Golfmarken: Mut zur Voreingenommenheit

Golfmarken: Mut zur Voreingenommenheit
Welche Marke passt zu mir? Den meisten Golfern geht es weniger um die nackten Zahlen als um das Image. Collage: TSP GOLF

Mit TaylorMade, Callaway und PING verhält es sich nicht anders als mit Mercedes, BMW und Audi: Sympathie und Image einer Marke geben oft den Ausschlag beim Kauf. „Die Spezies Golfer ziert sich komischerweise das zuzugeben“, sagt Fitting-Experte Denis Hohmann.

Tagtäglich berät der Materialfachmann von Hohmann Golf in Berlin-Charlottenburg Golferinnen und Golfer, die nach dem richtigen Equipment suchen. „Beim Fitting heißt es von den Kunden meist, alle Marken kämen in Frage, das Schlagergebnis solle entscheiden, die nackten Zahlen sollen den Ausschlag geben“, berichtet Hohmann. Tatsächlich sei dann aber oft etwas Anderes zu beobachten.

Die Entscheidung für Marke X oder Y ist im Herzen, im Kopf oder im Bauch des Kunden offenbar schon gefallen, bevor die vier oder fünf Eisenmodelle sich beim Fittingtermin überhaupt beweisen dürfen. „Manchen Golfern merkt man an, dass sie sich genieren, wenn sie plötzlich nicht erklären können, warum es nun TaylorMade statt Callaway sein soll, obwohl die zweite Wahl den Zahlen nach eigentlich besser passte“, sagt Hohmann. Dann brauche es Scheinargumente. Ein unterhaltsames Schauspiel biete sich mitunter.

Genau wie bei Automarken umgibt auch die Hersteller von Golfequipment ein ganz individueller Ruf, eine besondere Historie oder gar ein Mythos. „Ich finde es vollkommen legitim, eine offene Affinität zu einer Marke zu haben“, betont Hohmann. „Beim Fitting verlange ich von niemandem unvoreingenommen zu sein.“ Denn technische Alleinstellungsmerkmale gebe es kaum noch. Spieler jeder Stärke fänden heute bei jedem der vier, fünf großen Schlägerhersteller objektiv das für sie passende Material. Wenn man aber mit (fast) jedem Schläger von A nach B kommt, bleibt allein Frage: Wie?

Denis Hohmann, Schlägerfitting, Golf, Berlin
Fitting-Experte Denis Hohmann von Hohmann Golf in Berlin-Charlottenburg. Foto: Mike Wolff

„TaylorMade ist wie ein sportlicher BMW, Callaway ein eleganter Mercedes und PING würde ich mit Audi vergleichen“, erzählt Denis Hohmann. Titleist sei ein Porsche und Mizuno sei mal ein Ferrari gewesen, mache es einem heute aber bei der Einordnung nicht mehr so leicht. „Die Leute sollen ehrlich sein“, wünscht sich der Berliner. „Sie wissen doch, ob sie einen Audi kaufen wollen oder einen Porsche.“ Das „Fitting“ beim Autokauf ist indes leichter, das weiß auch Hohmann. Der Kunde steuert gleich das Autohaus der Marke seiner Wahl an. Im Golffachgeschäft dagegen ist er mit der ganzen Markenpalette konfrontiert.

Platzhirsch Nummer eins, TaylorMade, hat laut Hohmann vor allem den dynamischen Kunden im Blick, der stets auch einen Sinn hat für Trends. Beim Kalifornischen Unternehmen – lange im Besitz des deutschen Sportartikelherstellers Adidas – habe man sich schon immer darauf verlassen können, dass die Produktzyklen kurz sind und regelmäßig etwas Neues auf den Markt kommt. Bei TaylorMade ist die Tourelite zuhause: Justin Rose, Dustin Johnson, Jon Rahm, Jason Day, Tiger Woods. Können die irren?

Der große Rivale Callaway – ebenfalls in Kalifornien beheimatet – bestückt Phil Mickelson, Henrik Stenson und Sergio Garcia. „Die Marke ist etwas konservativer, legt mehr Wert auf Eleganz“, findet Denis Hohmann. In der Vergangenheit habe es auch schon mal drei Jahre gedauert, bis die Marke ein gut laufendes Schlägermodell überarbeitet habe. Inzwischen aber zwinge der Wettbewerb auch Callaway zu immer kürzeren Produktzyklen.

Verlässlich oder spießig?

PING gilt je nach Standpunkt als absolut verlässliche Marke, wahlweise als ziemlich spießig. „Das Unternehmen ist sich immer treu geblieben, was man allein am Logo sieht, das sich nie geändert hat“, sagt Hohmann. Gerade bei der Fertigung von Eisen sei der Hersteller aus Phoenix/Arizona aber immer sehr innovativ gewesen. Bubba Watson, Tony Finau und Louis Oosthuizen spielen PING. „Für Verlässlichkeit steht PING nicht zuletzt, weil das Eisen, das ich heute kaufe, auch in acht Jahren noch zu bekommen ist“, erklärt Hohmann. Denn der Hersteller lagere seine Modelle ein. Ein Segen für den Fall, dass nach ein paar Jahren der Schaft eines Eisens bricht, und man nicht gleich einen ganzen neuen Satz kaufen möchte.

Die wertvollste Marke, den klanghaftesten Namen indes hat laut Fitting-Experte Hohmann der Hersteller Titleist, der vor allem für seinen Ball ProV1 bekannt ist. „Das Unternehmen hat es wie kein zweites verstanden, mit geschicktem Marketing ein beeindruckendes Image aufzubauen“, sagt Hohmann. Der ehemalige Weltranglistenerste Adam Scott ist heute das Gesicht der Marke – groß, athletisch, smart. „Titleist ist sicher der Hersteller, der am stärksten von seiner Marke lebt“, ist Hohmann überzeugt. „Die Leute sind total heiß auf den Schriftzug, ohne dass ihnen Titleist etwas maßgeblich Besseres bieten würde als die Wettbewerber.“

Viele Marken sind verschwunden

Viele große Marken von einst sind derweil in der Bedeutungslosigkeit verschwunden – wenn nicht ganz: Spalding, Slazenger, Yonnex, Ram, Hippo, Ben Hogan, MacGregor und zuletzt Nike. „Vielleicht haben die Golfer bei Nike zu sehr an Turnschuhe gedacht, und Golfschläger wollten nicht so recht ins Bild passen“, vermutet Hohmann. Wilson – früher die Wahl von Bernhard Langer und Colin Montgomerie – gehört längst nicht mehr zu den großen Namen.

Und dann sind da noch eine Reihe von deutschen Herstellern, die meist mit Nischenprodukten versuchen, den Golfkonzernen Marktanteile abzuluchsen: Caledonia, KRAMSKI, B.i.G., Edelmetall oder Vice Golf. „Bei Golfequipment ist Made in Germany aus meiner Sicht aber kein Verkaufsargument“, beobachtet Denis Hohmann. Am besten aufgestellt sehe er noch den Münchner Ballhersteller Vice Golf, der in den vergangenen Jahren eine starke Marke aufgebaut habe, die noch großes Potenzial habe. „Vice hat verstanden, womit man auf diesem dichten Markt noch Geld verdienen kann: mit kleinen Produkten wie Caps, Handtüchern und Bällen.“ Interessant könnte es werden, wenn sich das Unternehmen irgendwann im Schlägerbau versuche.

Zur Person: Denis Hohmann (36) spielt seit seinem zehnten Lebensjahr Golf. Als Fitting- und Materialexperte berät er bei Hohmann Golf täglich Golferinnen und Golfer auf der Suche nach dem passenden Equipment. Der gebürtige Charlottenburger war Berliner Meister, hat für den Golf- und Land-Club Berlin-Wannsee in der Bundesliga gespielt und teet mittlerweile für die Jungsenioren des Golf- und Country Club Seddiner See e.V. auf.