Binnewies: „Golfplätze sind Naturschutzreservate“

Binnewies: „Golfplätze sind Naturschutzreservate“
Harald Binnewies ist Präsident des Golfverbandes Berlin-Brandenburg. Foto: Mike Wolff

Extreme Trockenheit, viele sportliche Erfolge und erstmals ein Golffoto auf dem Cover des Tagesspiegels. Harald Binnewies, Präsident des Golfverbandes Berlin-Brandenburg sagt im Interview über das Golfjahr 2019, der große Beitrag von Golfanlagen zur Artenvielfalt werde noch immer verkannt.

Herr Binnewies, was wird Ihnen aus Berliner Sicht vom Golfjahr 2019 in Erinnerung bleiben?

Harald Binnewies: Ein heißer, trockener Sommer, unter dem einige Golfplätze durchaus gelitten haben. Sogar mehr noch als im Jahr 2018, würde ich sagen. Die Greenkeeper haben zwar ihr Bestes gegeben; aber wenn manche Golfanlagen inzwischen fast ausschließlich auf Oberflächenwasser angewiesen sind, also auf Regen, dann ist das durchaus geschäftsschädigend.

Ist Wassermangel die größte Zukunftsangst der Golfclubs?

Binnewies: In Berlin und Brandenburg waren die letzten Sommer durch das Kontinentalklima viel zu trocken. Wenn die klimatischen Veränderungen sich so fortsetzen und Wasser auf Golfanlagen nicht mehr aus Brunnen kommen darf oder aus Gewässern, weil der Grundwasserspiegel sinkt, dann ist das ein Problem. Aber selbst wo es Genehmigungen gibt, Wasser aus Brunnen zu pumpen, steigen mit der Trockenheit und Hitze die Kosten für größere Wasser- und Strommengen. Positiv könnte man sagen: Die Golferinnen und Golfer können auf unseren Anlagen mittlerweile Jahr für Jahr bis in den November hinein aus Sommergrüns spielen. Das war früher undenkbar. Da war Ende September Feierabend.

Die Damen-Mannschaft des Golf- und Land-Clubs Berlin-Wannsee schaffte es 2019 erneut ins Final Four der Deutschen Golf Liga. Foto: Arne Bensiek

Über welche sportlichen Erfolge haben Sie sich in diesem Jahr besonders gefreut?

Binnewies: Die Wannsee-Damen haben es wieder ins Final Four geschafft und die Damen des Berliner Golfclub Stolper Heide sind in die Zweite Liga aufgestiegen. Es ist schön, dass sich die gute sportliche Entwicklung der letzten Jahren in Berlin-Brandenburg sich kontinuierlich fortsetzt. Man kann nicht erwarten, dass jedes Jahr einer Deutschen Meister wird. Aber unsere Spielerinnen und Spieler sind auf den Leaderboards meist oben mit dabei: Julia Neumann aus Wannsee ist Deutsche Vizemeisterin der Damen geworden, Carl Siemens aus Stolper Deutscher Vizemeister der AK16. Und dann ist da noch Paul Archbold vom Golf- und Country Club Seddiner See, der die PGA Teachers Championship nicht nur bei den Senioren, sondern auch in der offenen Klasse gewonnen hat. Ein toller Erfolg.

„Stolpes Problem war Falkenstein“

Sind Sie überrascht, dass die Herren aus Stolpe mit ihren diversen National- und Ausnahmespielern den Aufstieg in die Erste Liga erneut verpasst haben?

Binnewies: Nein, der Aufstieg aus der Zweiten in die Erste Deutsche Golf Liga ist komplizierter als es scheint. Es reicht nicht, seine Zweitligagruppe zu gewinnen. Danach wartet noch ein Aufsstiegsspiel gegen einen anderen Gruppenersten. In diesem Jahr hatte Stolpe das Problem, an den ersten beiden Spieltagen noch auf seine besten Collegespieler verzichten zu müssen und keinen geringeren Gruppengegner zu haben als den Hamburger Golf Club Falkenstein. Der Traditionsclub wollte seinen überraschenden Abstieg von 2018 mit aller Macht vergessen machen und wird im nächsten Jahr vielleicht schon wieder um den Deutschen Meistertitel mitspielen.

Ein Golf-Weltrekord aus Berlin-Brandenburg: Karsten Maas aus Golf in Wall mit seinem 11,40 Meter langen Driver. Foto: Privat

Dann gab es noch den Weltrekord von Karsten Maas aus Golf in Wall, der mit dem längsten Driver der Welt 83 Meter weit geschlagen hat, und Dieter Hadynski aus Pankow, der drauf und dran ist, dieses Jahr mit 230 gespielten Turniere zu beenden.

Binnewies: Golf macht die Menschen im positiven Sinne verrückt. Wer einmal infiziert ist, der kann nicht mehr anders.

Stolpes Trainer Gregor Tilch ist neuer Co-Nationaltrainer, aber dem Golfverband Berlin-Brandenburg (GVBB) als Landestrainer abhandengekommen, auch die Jüngstentrainerin Hanna Baum, eine ausgewiesene Expertin für den Nachwuchs. Zwei schmerzhafte Verluste?

Binnewies: Gregor Tilch hat viele andere Verpflichtungen, ist regelmäßig in den USA, da wurde es immer schwieriger Termine zu koordinieren. Nun werden wir einen Trainingsplan aufstellen mit Terminen, bei denen entweder die Nationaltrainer oder andere Experten etwa fürs Putten oder das kurze Spiel mit unseren Kaderathleten trainieren werden. Das ist ein neues Konzept, da wir uns als GVBB anders als die großen Landesverbände in Bayern oder Nordrhein-Westfalen keinen hauptamtlichen Landestrainer leisten können.

„Politik muss ein realistisches Bild von Golf haben“

Die Arbeit von Hanna Baum als Jüngstentrainerin startete aber vielversprechend.

Binnewies: Das Problem aus Sicht der Golflehrer ist, dass die Arbeit für den Verband mit einer gewissen Bürokratie verbunden ist. Wir müssen das strukturelle Konzept des Deutschen Golf Verbandes umsetzen, und dazu gehören Berichte und Leistungsdiagnostik. Damit tun sich die Trainer vieler Landesverbände schwer, die eher „am Mann“ arbeiten wollen und das auch sehr gut können. Das sorgt für Konflikte und Frust.

Wann gab es das schon mal? Am 5. Mai zierte die Titelseite des Tagesspiegel ein Golffoto. Foto: Der Tagesspiegel

Der Tagesspiegel hatte im Mai ein Golf-Titelbild: Klaus Wowereit und Wolfgang Kubicki haben uns im Berliner Golf- & Country Club Motzener See mit auf eine sehr unterhaltsame Runde genommen. Wie wichtig ist das Thema Golf und Politik jetzt noch, wo eine deutsche Ryder-Cup-Bewerbung vom Tisch ist?

Binnewies: Das bleibt für uns wichtig. Denn gegen Vorurteile hilft nur ein funktionierender Austausch von Informationen. Für uns ist es wichtig, dass die Politik ein realistisches Bild von Golf hat und nicht fälschlicherweise annimmt, auf Golfplätzen würden tonnenweise Pestizide ausgebracht. Manche vergessen auch gerne, dass Golfanlagen – anders als Turnhallen – nicht mit Steuergeldern von der Kommune getragen werden, sondern von den Clubs und ihren Mitgliedern allein.

Halten Sie auch den Beitrag der Golfanlagen zur Biodiversität für verkannt?

Binnewies: Definitiv. Dabei gehören Golfplätze heute zu unseren größten Naturschutzreservaten, die CO2speichern, Sauerstoff spenden und vielen Tieren und Pflanzen einen Lebensraum bieten. Die Landesregierung von Baden-Württemberg hat das erkannt und fördert seit diesem Jahr das Pilotprojekt Lebensraum Golfplatz in Zusammenarbeit mit den Golfanlagen, dem Landesgolfverband und dem DGV. Wir anderen Landesverbände sollten da in Zukunft nachziehen.

„Mediale Präsenz enorm zurückgegangen“

Was erhoffen Sie sich vom Golfjahr 2020?

Binnewies: Dass das Wachstum auf unseren Golfanlagen wieder stärker wird – beim Rasen und den Mitgliedern. Dafür brauchen alle Golfanlagen ein klares Konzept und eine klare Zielgruppe vor Augen. Und dann sollten sie für dieses Konzept möglichst öffentlich sichtbar werben. Die Präsenz von Golf im Fernsehen und in den anderen Medien ist leider enorm zurückgegangen, seitdem Martin Kaymer den Ball nicht mehr so gut trifft. Die Entwicklungschancen von Golf hängen wie bei jedem anderen Sport aber vor allem an medialer Präsenz.

Der Golf- und Land-Club Berlin-Wannsee feiert im kommenden Jahr sein 125-jähriges Bestehen. Um den Traditionsclub machen Sie sich sicher keine Sorgen?

Binnewies: Nein. Wannsee hat eine große gesellschaftliche Bedeutung und hat dadurch im Laufe seiner Geschichte immer wieder Politiker mit Golf in Kontakt gebracht. Der Club leistet eine herausragende Jugendarbeit und ist damit weit über die Region hinaus ein Vorbild. Auch der GVBB feiert im August Jubiläum, 30 Jahre, ebenfalls in Wannsee.

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