Berliner Hickorygolfer: Erlebnis schlägt Ergebnis

Berliner Hickorygolfer: Erlebnis schlägt Ergebnis
Klaus Sasse aus dem Golfclub Kallin ist Vice Captain der German Hickory Golf Society. Foto: Mike Wolff

Golf wie vor 100 Jahren, das fasziniert eine kleine Szene von Berliner Hickory-Enthusiasten. Im kommenden Jahr veranstalten sie die German Open Hickory Championship im Golfclub Kallin. Einer der Favoriten wird dann Golflehrer Rolf Kinkel vom Berliner Golfclub Stolper Heide sein.

Dass diese beiden Männer eine besondere Form von Golf spielen, ist schon von weitem zu erkennen: Olaf Dudzus und Klaus Sasse tragen Knickerbockerhosen, karierte Kniestrümpfe, Hemd, Krawatte, Weste und Schiebermütze. Sasses Golfbag ist aus echtem Leder, klassisch braun, und sein Trolley, eine dunkelgrüne Stahlkonstruktion mit Rädern aus silbernen Speichen und dünnen weißen Reifen, ist nicht weniger ein Hingucker. Für Hickorygolfer wie Sasse und Dudzus gehört das Outfit genauso dazu wie die Nussbaumschäfte ihrer Schlägersätze. Rund ein Dutzend Golfer gibt es in Berlin-Brandenburg, die Golf so spielen wie einst, als es noch keine Karbonschäfte und Titanschlägerköpfe gab.

Olaf Dudzus aus dem Golf- und Land-Club Berlin-Wannsee ist Honorary Secretary der German Hickory Golf Society. Foto: Mike Wolff

„Das Wichtigste beim Spielen mit Hickoryschlägern ist ein ruhiger, nicht zu kräftiger Schwung“, erklärt Olaf Dudzus, Steuerberater aus Potsdam und Vorstandsmitglied der German Hickory Golf Society. „Im Durchschnitt sind die Schäfte aus Hickoryholz weicher als die Stahl- und Karbonschäfte, die Golfschläger heute haben.“ Wer voll draufhaut, schlage den Ball unmöglich gerade oder – im schlimmsten Fall – schlage er den Schaft zu Bruch. Das Ruhige, das Entspannte und Entschleunigte ist ohnehin das Leitmotiv der Hickorygolfer. „Wir ärgern uns nicht über schlechte Schläge, wir freuen uns über die Guten“, betont Dudzus.

Die meisten haben nur sechs Schläger im Bag

Wo der Golfer von heute gerne das zulässige Maximum von 14 Schlägern mit auf die Runde nimmt, setzt der Hickoryfreund meist gerade mal auf sechs: Play Club (Driver), Spoon (Holz 3), Mid Iron (Eisen 2), Mashie (Eisen 5), Niblick (Eisen 9) und Putter. Neben dem Holz der Schäfte, das vom Hickorynussbaum stammt, sind auch die Schlägerköpfe aus Stahl eine Besonderheit. Darauf steht nicht nur der Name des Schlägers, sondern auch der des Schlägerbauers und manchmal sogar, wo dieser ihn gebaut hat. In manchen Fällen ist zudem eingraviert, für wen der Schläger bestimmt war, und war es eine Lady, kam ein entsprechendes L dazu.

Jeder Schläger ein Unikat: Auf Eisen, Hölzern und Puttern steht, wer sie wo für wen gebaut hat. Foto: Mike Wolff

Die Schläger sind Unikate, Modellreihen wie im heutigen Schlägerbau gab es nicht. Es dauerte bis in die 1920er Jahre, bis die einzelnen Schläger eines Satzes erstmals bewusster aufeinander abgestimmt und dann auch als Satz verkauft wurden – heute eine Selbstverständlichkeit. „Hickory-Schläger kriegt man nicht einfach so im Laden“, sagt Klaus Sasse, der ebenfalls zum Vorstand des Verbandes gehört. „Man muss sich darum bemühen.“ Ohne eine Recherche ginge es nicht. „Das Tolle ist aber, dass sich die Sammler von Hickoryschlägern beim Kauf und Verkauf nicht gegenseitig übers Ohr hauen“, sagt Sasse.

Europas Hickory-Community rückt zusammen

In der Hauptstadtregion sei die Gruppe der Hickoryjünger zwar überschaubar, aber sie hat sich in jüngster Vergangenheit stärker vernetzt. „Die europäische Hickory-Community ist näher zusammengerückt“, ist Sasses Beobachtung. Im niederländischen Bleijenbeek gibt es inzwischen genauso ein Hickory-Museum wie im Ypsilon Golfresort im tschechischen Liberec. Die Niederländern führten in ihrem Museum den Beweis, dass sie die Erfinder von Golf sind – und nicht die Schotten. „Das haben die Schotten inzwischen eingesehen und man kann sagen: Die Niederländer haben Golf erfunden und die Schotten Golf zu dem gemacht, was es heute ist“, sagt Olaf Dudzus. Klaus Sasse schwärmt von der tschechischen Ausstellung, die didaktisch hervorragend gemacht sei.

Ein Blickfang: Für Klaus Sasse (links) und Olaf Dudzus (rechts) gehört zum Hickorygolf auch das richtige Outfit. Foto: Mike Wolff

Als im August im thüringischen Gera die 11. German Open Hickory Championship ausgespielt wurde, waren 57 Spieler und Spielerinnen aus insgesamt zehn Nationen am Start. Den engsten Kontakt pflegen die Deutschen inzwischen zu Polen, Tschechen und Niederländern. Und diese dürften auch in den Golfclub Kallin kommen, wenn vom 14. Bis 16. August zum ersten Mal überhaupt die German Open Hickory Championship in der Hauptstadtregion stattfindet. Neben dem besten Amateur wird auch der beste Berufsspieler ausgezeichnet, wie die Hickoryfreunde ihre Pros nennen. Golflehrer Rolf Kinkel aus dem Berliner Golfclub Stolper Heide wird in dieser Wertung antreten und versuchen, ähnlich gut wie in diesem Jahr abzuschneiden. Da wurde er Zweiter. „Vielleicht schaffe ich es, vorher ein paar Proberunden in Kallin zu spielen und mir einen Heimvorteil zu erarbeiten“, sagt Kinkel, der inzwischen nur noch mit Hickoryschlägern auf den Platz geht.

Ein neuer Zugang zu Golf: Golflehrer Rolf Kinkel vom Berliner Golfclub Stolper Heide wurde in diesem Jahr bei der German Open Hickory Championship Zweiter bei den Pros. Foto: Martin Kabat

„Für mich war Hickorygolf ein neuer Zugang zu Golf, weil ich durch meinen Beruf als Golflehrer irgendwann die Lust am Spielen verloren habe“, erzählt der 49-Jährige. Beim Hickorygolf gehe es ihm nun mehr ums Erlebnis als ums Ergebnis. Zwei Turniere spiele er pro Jahr. Als Pro und Materialexperte kann er einschätzen, wie groß die Unterschiede zwischen Hickoryschlägern und dem Hightechmaterial von heute sind. „Etwa 15 Prozent weniger Länge erreicht man mit den Hickoryschlägern“, schätzt Kinkel. Bei den Spitzenspielern sei der Unterschied allerdings größer, da sie ihre enorme Schlägerkopfgeschwindigkeit nicht annähernd einsetzen können, ohne das Material zu zerbrechen.

Aber auch ihm sei es schon passiert, berichtet Kinkel, dass einer der Holzschäfte gebrochen ist. Winterzeit wie jetzt sei ideal, um sein Material zu pflegen und zu erneuern, etwa das Kalbsleder der Griffe zu ersetzen. Oder um Ausschau nach „neuen“ Schlägern zu halten – wenn man das bei Hickoryschlägern überhaupt sagen kann. Manche eifrigen Sammler haben ganze Keller oder Garagen voll.

Wer sich für Hickorygolf interessiert, kann sich an die German Hickory Golf Society wenden.

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