Landkreis gibt Seddin und Märkischem grünes Licht

Landkreis gibt Seddin und Märkischem grünes Licht
Das Clubhaus des GCC Seddiner See e.V. Foto: GCC Seddiner See

Der Märkische Golfclub Potsdam und der Golf- und Country Club Seddiner See dürfen ihre Golfanlagen für einen eingeschränkten Spielbetrieb öffnen. Über den Antrag des Golf Club Bad Saarow will der Landkreis Oder-Spree erst im Laufe des Freitags entscheiden.

„Beide Golfanlagen werden in Kürze die Mitteilung erhalten, dass sie für einen eingeschränkten Spielbetrieb öffnen können“, sagt Andrea Metzler, Sprecherin des Landkreises Potsdam-Mittelmark, auf Nachfrage des Tagesspiegels. In einer Sitzung des Krisenstabs seien die Anträge auf Ausnahmegenehmigung der Clubs in Seddin und Phoeben heute positiv beschieden worden. Damit erhalten beide Golfanlagen Rechtssicherheit.

Der Märkische Golfclub Potsdam hatte den Spielbetrieb seit der coronabedingten Sperrung Mitte März noch nicht wieder aufgenommen und darauf gewartet, dass der Landkreis ihm eine Ausnahmegenehmigung erteilt. Der Golf- und Country Club Seddiner See hatte dagegen am Montag einen eingeschränkten Spielbetrieb gestattet – unter strikter Einhaltung der Abstands- und Hygienvorschriften – und darauf vertraut, dass „individueller Sport im Freien“ auf Golf- und Tennisanlagen nicht verboten ist. So hatte es das Brandenburgische Gesundheitsministerium seit Freitag ausgedrückt, am Sonntag sogar noch einmal explizit in einer Pressemitteilung.

Am Montagmorgen wurde am Seddiner See Golf gespielt, am Nachmittag kam die Anweisung, den Spielbetrieb einzustellen. Foto: Mike Wolff

Doch am Montagabend erhielt der Golf- und Country Club Seddiner See vom Landkreis die Aufforderung, den Spielbetrieb sofort einzustellen. Eine Ausnahmegenehmigung liege nicht vor. Dabei hatte der Club bereits am Sonntag ein fünfseitiges Sicherheitskonzept für einen eingeschränkten Spielbetrieb beim zuständigen Gesundheitsamt eingereicht. Dem Gesundheitsamt fehlte darin wohl das Wörtchen „Antrag“. Während die Landkreise Dahme-Spreewald, Oberhavel und Märkisch Oderland den Golfanlagen des Berliner Golf & Country Clubs Motzener See, des Golfpark Schloss Wilkendorf und des Berliner Golfclub Stolper Heide quasi im Handumdrehen eine Ausnahmegenehmigung erteilten, ließ der Landkreis Potsdam-Mittelmark seine Golfanlagen im Ungewissen.

Zwei Tage lang schien es, als erlaube sich der Landkreis, die in der neuen Eindämmungsverordnung (SARS-CoV-2-EindV) beschriebenen Lockerung der Anti-Corona-Maßnahmen auf ganz eigene Weise auszulegen. Bis am Mittwochnachmittag der Krisenstab des Landkreises Potsdam-Mittelmark den anderen Landkreisen in Brandenburg folgte.

Golf Club Bad Saarow kein begründeter Einzelfall?

Der Golf Club Bad Saarow am Scharmützelsee hat einen Antrag auf Ausnahmegenehmigung gestellt und wird sich laut Landratsamt für eine Antwort bis Freitag gedulden müssen. Foto: A-ROSA

Wenn auch nicht allen: Der Landkreis Oder-Spree, in dem der Golf Club Bad Saarow liegt, verweigert dem Golfresort am Scharmützelsee bisher eine Ausnahmegenehmigung. Nicht, weil das Sicherheitskonzept nicht stimmig wäre und nicht alle erforderlichen Maßnahmen sicherstelle. „Wir verstehen die neue Eindämmungsverordnung so, dass Sportstätten geschlossen zu halten sind und nur in begründeten Einzelfällen mit einer Ausnahmegenehmigung geöffnet werden können“, sagt Becky Meyer-Grunewald aus dem Büro des Landrates Rolf Lindemann (SPD). Ein solch begründeter Einzelfall liege nach bisheriger Einschätzung beim Golf Club Bad Saarow nicht vor. „Aus Solidarität aller Sportarten untereinander hat sich der Kreissportbund uns gegenüber dafür ausgesprochen, alle Sportanlagen gleichermaßen geschlossen zu halten“, erklärt Meyer-Grunewald.

„Keine Entscheidung vor Freitag“

Noch sei der Antrag des Golf Club Bad Saarow allerdings nicht negativ beschieden worden. Vielmehr habe sich das Landratsamt Oder-Spree zur Klärung an das Gesundheitsministerium in Potsdam gewandt. Am heutigen Mittwochabend werde es eine Telefonkonferenz aller Landräte mit der Landesregierung geben, in der auch über den Umgang mit Golfanlagen gesprochen werde. „Vor Freitag werden wir keine Entscheidung fällen“, stellt Meyer-Grunewald klar.

„Die Corona-Fallzahlen im Landkreis Oder-Spree im Vergleich zu den Zahlen anderer Landkreise in Brandenburg rechtfertigen in keiner Weise eine andere Auslegung der Verordnung“, findet Klaus-Jürgen Meier, Mitglied im Golf Club Bad Saarow und 16 Jahre lang Sportwart im Sporting Club Berlin. Zum Vergleich: Sowohl die Fallzahl als auch die Fälle pro 100.000 Einwohner liegen im Landkreis Oder-Spree mit 110 bzw. 62 (jeweils Stand 22.4.2020) sogar unter denen der Landkreise Dahme-Spreewald (161/95), Oberhavel (202/95), Märkisch Oderland (158/81) und Potsdam-Mittelmark (379/175), die den eingeschränkten Spielbetrieb auf Golfanlagen für unbedenklich halten.

Landrat: „penetrante Nachfragen“

„Das Land Brandenburg hat mit der Lockerung der Eindämmungsverordnung etwas anderes gewollt, als das, was der Landkreis Oder-Spree gerade umsetzt“, ist sich Meier sicher. Die Einschränkungen der Grundrechte bedürften in einem freiheitlichen Land wie Deutschland ständiger Überprüfung. Der SPD-Landrat hatte am Dienstagabend die Anträge der Golfclubs und Nachfragen der Golfer, Tennisspieler, Bootseigentümer und Dauercamper beim Landratsamt als „penetrantes Drängen“ kritisiert und als dem Krisenkontext nicht angemessen bewertet. „Es ist traurig, wenn der Landrat Lindemann so tut, als wäre die Ausübung eines Hobbys nichts wert“, sagt Meier. „Sport und Bewegung haben einen großen Wert, gerade in einer so schwierigen Zeit wie jetzt.“

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