„Neue Golfregeln haben nichts beschleunigt“

„Neue Golfregeln haben nichts beschleunigt“
So wird's gemacht: Droppen aus Kniehöhe statt wie bisher aus Schulterhöhe. Foto: Elke Jung-Wolff

Seit Jahresbeginn gelten die neuen Golfregeln, die das Spiel vereinfachen und vor allem beschleunigen sollten. Nach der ersten Saison mit neuem Reglement zieht der Berliner Platzrichter Ronald Bodenstein im Interview jedoch ein ernüchterndes Fazit.

Herr Bodenstein, von den neuen Golfregeln haben sich nicht nur die Regelhüter in St Andrews und den USA, sondern Golfer rund um den Globus eine Beschleunigung des Spiels versprochen. Ist das aus Ihrer Sicht als Platzrichter gelungen?

Ronald Bodenstein: Nein, leider haben die neuen Regeln das Spiel nicht schneller gemacht. Das lässt sich anhand der durchschnittlichen Rundenzeiten in dieser Saison eindeutig belegen. Die zwei Regeländerungen, die den größten Effekt haben sollten, sind das auf drei Minuten verkürzte Suchen nach dem Ball und das erlaubte Steckenlassen der Fahne im Loch beim Putten. Fakt ist: Schon früher wurde ein vermisster Ball im Schnitt weniger als fünf Minuten gesucht, und die Fahnenregel hat eher zu einem Rein und Raus geführt, das in manchen Fällen sogar mehr Zeit in Anspruch nicht. Abgesehen von den Schäden, die das verursacht.

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Ronald Bodenstein ist Wettspielleiter, Course-Rater und Vize-Präsident des Golfverbands Berlin-Brandenburg. Foto: Privat

Welche Schäden meinen Sie?

Bodenstein: Wenn die Fahne steckt und der Ball ins Loch geputtet wurde, versuchen inzwischen einige Golfer, die Fahne so schnell rauszuziehen, dass der Ball mit rausfliegt. Dann müssen sie sich nicht so tief bücken. Das Problem ist aber, dass dadurch die Lochkanten verstört werden. Das habe ich selbst gesehen und auch von mehreren Greenkeepern gehört, die darüber sehr betrübt sind.

Das hört sich nicht gut an. Lässt sich denn wenigstens sagen, dass Golf durch die Regeländerungen nun etwas leichter zu erfassen ist?

Bodenstein: Golf ist aus meiner Sicht nur in einem Punkt leichter geworden. Es ist seit diesem Jahr erlaubt, den Schläger in einer Penalty-Area aufzusetzen. Das ist sicherlich ein Vorteil für den dann folgenden Schlag. Was die Kenntnis der Regeln unter den Golfern betrifft, hat sich nichts zum Guten verändert. Viele kümmern sich leider genauso wenig um die Regeln wie zuvor, ist meine Beobachtung. Man muss aber dazu sagen, dass die Golfregeln auch nicht weniger geworden sind. In ihrer schieren Zahl schon, dank diverser Unterpunkte kommt es aber aufs Gleiche heraus wie bisher.

Haben Sie beobachtet, ob sich die Golferinnen und Golfer mit dem Droppen aus Kniehöhe schwertun?

Bodenstein: Natürlich ist das eine Regeländerung, die vielen erst mit der Zeit in Fleisch und Blut übergeht. Wenn jemand aber versehentlich weiterhin aus Schulterhöhe droppt, dann sind die Mitspieler angehalten, ihn oder sie darauf hinzuweisen. Wird dann korrekt aus Kniehöhe gedroppt, bleibt das zunächst falsche Droppen straffrei. Wer seine Mitspieler nicht sofort darauf hinweist, sondern erst mit einem Lächeln am nächsten Loch, handelt definitiv grob unsportlich. Dafür gibt es aus meiner Sicht kein Pardon.

Zur Person: Ronald Bodenstein ist Vizepräsident des Golfverbandes Berlin-Brandenburg und als Platzrichter in dieser Saison bei rund 20 Wettspielen im Einsatz gewesen. Der 70-Jährige ist Mitglied im Golf- und Country Club Seddiner See und bezeugte in diesem Jahr auch offiziell den Driver-Weltrekord von Karsten Maas in Golf in Wall.

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