche nach dem passenden Equipment. Der gebürtige Charlottenburger war Berliner Meister, hat für den Golf- und Land-Club Berlin-Wannsee in der Bundesliga gespielt und teet mittlerweile für die Jungsenioren des Golf- und Country Club Seddiner See e.V. auf.