London und Golf: ein Heidenspaß

London und Golf: ein Heidenspaß
Weltklasse Bahnen und idyllische Natur: der Old Course im Sunningdale Golf Club. Foto: Mike Wolff

Eine Reise in die englische Hauptstadt ohne Golfschläger ist keine Option. In den purpur-grünen Landschaften des „sand belt“ südwestlich von London findet Golf seine Vollendung.

Golf mag auf kargen, windumtosten Links geboren sein. In der Heidelandschaft vor den Toren Londons findet das Spiel seine Vollendung. Es ist kein Zufall, dass im sogenannten „sand belt“, der südlich der Metropole die Grafschaften Surrey und Berkshire durchzieht, ab Anfang des 20. Jahrhunderts zahllose Golfplätze entstanden. Einige von ihnen genießen heute Weltruhm. Das Farbenspiel von blühender Heide, sattgrünem Gras, Sand, Pinien und – mit Glück – blauem Himmel ist atemberaubend. Viele Plätze liegen derart subtil in der Landschaft, dass man kaum glauben möchte, dass hier nicht schon immer Golf gespielt wurde.

Gerade die traditionsreichen Clubs wie Sunningdale, Walton Heath und St George’s Hill umgibt eine ganz besondere Aura. Der Umgang mit Grashalmen und Geschichte ist dort von einer tiefen Liebe zum Spiel getrieben. Einer, der all diese Bahnen in seiner ruhmreichen Karriere oft gespielt hat und selbst in die Golfgeschichte eingegangen ist, hat sich im Norden Londons verewigt: Severiano Ballesteros hat mit The Shire London einen Platz nach seinem persönlichen Ideal geschaffen – ein Erlebnis.

Wer die englische Hauptstadt besucht, sollte die Golfschläger einpacken. Sunningdale ist vom Flughafen Heathrow aus mit dem Auto in nur 20 Minuten zu erreichen. Wer ganz auf Golf setzt und gerne stilvoll in der Nähe der Golfplätze unterkommen möchte, findet im Hotel Great Fosters den perfekten Ausgangspunkt.

Sunningdale Golf Club

Loch 10 von Sunningdales New Course: jede Menge Landschaft zwischen Tee und Grün. Foto: Mike Wolff

„Ich wünschte, ich könnte diesen Golfplatz mit nach Hause nehmen“, soll der Amerikaner Bobby Jones 1926 nach einer Runde auf dem Old Course des Sunningdale Golf Club gesagt haben. Ein charmantes Urteil von einem der besten Golfer aller Zeiten, dessen Bedürfnis wohl jeder nach einem Besuch in Sunningdale teilen wird. Der Entwurf des Old Course stammt von Willie Park Junior, zweifacher Sieger der Open Championship. 1900 erbaut, bekam der Par-70-Kurs im Laufe der Jahre von Clubsekretär Harry S. Colt manchen Feinschliff verpasst. Colt, bald selbst weltberühmter Platzarchitekt (u.a. Frankfurter Golf Club), entwarf 1923 zudem den New Course, ebenfalls ein Par 70 – und gleichsam Weltklasse.

Der Old Course ist eingewachsener, eine Spur verspielter und wird von sagenhaften 103 Bunkern verteidigt. Vielen gilt er als der Bevorzugte beider Plätze, weil die Bahnen vor allem bis zum Halfwayhaus nach Loch 10 zum Teil beachtlich ansteigen oder abfallen. Die fünfte Bahn mit ihren erhöhten, terrassierten Abschlägen, Heide zwischen Tee und Fairway und einem großen Teich gehört sicher zu den besten Par-4-Löchern der Golfwelt. Spätestens wenn man das 18. Grün erreicht, nur einen Chip unterhalb der gewaltigen Eiche, dem Emblem von Sunningdale, offenbart dieser Club seine besondere, seine friedvolle Aura.

Dem New Course ist die Verwandtschaft zu seinem älteren Bruder klar anzusehen. Seine Schwierigkeit zieht der vielleicht sportlichere der beiden Plätze aus den längeren Distanzen zwischen Abschlag und Fairway. Dadurch schafft Harry S. Colt zahllose Postkartenmotive und den unwiderruflichen Beleg, wie gut Golf und Natur Hand in Hand gehen können. Loch 6, ein Par-5-Dogleg durch ein Meer von Heide ist Colts Geniestreich in Sunningdale. Wer auf dessen Abschlag steht und die Bahn überblickt, dankt sich selbst, dass er Golf spielt.

Eine Runde auf dem Old Course kostet 230 Pfund, auf dem New Course 220 Pfund (maximales Handicap für Herren jeweils -18). Im Preis enthalten ist je nach Tee-Time ein Frühstück oder Abendessen in der Bar des Clubhauses. www.sunningdale-golfclub.co.uk

St George’s Hill Golf Club

Die neunte Bahn von St George’s Hill mit dem Clubhaus im Hintergrund. Foto: Mike Wolff

Dass der St. George’s Hill Golf Club etwas weniger bekannt ist als Sunningdale, kann nur daran liegen, dass der Club in seiner Geschichte weniger Turniere von Weltrang gesehen hat. Denn der 1913 ebenfalls von Harry S. Colt errichtete Platz ist sogar noch eine Spur spektakulärer – insbesondere die roten und blauen neun der insgesamt 27 Löcher. „Colts Anspruch war es, dass sich der Golfer nach der Runde an jedes einzelne Loch erinnern kann“, sagt Clubmanager Gary Peddie.

In St. George’s Hill hat Colt eine von Natur aus dramatisch bewegte Landschaft gefunden, um dieses Ziel zu erreichen. Manche behaupten, hier habe er sein Meisterwerk aus Heide, Gras, Sand und Wald abgeliefert. Man ahnt es schon beim Blick aus dem exponierten, schlossgleichen Clubhaus. Denn auf dem Hügel oberhalb des ersten und zehnten Abschlags sowie des neunten und 18. Grüns bietet sich ein atemberaubendes Panorama.

Die Fairways des Par-70-Platzes (Rot und Blau) mäandern derart, dass der Ball immer wieder aus anspruchsvollen Schräglagen gespielt werden muss, manchmal ohne freien Blick aufs Ziel. Wenn es überhaupt Bahnen gibt, die aus dieser genialen Kompositionen herausstechen, dann muss man das Eröffnungsloch (Par 4) nennen, das durch eine tiefe Senke hindurch auf ein Plateaugrün führt. Außerdem Loch 11 (Par 3), das mit seinen nur 110 Meter ein wahres Gemälde ist.

Gäste sind in St. George’s Hill nach vorheriger Buchung werktags willkommen. Das Greenfee für 18 Löcher liegt bei 165 Pfund, für 27 Löcher bei 195 Pfund. www.stgeorgeshillgolfclub.co.uk

Walton Heath Golf Club

Riesige, makellose Grüns: die elfte Bahn des Old Course vom Walton Heath Golf Club. Foto: Mike Wolff

Der 1903 gegründete Walton Heath Golf Club ist ein Ort voller Geschichte und Geschichten: Der erste Captain des Clubs war kein Geringerer als König Edward VIII. Sir Winston Churhill, nicht wie oft behauptet ein Sportmuffel, war hier ab 1910 bis zu seinem Tod 1965 Mitglied. Mit seiner Frau Clementine drehte der spätere Premierminister (Handicap -18) auf dem Old Course und dem New Course seine Runden – vor dem Ersten Weltkrieg sogar zweimal pro Woche. Einen herausragenden Ruf bis in alle Welt genoss der ehemalige Clubpro Harry Busson, der ab 1977 als Clubmaker in Walton Heath Hölzer und Driver für Spitzengolfer wie Bernhard Langer, Nick Faldo oder Greg Norman baute. 1981 fand in Walton-on-the-Hill der Ryder Cup statt, den die USA gewannen. All diese Sternstunden der Clubgeschichte sind im Clubhaus beeindruckend dokumentiert.

Die Runde auf dem Old Course ist ein Spaziergang durch eine weite, offene Heidelandschaft. Die Bahnen sind meist eben, die Grüns riesig und makellos. Endlose Heidefelder flankieren die Fairways, schmale Bunker mit hochgezogenen, heidebewachsenen Kanten sind herrlich anzuschauen – und nicht zu unterschätzen. Der unverhoffte, spektakuläre Blick vom 13. Grün über einen Großteil des Platzes ist das unstrittige und unvergessliche Highlight der Runde. Das Greenfee liegt bei 180 Pfund an Wochentagen und 205 Pfund am Wochenende. www.waltonheath.com

The Shire London

Maximal Abwechslung und jede Menge Wasser: The Shire London aus der Hand von Severiano Ballesteros. Foto: Andy Hiseman

Der junge Club The Shire London im Norden der englischen Hauptstadt hat weder Heide, noch eine große Tradition – und ist doch etwas ganz Besonderes. Golflegende Severiano Ballesteros hat hier seinen einzigen Golfplatz auf britischem Boden gestaltet. Der 2007 eröffnete Par-72-Kurs hat jeweils die gleiche Anzahl von Par 3, Par 4 und Par 5, wobei nie zwei gleiche Pars aufeinander folgen. In seiner Autobiographie hat der Spanier diesen Abwechslungsreichtum als sein persönliches Ideal beschrieben. „Seve“, der für unkonventionelle Schläge und seine Kreativität berühmt war, bestraft mit seinem Platzdesign schlichtes Draufhauen. Diverse Wasserhindernisse auf dem sehr offenen, mitunter windigen Platz erfordern Zurückhaltung oder ein äußerst präzises Spiel.

Die Runde startet mit einem Paukenschlag, einem Par 3 mit Inselgrün, und endet mit einem langen Par 4, beim dem ein Teich in Form eines riesigen S Grün und Fairway umschlängelt – eine große Spielerei. Die Qualität der Grüns ist fantastisch, die der Fairways nicht ganz. „Wir kommen hier nicht im Anzug, sondern in Jeans wie Seve manchmal auch“, sagt Manager Ceri Menai-Davis. Der Club ist einer von wenigen in London und Umgebung, wo Gäste auch an Wochenenden spielen dürfen (nach 12 Uhr). Das Greenfee an Wochentagen liegt bei 55 Pfund, an Wochenenden bei 75 Pfund. www.theshirelondon.com

Great Fosters – ein einzigartiges Hotel

Ein Aufenthalt im Hotel Great Fosters ist ein besonderes Erlebnis. Foto: Great Fosters

Die Geschichte des denkmalgeschützten Vier-Sterne-Hotels geht zurück bis ins 16. Jahrhundert. Das royale Gefühl, das einen beschleicht, kommt nicht von ungefähr: Königin Elizabeth I. nutzte das Great Fosters als Jagdsitz. Die 43 Zimmer und Suiten des Hotels sind individuell eingerichtet, fünf besonders eindrucksvolle Historic Bedrooms mit jahrhundertealtem Mobiliar. Highlights sind der 50 Hektar große Garten, das Sterne-Restaurant und die herzliche Art des Personals. Eine Nacht im Doppelzimmer gibt es ab 180 Pfund, im Haupthaus ab 235 Pfund. www.greatfosters.co.uk