Luka Kienbaum: Rückkehr mit Herz und Geduld

Luka Kienbaum: Rückkehr mit Herz und Geduld
Luka Kienbaum vom Golf- und Land-Club Berlin-Wannsee. Foto: Arne Bensiek

Mit 15 Jahren ist Luka Kienbaum schon mehrfache Deutsche Mannschaftsmeisterin der Jugend und gehört zum Nationalteam. Plötzlich streikt das Handgelenk der jungen Golferin. Es beginnt eine Odyssee, zweieinhalb Jahre von Arzt zu Arzt, und ein langer Weg zurück – mit Erfolgen auf höchstem Niveau.

„Ich bin eines Morgens aufgewacht und hatte im rechten Handgelenk die Schmerzen meines Lebens“, sagt Luka Kienbaum vom Berliner Golf- und Land-Club Wannsee. Urplötzlich. Nichts habe sie am Tag davor anders gemacht als sonst. Eine dreistündige Klausur in der Schule, eine Stunde Fitness, zwei Stunden Golftraining. „Der Orthopäde vermutete eine Überbelastung und meinte, ich solle eine Zeitlang pausieren, dann verschwinde der Schmerz wahrscheinlich“, erinnert sich die inzwischen 19-Jährige. Doch der Schmerz blieb.

„Mein letztes Turnier war im Januar 2015 die Portuguese International Ladies Amateur Championship, dann bin ich von Arzt zu Arzt gezogen, zweieinhalb Jahre insgesamt, aber niemand konnte mir wirklich helfen“, erzählt Luka Kienbaum. Bis heute wisse sie nicht, was genau den Schmerz in ihrem Handgelenk auslöst und was letztlich Linderung brachte. Ganz schmerzfrei könne sie bis heute noch nicht spielen, aber mit dosiertem Training könne sie die Beschwerden geringhalten. „Jede andere hätte aufgegeben und die Golfschläger in die Ecke geknallt“, ist sich Wannsees Damentrainer Mario Hansch sicher. Luka Kienbaum besitze beispiellose Zielstrebigkeit, Hartnäckigkeit, sei enorm akribisch, strukturiert und ehrgeizig. Hansch glaubt: „Das zeichnet sie aus, und das hat sie diese lange Leidenszeit überstehen lassen.“

Luka Kienbaum, Wannsee, Golf, Final Four 2018
Ganz ohne Schmerzen spielt Luka Kienbaum noch immer nicht – aber auf einem beeindruckenden Niveau. Foto: Arne Bensiek

Vielleicht war es insofern die schönste Geschichte des Final Four 2018 – in jedem Fall die größte Überraschung –, dass Luka Kienbaum im Finale um die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft die amtierende Vize-Europameisterin Esther Henseleit von Hamburger Golf-Club Falkenstein im Einzel besiegte. Das hatte niemand für möglich gehalten. Nach der Hälfte der Runde lag die 19-jährige Berlinerin beeindruckende fünf Löcher vorn. Genauso bemerkenswert wie ihre Schläge: Die mentale Stärke und das taktische Geschick, dank derer Luka Kienbaum die erstarkende Leistungsträgerin der Hamburger auf der Back-Nine nicht mehr zurück ins Spiel kommen ließ.

„Auf dem Papier war dieser Sieg eigentlich gar nicht möglich“, sagt Wannsees Damentrainer Mario Hansch im Rückblick. „Luka konnte zweieinhalb Jahre vor Schmerzen kaum den Golfschläger festhalten, und Esther Henseleit ist in genau dieser Zeit von Erfolg zu Erfolg geeilt und spielt nun auf der Ladies European Tour.“ Das Finale gegen Falkenstein verloren die Wannsee-Damen zwar mit 3:6. Doch zum Jubel über die unerwartete Vize-Meisterschaft kam bei den Berliner Spielerinnen auch die Freude darüber, dass Luka Kienbaum zurück ist – zurück auf höchstem Niveau. Denn schon im Halbfinale war es die 19-Jährige, die den Sieg über den Golf Club St. Leon-Rot besiegelt hatte.

„Du, es ist ja alles so wie früher“

„Es ist unglaublich schön zu sehen, dass ich an einem guten Tag mit einer Esther Henseleit mithalten kann“, sagt Kienbaum. Die Hamburger Tourspielerin ist schließlich das perfekte Beispiel dafür, wo Luka Kienbaum mit ihrem Talent und ihrer Gabe heute stehen könnte, wenn sie die Verletzung nicht gestoppt hätte. „Esther und ich haben schon 2012 um die Deutsche Meisterschaft in der AK14 gestochen und waren später auch gemeinsam im Junior Golf Team Germany“, berichtet die Berlinerin. Im Final-Four-Duell 2018 mit Esther Henseleit, noch vor dem ersten Abschlag, entfuhr ihr die Bemerkung: „Du, es ist ja alles so wie früher.“ Ein cooler Spruch, dem eine große Leistung folgte – der aber natürlich nicht ganz stimmte.

„Es war nie mein primäres Ziel Golfprofi zu werden, aber ich hatte fest vor, mit einem Stipendium College-Golf zu spielen und etwas Anspruchsvolles zu studieren“, betont Kienbaum. Mit ihrem Abiturnotenschnitt von 1,0 und ihren Leistungen im Golf stand die Tür in die USA weit offen. „Die Verletzung hat mir das genommen.“ Kienbaum ging stattdessen drei Monate als Au-Pair nach London, mittlerweile studiert sie im dritten Semester Psychologie an der Universität Potsdam.

Intelligent trainieren statt tagelang Bälle zu hauen

Das erste Turnier, das sie nach ihrer Verletzungspause wieder gespielt habe, seien die Berlin Open 2017 gewesen, bei denen sie mit Runden von 72 (Par) und 70 (-2) startete. 2018 wurde ihre erste komplette Saison nach dem Comeback, mit Einsätzen an allen Spieltagen der Deutschen Golf Liga und dem Ausrufezeichen beim Final Four. „Die Herausforderung für mich ist allerdings intelligent zu trainieren, um den Schmerz im Handgelenk so gering wie möglich zu halten“, erklärt Kienbaum. Sich wie früher zwei Wochen lang von morgens bis abends auf die Driving Range zu stellen und Bälle zu hauen, wenn die Form mal nicht stimmt, das sei für sie nicht mehr möglich.

„Ich finde es bemerkenswert, wie Luka mit den erschwerten Bedingungen umgeht“, lobt Mario Hansch, der sie als Trainer fast so lange begleitet wie Wannsees Daniel Mertl. Golf aufzugeben sei für sie nie in Frage gekommen, sagt Luka Kienbaum. Auch in der Zeit mit den größten Schmerzen sei sie der Konfrontation mit dem Sport nie aus dem Weg gegangen, habe die DGL-Spieltage ihres Teams begleitet und Major-Turniere im Fernsehen geschaut. „Golf ist für mich einfach unersetzbar“, schwärmt sie. „Ich liebe einfach den Druck, den Wettkampf und diesen Sport.“