„Die Niederlande sind ein Vorbild für uns“

„Die Niederlande sind ein Vorbild für uns“
Was bringt neue Golferinnen und Golfer auf die Anlagen? Thomas Hasak wünscht sich eine Identifikationsfigur unter den deutschen Golfern. Foto: A-ROSA

Der Bundesverband Golfanlagen feiert 20-jähriges Bestehen und kommt von Dienstag bis Donnerstag zum 10. Internationalen Fachkongress in Bad Saarow zusammen. Ein Interview mit Geschäftsführer Thomas Hasak über die wirtschaftliche Lage, den Preiskampf und das Warten auf das nächste Golfidol.

 

Herr Hasak, Sie treffen sich gemeinsam mit 250 Golfanlagenbetreibern sowie internationalen Funktionären und Entscheidungsträgern zum Jubiläum im A-ROSA Forum in Bad Saarow. Ist die Branche in Feierlaune?

Thomas Hasak: Natürlich könnte es immer besser sein. Wir machen uns nichts vor. Seit sieben Jahren stagniert die Zahl der Golferinnen und Golfer in Deutschland, und das spüren auch die Golfanlagen im Land. Wenn wir allerdings schauen, was wir als Verband der Golfanlagenbetreiber in den 20 Jahren seit Gründung erreicht haben, dann können wir durchaus stolz darauf sein.

Thomas Hasak, Golf, Wirtschaft, Bad Saarow
Thomas Hasak, Geschäftsführer des Bundesverbands Golfanlagen. Foto: Privat

Was hat sich in diesen 20 Jahren getan?
Hasak: Golfanlagen werden heute deutlich professioneller geführt als damals. Unser Verband wurde gegründet, weil wir überzeugt sind, dass Golfanlagen mit ihrem Millionenumsatz mehr mit einem mittelständischen Dienstleistungsunternehmen gemein haben als mit einem kleinen Sportverein. Management und Mitarbeiter sollten entsprechendes Know-how haben, was man von ehrenamtlich Engagierten vielleicht nicht erwarten kann.

Worin liegt heute das Rezept einer erfolgreichen Golfanlage?
Hasak: Aus meiner Sicht ist der Schlüsselfaktor wie in fast allen Unternehmen der Vertrieb. Golfanlagen brauchen geschulte Mitarbeiter, die sich acht Stunden am Tag um den Vertrieb kümmern, also um die Gewinnung neuer Mitglieder und Greenfee-Spieler. Die Zeiten sind vorbei, in der Menschen ins Sekretariat eines Golfclubs hereinschneien, nach der Höhe des Mitgliedsbeitrags fragen und dann den Aufnahmeantrag gleich unterschreiben.

Wie werden die Neugolfer von heute gewonnen?
Hasak: Indem wir Ihnen genau das individuelle Angebot machen, das sie suchen. Früher gab es keine Alternativen zur ordentlichen Mitgliedschaft, einem Jahresbeitrag von vielleicht 1500 Euro und in Einzelfällen noch einer Aufnahmegebühr. Heute haben Golfanlagen für beinahe jedes Bedürfnis und Spielverhalten etwas anzubieten – egal ob es sich um eine einfache Zwei-Sterne-Golfanlage handelt oder um eine sehr exklusive Adresse mit fünf Sternen.

„Ein Sterben von Golfanlagen hilft niemandem“

Es gibt aber auch Golfanlagen, die sich gegenseitig mit immer niedrigeren Fernmitgliedschafts-Angeboten unterbieten. Manche sind so günstig, dass es sich unmöglich rentieren kann. Ist da ein erbitterter Verdrängungswettbewerb im Gange?
Hasak: Ich sehe es auch mit Sorge, dass einige Golfanlagen als Lösung für ihre schwierige wirtschaftliche Situation nur auf niedrige Preise setzen. Dieses Unterbieten entzieht der gesamten Golfbranche Geld und schadet letztlich allen. Aus meiner Sicht muss die Lösung sein, die Qualität der Angebote zu steigern, dann muss man den Preis nicht senken – besser statt billiger. Dafür muss man sich hinsetzen und sich Gedanken machen.

Würde sich die Lage entspannen, wenn zehn Golfanlagen in Deutschland pleitegingen und vom Markt verschwänden?
Hasak: Diese Gedankenspiele habe ich schon oft gehört. Aber ich halte davon gar nichts. Aus meiner Zeit im Tourismus kann ich sagen: Wenn ein Wettbewerber vom Markt verschwindet, verliert der Kunde Vertrauen in das Produkt allgemein. Ein Sterben von Golfanlagen hilft niemandem wirklich.

Was könnte helfen, Golf populärer zu machen?
Hasak: Wir bräuchten einen Impuls, der von einer Identifikationsfigur ausgeht, von einem Hero. Als Bernhard Langer 1985 das Masters gewann, gab es so einen Impuls, eine Euphorie. Bei Martin Kaymer blieb dieser Effekt trotz seiner zwei Majorsiege, Platz eins in der Weltrangliste und dem entscheidenden Siegputt beim Ryder Cup 2012 in Medinah aus. Ich glaube, der Deutsche Golf Verband (DGV) und Martin Kaymer hätten daraus mehr machen können.

Der DGV wird in Bad Saarow auch vertreten sein. Was erhoffen Sie sich von Ihrem Fachkongress?
Hasak: Ich hoffe auf einen Rucksack voller neuer Ideen und Inspirationen. Wir haben Gäste aus 18 Nationen, so dass es auch um den Austausch von Best-Practice-Beispielen gehen wird. Wenn wir voneinander lernen können, dann sollten wir das nutzen. Unser Vorbild in Europa sind die Niederlande, die uns in einigen Bereichen ein Stück voraus sind: Sie sind besser in der Auslastungssteuerung ihrer Golfanlagen, sind dynamischer und kreativer bei den Mitgliedschaftsformen und damit unter dem Strich erfolgreicher.

Zur Person:
Thomas Hasak ist Geschäftsführer des Bundesverbandes Golfanlagen, der im deutschsprachigen Raum mehr als 200 Golfanlagen vertritt. Seit der Gründung des Verbandes im Dezember 1998 ist Hasak mit dabei.

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