„Der Rasen weiß nicht, was er machen soll“

„Der Rasen weiß nicht, was er machen soll“
Für Greenkeeper hat der Winter seine Schattenseiten: Der Rasen ist anfällig für Krankheiten wie den Schneeschimmel. Foto: Arne Bensiek

Ihren letzten Schnitt haben die Grüns und Fairways Ende November bekommen. Jetzt liegt der Golfrasen im Winterschlaf. Ganz anders die Greenkeeper, die endlich Zeit haben für Bäume, Teiche und – in manchen Clubs der Hauptstadtregion – für umfangreiche Umbauten.

Der Golf- und Country Club Seddiner See erneuert derzeit die Beregnungssteuerung für die gesamte Anlage mit ihren zwei 18-Loch-Plätzen. Kostenpunkt: 115.000 Euro. Mit der neuen Technik können Course Superintendent David Duke und sein Team den Nordplatz und den Südplatz zukünftig effizienter und gezielter wässern. Wie wichtig das ist, hat der zurückliegende Sommer mit seinen ausbleibenden Niederschlägen gezeigt. „Die neue Steuerung ist auch weniger empfindlich bei Blitzeinschlägen“, sagt Duke. Angriffspunkte gibt es mit rund 1800 Sprinklern schließlich zuhauf.

Das wechselnde Wetter beschäftigt auch Hermes Engler, seit 2006 schon Headgreenkeeper im Golfresort Semlin am See. Aus seiner Sicht seien die Wetterlagen in den vergangenen Jahren instabiler geworden, auch wenn manche das nicht wahrhaben wollten. Das zeige sich nicht nur in Dürresommern, sondern auch an den Temperaturschwankungen im Winter, wo sich Frost- und Tauphasen in kurzen Abständen abwechseln. „Vor lauter Wetterumschwüngen weiß die Rasenpflanze gar nicht mehr, was sie tun soll“, sagt Engler.

Auch wenn keine größeren Umbauten anstehen und sich nur wenige Golfer in der Kälte zum Spielen aufraffen, hätten die Platzarbeiter in Semlin jede Menge Arbeit. Es stehe die Pflege der zahlreichen Teiche und Biotope an; Schilf, Hecken, Sträucher und Bäume müssen geschnitten und gestutzt werden – jetzt, da keine Vögel brüten –, damit der Platz seine Konturen erhält. Englers Blick geht dabei immer wieder auch auf den Rasen. Wenn Nässe und einstellige Gradzahlen zusammenkommen, sind die kurzgemähten Gräser in Gefahr und bei Greenkeepern kehrt unweigerlich ein Winterblues ein.

Rasen bricht zwischen Blatt und Wurzel

„Es tut mir als Greenkeeper weh, dem Schneeschimmel beim Wachsen zuzusehen, aber das ist die Natur“, sagt Engler. Er und sein Team versuchten alles, um die Gräser möglichst stark und gesund durch den Winter zu bekommen, aber das Pflanzenschutzgesetz gebe ihnen inzwischen nur noch sehr begrenzte Möglichkeiten, auf Krankheiten wie Pilzbefall direkt zu reagieren. Insofern hoffe er im Winter stets auf knackige Kälte: „Bodenfrost hat den Vorteil, dass der Schneeschimmel dann nicht aktiv ist.“

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Taut der Rasen auf, aber der Boden ist noch gefroren, können Golfer die Pflanze mit ihren Fußabdrücken verletzen und anfällig machen für Krankheiten. Foto: Arne Bensiek

Schäden am Rasen können aber auch Golfer anrichten, die bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt auf dem Platz unterwegs sind. Da spielt es keine Rolle, dass der Club den Platz für den Spielbetrieb freigegeben hat und nur auf Wintergrüns spielen lässt. „An Punkten, wo sich der Verkehr bündelt, also neben den Abschlägen, auf den Grüns und rundherum wird der Rasen im Winter verletzt und dadurch anfällig für Krankheiten“, berichtet David Duke aus Seddin. Denn wenn der Rasen aufgetaut ist, der Boden aber noch gefroren, dann brechen die Grashalme um Übergang vom Blatt zur Wurzel. „Wenn es schlecht läuft, können wir die Spuren der Wintergrüns noch während der Saison eine Zeitlang sehen.“

„Der Winter ist für uns Greenkeeper kein Spaß“

Hochsensibel sind vor allem die kurzgemähten Gräser der Grüns und Abschläge. Clubs, die ihre Sommergrüns auch im Winter offenhalten, legen größeren Wert auf den Spielspaß ihrer Mitglieder oder auf Greenfee-Einnahmen durch Gäste. Dafür machen sie Abstriche, wenn es um die Makellosigkeit des Rasens zu Saisonbeginn geht. Der Golf- und Land-Club Berlin-Wannsee lässt auf seinem 9-Loch-Platz schon traditionell die Sommergrüns geöffnet. Der Club nutzt die Herbst- und Wintermonate für die Erneuerung aller 18 Grüns auf seinem Meisterschaftsplatz. Am Seddiner See ist der Südplatz komplett gesperrt, auf dem Nordplatz gibt es Wintergrüns.

„Der Winter ist für uns Greenkeeper kein Spaß“, findet David Duke. „Unsere Arbeit hat keinen so sichtbaren Einfluss wie während der Saison, in der ich mich nach dem Mähen über das Streifenmuster auf den Fairways oder den Duft von Gras freuen kann.“ Dass der Winter ihm die Möglichkeit bietet, die Dinge etwas ruhiger angehen zu lassen, sei nur ein kleiner Trost, wenn man den Rasen liebt.

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