Michèle Holzwarth: Gatows großes Kämpferherz

Michèle Holzwarth: Gatows großes Kämpferherz
Michèle Holzwarth gehört seit der ersten Stunde zum Damen-Team des Berliner Golf Club Gatow. Foto: Mike Wolff

Als Jugendliche war sie der Keim für das Damen-Team des Berliner Golf Club Gatow. Michèle Holzwarth geht seitdem mit dem Club und ihren Mitspielerinnen durch alle Höhen und Tiefen und kämpft dabei wie keine Zweite – obwohl sie inzwischen in Süddeutschland arbeitet.

Die erst 30-Jährige ist seit 2016 Managerin des Golfclub Starnberg, einer angesehenen Adresse vor den Toren Münchens. Bis es Michèle Holzwarth beruflich in den Süden verschlagen hat, war sie Kapitänin im Bundesliga-Team des BGC Gatow. Doch dann wurde ihr die Entfernung zu groß und die Zeit zu knapp, um das Amt würdig auszufüllen. „Trotzdem ist es mir wichtig, weiter für den Club zu spielen und das Team zu unterstützen“, sagt die gebürtige Berlinerin. Den Starnbergern, die ihre Managerin nur zu gerne auch in ihrer Damen-Equipe sehen würden, musste die Plus-Handicaperin (+2,0) erst einmal erklären, dass die besondere Verbindung zu Gatow für sie schlicht unzertrennlich ist.

„Ich trage das schwarz-gelbe Logo sehr gerne“, sagt sie. „Wenn ich hier die Auffahrt zum Club hochfahre, dann komme ich nach Hause.“ Ihr Auto trägt nach wie vor das Berliner Kennzeichen B-VB – mit Absicht. „Ich bin großer Fan von Borussia Dortmund, was natürlich farblich auch perfekt zu Gatow passt.“ Wann immer es ihr möglich ist, setzt sich Holzwarth ins Auto, um die Spieltage der 1. Kramski Deutschen Golf Liga (DGL) für Gatows Damen zu bestreiten. Ausgerechnet beim Heimspieltag klappte es in dieser Saison nicht – da war sie für ein Event aus Golf und Klassik in Starnberg unverzichtbar.

Holzwarth gehört zu den Leistungsträgerinnen im Gatower Team. Sie selbst sagt: „Ich bin mit meinem Handicap noch immer an meinem Leistungsmaximum, und so lange ich die anderen noch schlagen kann, werde ich mitspielen.“ Sie zehre von der langjährigen Zusammenarbeit mit Coach Joel Goodson. Sie gebe niemals auf und habe den größten Willen im Team. Berühmt und berüchtigt ist Michèle Holzwarth für ihre impulsive Art, mit der sie den vermeintlich ruhigen Sport lebt und belebt. „Ich feuere mich selbst recht laut an, was nicht jeder mag“, sagt sie und schmunzelt darüber.

Michèle Holzwarth, Golf, Berlin, Gatow
„Ich liebe Golf als Teamsport, weil ich in der Mannschaft vollkommen aufgehe“, sagt Michèle Holzwarth – hier im Vierer mit Franziska Loye. Foto: Arne Bensiek

Mit 13 Jahren hat Michèle Holzwarth begonnen, Golf zu spielen. Ihr Herz hing damals zwar mehr am Fußball. Aber ihr Vater habe sie mitgenommen auf die Driving Range und ihr gesagt, sie dürfe gerne weiter Fußball spielen, wenn sie es denn auch mit dem Golfen probiere. „Mit 15 oder 16 Jahren hat mich dann der Golfvirus voll gepackt“, erinnert sich die Golfmanagerin. „Ich habe damals dem Club-Vorstand gegenüber angeregt, ein Damen-Team aufzubauen.“ Mit Erfolg. Heute gehören die Gatower Damen als Erstliga-Team und zu besten zehn Teams der Republik.

Sie wäre zwar gerne Nationalspielerin geworden, erzählt Michèle Holzwarth. Sie sei ihrem Traum auch nah gekommen, am Ende habe es aber leider nicht geklappt. Auch wenn sie vier Jahre in New Jersey am College Wirtschaft und Personalführung studierte und dort mit dem Golfteam jedes Jahr aufs Neue die Conference gewonnen habe, sei es nie ihr Ziel gewesen, Proette zu werden und auf die Tour zu gehen. „Ich liebe Golf als Teamsport, weil ich in der Mannschaft vollkommen aufgehe“, erklärt Holzwarth. An ihr geliebtes College, die Fairleight Dichinson University, hat sie indes ihre Teamkameradin Victoria Sophie Schrödl vermittelt, die dort bald in Holzwarths Fußstapfen tritt.

Nach dem Bachelor in den USA hat Michèle Holzwarth an der Sporthochschule Köln ein Masterstudium in Sportmanagement absolviert. Neben der anschließenden Arbeit für das Sanitätshaus Alphamed und dem Aufbau eines Netzwerkes für gesundes Golfen hat die Berlinerin auch noch ihren Golfbetriebswirt gemacht. „Mir war einfach klar, dass ich gerne ins Management eines Golfclubs will“, berichtet sie. Dort ist Holzwarth angekommen, wenn auch weit weg von ihrem Herzensclub in Berlin. Da hilft es, wenn man im blau-weißen Starnberg ein BVB-Kennzeichen hat – und einen festen Platz in einem schwarz-gelben Bundesliga-Team.