Kinkel und Sasse auf den vorderen Rängen

Kinkel und Sasse auf den vorderen Rängen
Wehret den Anfängen: Alte Schläger und dazu stilechte Kleidung sind bei der German Hickory Open Championship selbstverständlich. Foto: Martin Kabat

Das Abschneiden der Berliner bei der 11. German Open Hickory Championship im thüringischen Gera kann sich sehen lassen: Golflehrer Rolf Kinkel aus Stolper Heide wird Zweiter bei den Pros, Kallins Klaus Sasse Vierter bei den Amateuren. Im kommenden Jahr findet das Turnier in Brandenburg statt.

Der Einladung des Fürstlichen Hickory Golf Club Reuß und der German Hickory Golf Society zu einem Meisterschaftswochenende der besonderen Art in den Golfclub Gera folgten 57 Spieler und Spielerinnen aus 10 Nationen. Aus Berlin und Brandenburg waren fünf Herren und drei Damen im Alter zwischen zwölf und 76 Jahren angereist, um ihr Können mit den historischen Golfschlägern zu zeigen.

Zum Auftakt 9. August revanchierte sich der „Rest der Welt“ nach der letztjährigen klaren Niederlage im Vierball-Bestball-Matchplay mit einem deutlichen 6:3-Sieg über die deutschen Teilnehmer. Das festliche Get-Together im Stile der Zwanziger Jahre am Abend auf Jagdschloss Waidmannsheil bei Saalburg bot bei Champagner und Büffet Gelegenheit, alte und neue Freunde zu begrüßen.

Ein Shotgun, wie er im Buche steht: Heinrich XIII. Prinz Reuß, Ehrenvorsitzender des Reußschen Hickory Clubs, eröffnet mit Kanone „Feodora“ die 3. Reuß Hickory Golf Open. Foto: Martin Kabat

Tags darauf eröffnete die von ihrer Durchlaucht Heinrich XIII. Prinz Reuß, dem Ehrenvorsitzenden des Reußschen Hickory Clubs, abgefeuerte Kanone „Feodora“ den Beginn der 3. Reuß Hickory Golf Open, die zugleich als Runde eins der German Open Hickory Championship gewertet wurde. Dem Fotografen, der seine Finger an Kamera und Auslöser halten musste, summten die Ohren noch einige Zeit später. Am Nachmittag empfingen Klänge der schottischen Highlands leicht erschöpfte aber fröhliche Spieler. Mit dem very scottish aussehenden Dudelsackspieler war jedoch eine Unterhaltung in klarstem Thüringisch möglich.

Brian Gee aus den Niederlanden siegt bei den Pros

Erfolgreichster Berliner: Rolf Kinkel vom Berliner Golfclub Stolper Heide wurde Zweiter bei den Pros. Foto: Martin Kabat

Der Silverspoon, ein zur Gänze versilberten Longnose-Spoon aus dem 19. Jahrhundert, für den Sieger der 3. Reuß Hickory Golf Open wurde am Samstagabend dem Münchner Alexander Huchel überreicht, der den relativ kurzen (5.097 Meter) aber trickreich gesteckten Kurs mit nur 78 Schlägen bewältigt hatte. In der Nettowertung der Damen ging der erste Preis an Maria Vrijmood-de Vries aus Bleijenbeek in den Niederlanden. Mit nur 60 Nettoschlägen spielte Vitèzslav Hoffmann aus dem Golf Club Ypsilon in Tschechien das Golf seines Lebens, das ihm wohl lange in Erinnerung bleiben wird.

Ein strahlender Sieger: Brian Gee (Mitte) mit Glyn Morris (links) und Perry Somers. Foto: Martin Kabat

Beflügelt von den Eindrücken des Vortages und sehr guten Spielbedingungen drehten Berufsspieler und Amateure an Tag zwei richtig auf, wodurch das Leaderboard gehörig in Bewegung geriet. Am Ende setzte sich Brian Gee aus den Niederlanden mit 146 Schlägen (75, 71) gegen den erstarkten Rolf Kinkel aus dem Berliner Golfclub Stolper Heide durch, der seiner 79 vom Vortag eine 73 hinzufügen konnte. Der Brite Glyn Morris verteidigte seinen dritten Rang gegen den vierfachen German Hickory Champion und World Hickory Champion von 2010: „Mister Hickory-Golf“ Perry Somers, Wahl-Kölner mit australischen Wurzeln.

Nichts mit Graphit: Hickory-Schläger sind allein aus Holz, Stahl und Leder (für den Griff) gefertigt. Foto: Martin Kabat

Kurios und selbst beim Hickory-Golf eine Seltenheit: Gustavo Barrios Rivas aus Amsterdam beendete seine zweite Runde mit nur noch drei intakten Schlägern und erkämpfte unter diesen besonderen Umständen eine beachtliche 74 und Platz 5. Das zum ersten Mal für die Pros ausgelobte Gesamtpreisgeld von 5.000 Euro, das sich als Reminiszenz am Preisgeld der ersten German Open von 1911 in Höhe von 5.000 Goldmark orientierte, wurde dankbar entgegengenommen.

Insgesamt 32 Herren kämpften um den Titel des German Open Hickory Amateur Champion, dessen Sieger Alexander Huchel nach 161 Schlägen (78, 83) den „Tanfani-di-Montalto-Pokal“, den wiederentdeckten Amateur-Pokal der German Open des Jahres 1912, entgegennehmen konnte. Der italienische Baron hatte den Pokal seinerzeit einem jungen britischen Offizier namens Hugh Gardner Worgan Bradley als Ehrenpreis überreicht.

Klaus Sasse aus Kallin wird Vierter bei den Amateuren

Mit acht Schlägen Vorsprung distanzierte Huchel Libor Jirásek aus Karlsbad vor Markus Kümmerle, den zweifachen German Amateur Hickory Champion aus Langenstein. Für den Berliner Klaus Sasse aus dem Golfclub Kallin, Champion des Jahres 2013 und Senior unter den Berliner Spielern, reichte es mit nur einem Schlag Rückstand immerhin für Platz vier. Der jüngste Berliner belegte mit seinen gerade zwölf Jahren einen beachtlichen zehnten Platz.

13 Damen waren bei der German Hickory Open Championship dabei – hier Andrea Hoffmannova aus Tschechien. Foto: Martin Kabat

Bei den Damen gewann Kerstin Huck aus St. Leon-Rot gewann im 13-köpfigen Teilnehmerfeld mit 191 (101, 90) Schlägen den erstmals ausgespielten „Lilien-Pokal“ vor Tatjana Thoß aus Wiesbaden und Maria Vrijmoed-de Vries. In der Nettowertung der Herren war Vitèzslav Hoffmann (CZ) der Sieg mit 11 Schlägen Vorsprung nicht zu nehmen, da er der 60 vom Vortag noch eine 63 folgen lassen sollte.

Der von der German Hickory Golf Society als Wanderpokal gestiftete Silberteller, ein Erinnerungspreis an die Deutschen Offenen Meisterschaften des Jahres 1931, wird im Golfmuseum Ypsilon bei Liberec – früher Reichenberg – bis zum nächsten Jahr einen Ehrenplatz erhalten.

German Open Hickory Championship 2020 in Kallin

Die Nettowertung der Damen konnte Tatjana Thoss aus Wiesbaden im Stechen gegen Erika Frey (CH) mit 152 (78, 74) Nettoschlägen für sich entscheiden. Marjolijn Kempers aus Doorn (NL) dürfte durch ihren dritten Platz (153 Schläge) in ihrem allerersten Hickory-Turnier endgültig vom Hickory-Virus befallen worden sein.

Die Berliner Hickory-Spieler werden sich in den kommenden zwölf Monaten intensiv mit ihrer Passion beschäftigen. Schließlich gilt es, die 12. German Open Hickory Championship vom 14. bis 16. August 2020 auf der Golfanlage Kallin bei Berlin vorzubereiten. Für eine noch stärkere Beteiligung britischer und schwedischer Spieler sollen die neuen „Sonderbotschafter“ der German Hickory Golf Society Paul East und Svante Hansson sorgen.

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