Landkreis Barnim schließt Prendener Golfplatz

Landkreis Barnim schließt Prendener Golfplatz
In Prenden darf bis auf Weiteres kein Golf gespielt werden, da die Genehmigung vom Landratsamt auf sich warten lässt. Foto: Golf Club Prenden

Während am Samstag nun auch die letzten Golfanlagen in Deutschland – ohne behördliche Ausnahmegenehmigung – wieder öffnen dürfen, hat der Landkreis Barnim den Golfclub Prenden am Freitagnachmittag erneut schließen lassen. Dort herrscht großes Unverständnis.

Nachdem der Golf Club Bad Saarow vom Landkreis Oder-Spree am Mittwoch die langersehnte Genehmigung erhielt, den Spielbetrieb mit Einschränkungen wieder aufzunehmen, darf nun in ganz Brandenburg Golf gespielt werden, außer in Prenden im Landkreis Barnim. Am Freitagnachmittag ließ das zuständige Ordnungsamt die Golfanlage schließen. Bereits am 30. April hatte die Behörde den Spielbetrieb in Prenden untersagt und die Wiederaufnahme von einer Ausnahmegenehmigung durch den Landkreis abhängig gemacht. „Nach Bekanntgabe der Pressekonferenz der Länder und Frau Merkel am 6. Mai sind wir fälschlicherweise davon ausgegangen, dass wir wieder öffnen dürfen“, schreibt Geschäftsführer Martin Thater auf der Internetseite des Clubs.

Eine Ausnahmegenehmigung hatte das Landratsamt noch nicht erteilt. „Eine erwartete Gewährung einer Ausnahmegenehmigung wird durch das Ordnungsamt Eberswalde und Landrat Herrn Kurth weiterhin verwehrt“, so Thater. Den Antrag habe seine Golfanlage bereits Mitte April gestellt. Er habe sich in anderen Brandenburger Clubs nach deren Anträgen erkundigt und kommt zu dem Schluss: „Von uns werden völlig andere überzogene Kriterien verlangt, was eine extreme Ungleichbehandlung und Schlechterstellung darstellt.“ Einen Teil seines Schriftverkehrs Richtung Landratsamt hat Thater zum Nachlesen auf die Clubhomepage gestellt.

Andere Landkreise reagierten pragmatisch

Da das Ordnungsamt dem Prendener Management am Freitag eine Strafe androhte, sollte die Anlage nicht sofort geschlossen werden, fügte sich der Club. Prenden hatte am 20. April wie die Mehrheit der Brandenburger Golfclubs – darunter der Berliner Golf & Country Club Motzener See, der Golf- und Country Club Seddiner See und die Golfanlage in Groß Kienitz – den Spielbetrieb unter strenger Einhaltung von Sicherheitsabständen und Hygieneregeln aufgenommen. Wie alle anderen Golfanlagen hatte Prenden keine behördliche Ausnahmegenehmigung für eine Öffnung, da die Landesregierung die Lockerungen der Eindämmungsverordnung höchst missverständlich kommuniziert hatte. Während der Großteil der Brandenburger Landkreise dieses Dilemma pragmatisch löste und den Golfanlagen zeitnah eine Ausnahmegenehmigung erteilte, sperrte sich erst der Landkreis Oder-Spree und später Barnim.

Zweimal war das Ordnungsamt zwischen dem 20. und 29. April auf der Golfanlage in Prenden und hatte nichts zu beanstanden. Foto: GC Prenden

Bei mehreren Besuchen des Ordnungsamts auf der Golfanlage in Prenden zwischen dem 20. und dem 29. April hat die Behröde laut Geschäftsführer Thater keinerlei Beanstandungen gehabt. Die Zwangsschließung am 30. April begründete das Landratsamt damit, dass die Entscheidung über den Antrag auf Ausnahmegenehmigung noch ungewisse Zeit in Anspruch nehme und solange der Spielbetrieb zu ruhen habe. Seitdem wartet Martin Thater auf Antwort: „Auf Argumentationen unsererseits wird nicht eingegangen.“

Thater fordert von Landrat Ausnahmegenehmigung

Am Freitagabend wandte sich Prendens Geschäftsführer deshalb noch einmal mit einem Appell an Barnims Landrat Daniel Kurth (SPD). In dem Schreiben, das dem Tagesspiegel vorliegt, schreibt Thater:

Sehr geehrter Herr Landrat Kurth,

bitte beachten Sie den folgenden Hinweis: mit dem morgigen Tag sind wir der letzte Golfplatz in Deutschland, also 1er von 840 dem die Öffnung untersagt ist!

Ich erwarte eine Ausnahmegenehmigung mit dem morgigen Datum. Schadensersatzansprüche werden wir in jedem Fall für jeden weiteren Tag nach morgen geltend machen. In der Verordnung ist geschrieben, dass das Gesundheitsamt die Ausnahmegenehmigung erteilt. Warum verwehren Sie oder Frau Zerche-Roch uns diese? Sind Sie spezialisiert genug im Infektionsschutz um dies zu beurteilen und uns auf Dauer zu verwehren?

Nach Aussage von Frau Zeche-Roch hat Sie von Ihnen persönlich eine Anweisung erhalten, den Golfclub nicht zu öffnen. Ich kann diese Entscheidung nur in einer persönlichen Abneigung gegen den Golfclub Prenden oder dem Golfsport erklären. Möglicherweise sollten Sie durch diese Voreingenommenheit nicht die Entscheidungsmacht in dieser Angelegenheit haben?

Mit freundlichen Grüßen

Martin Thater

Vergeblich wartete Thater nach eigener Angabe am Samstag auf eine Antwort. Auch telefonisch habe er im Landratsamt niemand erreichen können.

Überraschend ist die Haltung des Landrats nicht zuletzt, weil der Landkreis auch Träger der „Gesellschaft für Gesundheit und Leben“ (GLG) ist, die das Training von 100 kardiologischen Rehabilitanden auf der Golfanlage in Prenden ermöglicht. Diese Herzpatienten, für die sich Golf als gemäßigter Sport besonders eignet, hatten zuletzt wieder mit dem Training begonnen. Nun musste Prendens Head-Pro Michael Lins sie wieder nach Hause schicken. „Hier läuft etwas ganz schief“, kritisiert Lins. Der Landrat verkenne nicht zuletzt wegen der nun ausgebremsten Herzpatienten den Mehrwert der Golfanlage für alle Bevölkerungsgruppen.

Der Tagesspiegel hat das Landratsamt in Eberswalde um eine zeitnahe Stellungnahme gebeten.

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