Faldo: „Bad Saarow gehört zu meinen Top 5“

Faldo: „Bad Saarow gehört zu meinen Top 5“
Sir Nick Faldo (62) hat in seiner Karriere sechs Majortitel gewonnen und gehört zu Europas erfolgreichsten Ryder-Cup-Spielern. Foto: Mike Wolff

Hoher Besuch am Scharmützelsee: Englands sechsfacher Majorsieger Sir Nick Faldo kam am Mittwoch, um Danke zu sagen für zehn Jahre Faldo Series in Bad Saarow. Im Interview blickt er zurück auf die Ryder-Cup-Bewerbung und wundert sich über die deutschen Nachwuchssorgen.

Sir Nick, seit zehn Jahren macht Ihre globale Faldo Series für jugendliche Golfer Station im Golf Club Bad Saarow, zuletzt im August. Was können Sie über den deutschen Nachwuchs sagen?

Sir Nick Faldo: Was das Spielniveau auf unserer Faldo Serie betrifft, beobachten wir von Jahr zu Jahr eine kontinuierliche Steigerung. Die Handicaps der Teilnehmer sind heute deutlich besser als in den Anfängen. Viele Golferinnen und Golfer sehen wir jedes Jahr wieder; unser Turnier hat einen festen Platz in ihrem Turnierkalender, weil es einen großen sportlichen Test über drei Runden auf einem sehr anspruchsvollen Platz bietet – und ein einzigartiges Erlebnis.

Können Sie erklären, warum es Deutschland im Vergleich mit anderen Nationen seit vielen Jahren an Tourspielern mangelt?

Faldo: Das ist in der Tat auch für mich erstaunlich. Für eine Golfkarriere braucht man einen starken Willen und viel Disziplin. Beides wird den Deutschen eigentlich nachgesagt. Aber auf junge Menschen warten heute gewaltige Ablenkungen, das Smartphone ist sicher die größte. Ohne Fleiß geht es aber nicht. Im Golf gibt es keine Abkürzungen.

Bei seinem Geburtstagsbesuch in Bad Saarow nahm sich Sir Nick Faldo viel Zeit, um Nachwuchsgolfern wie Wannsees Emily Krause Schwungtipps zu geben. Foto: Mike Wolff

Nehmen Sie die Landessieger der Faldo Series unter Ihre Fittiche und beraten sie bei ihrer Karriereplanung?

Faldo: Wir sind keine Agentur, die Spieler managt. Aber natürlich helfen wir gerne, wo wir können. Sei es, dass wir Spielern Startplätze bei großen Turnieren vermitteln oder ihnen Ratschläge in ihrem Golfspiel geben. Mein Trainer Keith Wood und ich haben immer ein offenes Ohr für unsere Spieler.

Welche Sieger der Faldo Series sind später groß rausgekommen?

Faldo: Da gibt es einige. Rory McIlroy, Matt Wallace, Oliver Fisher, Ben Evans, Tom Lewis und Danny Willet sind sicher die Bekanntesten. Einen deutschen Sieger gab es bisher allerdings nicht.

„Schande, dass Deutschland nicht den Ryder Cup bekommen hat“

Sie haben sich für Bad Saarow als Austragungsort des Ryder Cups 2022 stark gemacht, sind mit der Bewerbung aber Italien unterlegen. Haben Sie von der European Tour die Gründe dafür erfahren?

Faldo: Nein, bis heute nicht. Es ist eine Schande, dass Deutschland nicht den Zuschlag bekommen hat. Wir hatten mit Bad Saarow eine wahnsinnig stimmige Bewerbung. Dazu gehört auch, dass Deutschland seit mehr als 30 Jahren treuer Unterstützer der European Tour ist und hat es endlich verdient, den Ryder Cup auszurichten.

Sir Nick Faldo auf seinem Platz – dem Faldo Course Berlin. Foto: Mike Wolff

Für den Ryder Cup sollte Ihr Faldo Course umfangreich umgebaut werden, um dem Platz nach hinten raus noch mehr Dramatik zu verpassen und Raum zu schaffen für Zuschauer und Hospitality-Aufbauten. Ist das vom Tisch oder sähen Sie diese Pläne gerne verwirklicht?

Faldo: Das wären sehr kostspielige Veränderungen gewesen, die nur Sinn gehabt hätten im Zusammenhang mit einem großen Turnier.

„Ich habe eine große Schwäche für Bad Saarow“

Olympische Spiele in Berlin?

Faldo: Das wäre natürlich noch einmal eine Nummer größer als der Ryder Cup. Aber der Faldo Course in Bad Saarow wäre dafür ein würdiger Ort.

Spontanes Kennenlernen zweier Sportsmänner: Der gebürtige Bad Saarower und ehemalige Schwergewichtsboxer Axel Schulz und Sir Nick Faldo liefen sich auf der Driving-Range über den Weg. Foto: Mike Wolff

Sie haben inzwischen weltweit 26 Golfplätze entworfen. Wo rangiert Bad Saarow im Vergleich zu anderen Designs?

Faldo: Ich habe eine große Schwäche für Bad Saarow, weil es mein erstes Design in Europa war und stark vom Old Course in St Andrews und Muirfield beeinflusst ist. Der Platz ist definitiv unter meinen Top fünf.

Welcher Platz gefällt Ihnen besser: der Old Course in St Andrews oder die unweit davon gelegenen Kingsbarns Links?

Faldo: Eindeutig der Old Course. Kingsbarns ist ein sehr  guter zeitgenössischer Linksplatz, aber er ist von Menschen gemacht – anders als der Old Course mit all seinen Tücken. Auf jeder Runde entdecke ich dort neue Facetten und Herausforderungen. Es fasziniert mich, dass das Wetter und der Wind den Old Course von einem recht simplen Platz in ein Monster verwandeln können.

Welchen Golfplatz dieser Welt hätten Sie gerne entworfen?

Faldo: Den Riviera Country Club in Kalifornien.

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