Harald Binnewies: „Drei Erstligisten wären toll“

Harald Binnewies: „Drei Erstligisten wären toll“
Dr. Harald Binnensee ist Präsident des Golfverbands Berlin-Brandenburg. Foto: Mike Wolff

Berlin hat ein trockenes, aber sportlich erfolgreiches Golfjahr hinter sich. „Sensationell“ nennt Harald Binnewies (74), Präsident des Golfverbandes Berlin-Brandenburg, den Vizemeistertitel der Wannsee-Damen. Ein Interview über Wasser, sportliche Rivalitäten und seinen Traumflight für 2019.

Herr Binnewies: 2018 dürfte vielen Golferinnen und Golfern in Berlin und Brandenburg als extrem trockenes Jahr in Erinnerung bleiben. Mit einem Sommer, in dem manches Fairway verbrannte. Golffans werden auch gerne an Europas Ryder-Cup-Sieg zurückdenken. Wie war Ihr Golfjahr 2018?

Harald Binnewies: Sehr aktiv. Das Wetter hat es uns in diesem Jahr in der Hauptstadtregion ermöglicht, bis Ende November bei Sonnenschein und guten Bedingungen Golf zu spielen. Wir hatten fast spanische Verhältnisse. Das ist für uns nun wirklich nicht selbstverständlich.

Wie sehr haben die Golfclubs der Region unter der extremen Trockenheit im Sommer gelitten?

Binnewies: Natürlich mussten die Clubs in diesem Jahr eine ganze Menge mehr Wasser aufwenden, dazu auch mehr Strom für die Pumpen der Bewässerungsanlagen. Aber aus meiner Sicht haben es alle gut hingekriegt, die wesentlichen Stellen der Golfplätze zu pflegen: Grüns, Abschläge und – wenn möglich – die Fairways. Dass sich Golfer über die trockenen Stellen beschweren, kann ich nicht nachvollziehen. Golf ist und bleibt eine Natursportart. Sehen wir es doch positiv: Statt zu verreisen, um bei 30 Grad Golf spielen zu können, konnte man dieses Jahr auch zuhause bleiben. In Süddeutschland sind manche Golfanlagen vor lauter Starkregen fast weggeschwemmt worden.

Welche Rückschlüsse müssen die Clubs aus der extremen Witterung für sich ziehen?

Binnewies, Golf, Berlin
„Wer als Club für fast jeden etwas zu bieten hat, kann auch fast jeden gewinnen“, sagt Harald Binnewies. Foto: Mike Wolff

Binnewies: Es gibt sicher keine einfachen Antworten. Rasensorten, die weniger Wasser benötigen oder Hitze besser vertragen, säht man nicht mal so eben schnell. Ich hoffe für die Clubs, dass sie mit Hilfe der günstigen Witterung im Herbst mehr Greenfee einnehmen und die Mehrkosten ausgleichen konnten.

Die Golfclubs und der Deutsche Golf Verband (DGV) mühen sich, Golf populärer zu machen, um mehr Menschen für den Sport zu gewinnen – noch mit überschaubarem Erfolg. Wie steht Berlin-Brandenburg im bundesweiten Vergleich bei der Entwicklung von Mitgliedern da?

Binnewies: Mit zwei bis drei Prozent Wachstum bei der Mitgliederzahl liegen wir im bundesweiten Vergleich sehr weit oben. Offiziell gibt es in Berlin und Brandenburg heute rund 24.000 Golferinnen und Golfer. Wobei man dazusagen muss, dass der DGV nur diejenigen erfassen kann, die Mitglied in einem deutschen Golfclub sind. Hinzu kommt sicher noch eine beträchtliche Anzahl an Golfern, die nur ab und zu spielen und keine Mitgliedschaft wollen. Diese Zahl dürfte angesichts des heutigen Freizeitverhaltens zukünftig noch steigen.

Welchen Clubs gelingt es besonders gut, Menschen für Golf zu gewinnen?

Binnewies: Nach meiner Beobachtung klappt das dort, wo es eine Vielzahl an Mitgliedschaftsformen gibt. Ein Werbespot vor der Tagesschau bringt die Menschen nicht auf die Golfanlagen. Dafür braucht es eine niedrige Hemmschwelle. Wer als Club für fast jeden etwas zu bieten hat, kann auch fast jeden gewinnen. Der Berliner Golfclub Stolper Heide, das Berliner Golf Resort Pankow, der Märkische Golfclub Potsdam und Golf in Wall sind dafür gewiss gute Beispiele.

„Stoßen auf taube Ohren“

Welche Strahlkraft entfaltet Berlin-Brandenburg als Golfregion bundesweit?

Binnewies: Fakt ist, dass wir in der Hauptstadtregion überdurchschnittlich gute Golfplätze haben. Einige davon gehören sogar zu den Besten in Deutschland, und alle sind in rund 45 Autominuten von Berlin Mitte aus zu erreichen. Beim Tourismusmarketing sind wir aber in der Vergangenheit mit unserem Wunsch, die Golfregion noch sichtbarer zu machen, auf taube Ohren gestoßen. Es heißt dann: Dafür können wir nicht auch noch werben.

Für Aufsehen hat 2018 das Damen-Team von Golf- und Land-Club Berlin-Wannsee gesorgt, indem sie durchaus unerwartet Deutscher Vizemeister geworden sind. Wie stehen die Berliner Clubs sportlich da?

Binnewies: Der Vizemeistertitel der Wannsee-Damen ist sensationell. Kaum zu glauben, dass die 16-jährige Linda Rademacher Tourspielerin Karolin Lampert aus St. Leon-Rot im Halbfinale ein Unentschieden abgetrotzt hat. Eine so gute Saison, das hat mir Trainer Mario Hansch gesagt, hätte er selbst nicht erwartet. Bei den Wannsee-Männern finde ich bemerkenswert, dass sie die Klasse halten, ohne für die Suche nach Spielern durch die Lande zu ziehen.

„Habe nichts gegen sportliche Rivalität“

Auch der Berliner Golf Club Gatow hat sein Saisonziel erreicht und ist mit den Damen weiterhin erstklassig. Wie gefällt Ihnen, dass der Berliner Golfclub Stolper Heide den beiden Berliner Traditionsclubs ordentlich Konkurrenz macht im Werben um Talente?

Binnewies: Gegen diese sportliche Rivalität habe ich nichts. Wettbewerb macht die Teams nur besser. Sollten die Herren aus Stolpe mit ihren Nationalspielern den Aufstieg in die Erste Bundesliga schaffen, wäre das eine tolle Sache: drei Erstligaclubs aus der Hauptstadtregion!

Haben Sie während der Mannschafts-Europameisterschaft im Sommer in Bad Saarow nicht zwangsläufig kurz an die vergebliche Ryder-Cup-Bewerbung denken müssen?

Binnewies: Ich bin überzeugt davon, dass Bad Saarow und letztlich unsere gesamte Region ein sehr würdiger Gastgeber für den Ryder Cup 2022 gewesen wäre. Die Team-EM war natürlich ein tolles Event mit den Stars von morgen. Aber wenn man zum Ryder Cup nach Paris geschaut und die wahnsinnige Zuschauerresonanz gesehen hat, dann hat das natürlich einen ganz besonderen Reiz.

Mit wem würde es Sie reizen, 2019 eine gemeinsame Runde Golf zu spielen?

Binnewies: Mit Ian Poulter, für mich der Urtyp des britischen Golfers und ein Phänomen, weil er immer pünktlich zum Ryder Cup wieder aus der Versenkung hervorkommt. Dazu noch Falko Hanisch aus Stolper Heide, ein sympathischer junger Mann, für sein Alter sehr reif und ein wahnsinnig guter Golfer. Komplettieren würde ich den Flight mit Bernhard Langer. Er ist der Golfer meines Lebens, ein wahre Legende.