Marko Rehmer beim Golf: Mit Eddie, ohne Eagle

Marko Rehmer beim Golf: Mit Eddie, ohne Eagle
Marko Rehmer und sein Rauhaardackel Eddie haben es gemeinsam zu einem einstelligen Handicap gebracht. Foto: Mike Wolff

Er war eine Abwehrkante, spielte für Union Berlin, Hertha BSC und Nationalelf. Inzwischen gilt Marko Rehmer als der Dauergolfer unter den ehemaligen Bundesligastars, gerne begleitet von seinem Rauhaardackel. Auf der Runde in Bad Saarow hat der kleine Talisman aber einen schweren Stand.

Marko Rehmer kommt mit Verstärkung. Sohn Jannik und ein Rauhaardackel begleiten den ehemaligen Fußballprofi von Union Berlin und Hertha BSC auf die Golfrunde mit dem Tagesspiegel. „Jannik ist mein Caddie, der fährt das Golfcart, misst mit dem Laser die Entfernung zur Fahne und sagt mir, von wo der Wind kommt“, erklärt Rehmer. Auch den kleinen aufgeregten Vierbeiner stellt er vor: „Das ist Eddie, Eddie the Eagle.“ Ein passender Name für einen Golf-Begleithund. Und eine Kampfansage?

Wir sind mit Rehmer im A-ROSA am Scharmützelsee verabredet für eine 18-Loch-Runde auf dem Stan-Eby-Platz. Als Mitglied der GOFUS – dem Club der golfspielenden Fußballer und Ex-Fußballer – ist der 45-Jährige hier golferisch zuhause. „Der Platz wird unterschätzt, weil sein Name im Schatten von Nick Faldo und Arnold Palmer steht“, bedauert er.

„Einmal pro Woche versuche ich, auf den Golfplatz zu kommen“, sagt Marko Rehmer. Foto: Mike Wolff

Der Name Rehmer wird im Kreis prominenter Golfer dagegen keinesfalls unterschätzt. Man munkelt, niemand spiele mehr als er. „Einmal pro Woche versuche ich, auf den Platz zu kommen“, sagt der Berliner. Ein Handicap von -7,9 beweist, zu welchen Leistungen der ehemalige Innenverteidiger auch auf dem Golfplatz in der Lage ist. Bei seinem Par auf der ersten Bahn ist vor allem der erste lange Putt sehr gut gespielt.

Auch wenn auf den Anfangslöchern nicht jeder Drive das Fairway trifft, kann sich Rehmers harmonischer Schwung sehen lassen. Zumal es sich größtenteils um eine Eigenleistung handelt. In den zehn Jahren, die er nun Golf spiele, habe er nur zwei Trainerstunden genommen. Eine bewusste Entscheidung: „Ich habe meine ganze Fußball-Karriere über gemacht, was meine Trainer wollten, da will ich nun in meiner Freizeit nicht auch noch auf einen Trainer hören.“

„Das Spiel eignet sich, um sich gegenseitig aufzuziehen“

Was ist es dann, das ehemalige Fußballer in Scharen auf die Golfplätze treibt? Rehmer schaut auf den perfekt getrimmten Rasen unter seinen Füßen. „Ich liebe es, draußen zu sein an der frischen Luft und auf dem Rasen, aber mich körperlich nicht mehr so verausgaben zu müssen wie früher“, sagt er. Sich auch nach seiner Karriere fit zu halten, sei ihm wichtig. Er gehe regelmäßig Laufen und spiele ab und zu auch noch Fußball – aber eben nicht mehr mit dem Dampf vergangener Tage.

Die Fußball-Schlachten sind für ihn geschlagen. Jetzt duelliere er sich mit Kumpels wie den Handballern Stefan Kretzschmar oder Silvio Heinevetter am liebsten auf dem Golfplatz. „Das Spiel eignet sich extrem gut, um zu frotzeln und sich gegenseitig aufzuziehen“, findet Rehmer.

Was ist nur mit dem Talisman los? Marko Rehmer sagt: „Es wäre falsch, beim Golf den gleichen Anspruch und Ehrgeiz anzusetzen wie beim Fußball.“ Foto: Mike Wolff

Eddie the Eagle hat als Talisman an diesem Tag große Mühe. Zwar postiert sich der kleine Dackel vor Schlägen immer wieder feinsäuberlich neben seinem Herrchen. Rehmers Par von Loch 1 folgen aber auf der gesamten Front-Nine keine weiteren. Von Eagles – namentlich Eddies Spezialität – ganz zu schweigen. Die Chips geraten häufig eine Spur zu kurz, ebenso die Putts. Wahrscheinlich liegt es an den makellosen Grüns, die schneller erscheinen, als sie so früh in der Saison sein können.

Im Laufe der Runde geht es für Rehmer meist bergauf

„Es passiert mir oft, dass ich schlecht starte“, erzählt Rehmer gelassen. Frustriert sei er darüber nicht, zumal er auch oft erlebt habe, wie es im Laufe der Runde bergauf gehe. „Es wäre falsch, beim Golf den gleichen Anspruch und Ehrgeiz anzusetzen wie beim Fußball.“ Trotzdem verfolge er auch auf dem Golfplatz klare Ziele. Seine bisher beste Runde sei eine 80 gewesen, unbedingt wolle er, dass bald mal eine sieben vorne stehe.

Über den Stan Eby Platz, wo die GOFUS zuhause sind, sagt Marko Rehmer: „Er wird unterschätzt, weil sein Name im Schatten von Nick Faldo und Arnold Palmer steht.“

Erfolge konnte Rehmer in seiner neuen Lieblingsdisziplin schon mehrfach feiern. Das rote Jackett der GOFUS hat er beim jährlichen Abschlussturnier in Bad Saarow schon gewonnen. Ein Hole-in-one sei ihm bei der Uwe-Seeler-Golf-Trophy auf Marbella gelungen. „Aus 175 Metern auf einem ziemlich schwierigen Par 3“, erinnert sich Rehmer. Er habe es erst gar nicht glauben wollen, bis alle Spieler um ihn herum gejubelt hätten. Statt der obligatorischen Getränkerunde für alle Turnierteilnehmer habe er anschließend 1000 Euro an die Stiftung von Uwe Seeler gespendet.

Eddie jagt am Ende nur noch die Enten in den Wasserhindernissen

Beruflich hat Rehmer inzwischen zwei Standbeine. Mit seiner Agentur Inteamsports berät er junge Fußballer in ihrer Karriereplanung. Außerdem ist er Anteilseigner des Start-ups Staramba, das bekannte Persönlichkeiten mit einem mobilen 3-D-Scanner vermisst und aus diesen Vorlagen Miniaturen herstellt. „Wir arbeiten mit allen großen Fußballclubs in Europa zusammen“, sagt Rehmer.

Auch Eddie schaut sich die Puttlinie von Herrchen Marko Rehmer an. Foto: Mike Wolff

Statt eines erbitterten Matchplays zwischen Rehmer und Tagesspiegel verkommt die Golfrunde am Ende zum lockeren Plausch, zum Spaziergang mit Ball und Stock. Die Golfer können das Niveau des Platzes – insbesondere des fantastischen Pflegezustandes – an diesem Tag mit ihrem Spiel nicht erwidern. Auch Dackel Eddie hat die Hoffnung aufgegeben und den Fokus für das Spiel verloren. Statt Birdies jagt er längst die Enten in den Wasserhindernissen des Platzes.

Der Text ist am 29. April 2017 in der gedruckten Golfbeilage des Tagesspiegels erscheinen.

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