Wer Golfplätze schließt, klammert den Verstand aus

Wer Golfplätze schließt, klammert den Verstand aus
Sind Golfplätze das Problem oder die Lösung? Der Rangsdorfer See im Landkreis Teltow-Fläming am 14. Februar. Foto: Privat

Bilder von überfüllten Eisflächen kamen am Wochenende nicht nur aus Berlin, auch vom Rangsdorfer See. Der Landkreis Teltow-Fläming ließ die Menschenmassen dort gewähren, während er seine Golfanlagen de facto zur Schließung zwingt. Wer soll das verstehen? Ein Kommentar.

Es dürften einige hundert Menschen gewesen sein, die am vergangenen Wochenende das Eis des zugeforenen Rangsdorfer Sees auf die Probe stellten, mit ihren Autos sämtliche Parkplätze füllten und sich beim Glühweinverkauf am Strandbad in die Schlange einreihten. Wie viele es waren und wer genau, das lässt sich natürlich nicht sagen. Für „Corona on Ice“ musste niemand vorher eine See-Time buchen. Die Nachverfolgung von Infektionsketten dürfte schwer werden. Aber einen Austausch von Coronaviren befürchteten offenbar nicht einmal die Polizei und das Ordnungsamt, die das Geschehen aufmerksam beobachteten und bewusst nicht einschritten.

Parken am Rangsdorfer See: Entschuldigung, fahren Sie vielleicht gleich raus? Foto: Privat

„Von weitem sah es aus wie ein großer Pulk, aber bei näherem Hinsehen musste man feststellen, dass die Menschen sich an den Mindestabstand gehalten haben“, sagt Rangsdorfs Bürgermeister Klaus Rocher, der ebenfalls vor Ort war. Um jegliches Risiko auszuschließen, hätte es natürlich die Möglichkeit gegeben, den See zu räumen. So geschah es auf den Berliner Seen, die wegen ihrer geringen Eisdicke genauso wenig freigegeben waren wie der Rangsdorfer See. Im Landkreis Teltow-Fläming liegt der Fokus in der Pandemie-Bekämpfung jedoch eher auf Golfanlagen, wie der Golf Club Mahlow und der Golfclub Gross Kienitz derzeit erleben.

Falscher Fokus im Krisenstab

Mit Verstand ist nicht zu erklären, warum hektargroße Golfanlagen mit Hygienekonzept und Abstandsgarantie schließen müssen, während der Landkreis Teltow-Fläming wenige Kilometer weiter das große Treiben auf dem Eis gewähren lässt. Und das ist kein Statement gegen ein bisschen Eistanz mit Mindestabstand, sondern gegen die Logik und den Fokus im Krisenstab des brandenburgischen Landkreises.

Der vordere Flight ist schon nicht mehr zu sehen: Individualsport oder Mannschaftssport? Foto: TSP

Mit der geltenden Eindämmungsverordnung ist die Begrenzung von zwei Golferinnen oder Golfern pro Anlage ebenfalls nicht zu erklären. Denn dort heißt es in Paragraf 12, dass „Individualsport auf allen Sportanlagen unter freiem Himmel allein, zu zweit oder mit den Angehörigen des eigenen Haushalts“ erlaubt ist. Und eben nicht: „Die Zahl der Sporttreibenden pro Sportanlage ist auf zwei Personen oder mehr aus einem Haushalt begrenzt.“ Die entscheidende Frage ist daher: Wird aus dem Individualsport Golf ein Mannschaftssport, wenn jemand in 500 Metern Entfernung auch Golf spielt? Alle Landkreise Brandenburgs beantworten diese Frage mit Nein – außer einer.

Golfanlagen sind mitnichten der Nabel der Welt, nicht in normalen Zeiten, erst recht nicht in Pandemiezeiten. Aber geschlossene Golfanlagen sind ein schreiendes Beispiel dafür, wie sehr eine Behörde den Blick für die Realität verlieren kann. Für die privatwirtschaftlich betriebenen Anlagen ist die de facto Stilllegung schlimm. Denn Geld mit Golf zu verdienen, ist schon in guten Zeiten schwer genug. Schlimmer noch ist der Vertrauensverlust der Bürgerinnen und Bürger in den Staat und seine Behörden, wenn diese den Menschen nicht mehr erklären können, was sie tun.

Lesen Sie auch:
Nach Gerichtsbeschluss: Golfclub Gross Kienitz schließt seine Anlage
Maximal zwei Golfer auf dem Platz: Ordnungsamt-Limit schockt Golf Club Mahlow