Mynt Golf: Zwei Berliner auf Ballhöhe

Mynt Golf: Zwei Berliner auf Ballhöhe
Die beiden Berliner Nils Walter und Adrian Ludwig (rechts) sind die Macher hinter Mynt Golf. Foto: Mike Wolff

Die Hauptstadt hat eigene Golfbälle. Mynt Golf heißt das Start-up, mit dem die Berliner Nils Walter und Adrian Ludwig bereits zwei Ballmodelle vertreiben, ein drittes soll folgen. „Der Weg bis hierhin war nicht einfach“, sagt Walter. Der Markt ist zwar riesig, aber hart umkämpft.

Und das gilt nicht nur für die Konkurrenz im Handel, sprich, für das immense Golfballangebot im Fachgeschäft, in Pro- oder Online-Shops. Wer neu dazukommt, muss auffallen, Qualität bieten und dafür erst einmal einen verlässlichen Hersteller finden. Marketing- und Kommunikationswirt Nils Walter (40) und Immobilienkaufmann Adrian Ludwig (45) haben sich viele Gedanken darüber gemacht, was Mynt Golf von anderen Marken unterscheiden soll. Mynt Golf haben sie bewusst ein „cleanes Design“ verpasst, wie sie es nennen. Klare Linien, gedeckte Farben, ein dezentes Paisleymuster. „Wir haben schon gehört, unsere Verpackung sehe aus wie die einer Tagescreme“, sagt Ludwig und lacht. „Besser als Hundefutter.“

Ein Design mit klaren Linien und gedeckte Farben – eher Tagescreme als Hundefutter. Foto: Mynt Golf

Auch mit der Suche nach dem richtigen Produzenten war es für die beiden golfbegeisterten Unternehmer nicht mal eben schnell getan. „Auf Portalen wie Alibaba gibt es tausende unseriöse Angebote, aber die hochwertigen Golfbälle der bekannten Marken werden gerade mal in einer Handvoll Fabriken in China und Taiwan produziert“, berichtet Walter. Eine solche gelte es zu finden und von einer Zusammenarbeit zu überzeugen. Schließlich seien die Mengen, die sie abnähmen, zunächst überschaubar.

Zwei Ballmodelle gibt es, ein drittes soll folgen

„Talent Soft“ und „Ambition Tour“ heißen die ersten beiden Modelle von Mynt Golf. Das eine ist ein 2-Piece-Ball mit geringer Kompression für maximale Weite, das andere ein 3-Piece-Ball mit stärkerer Kompression für ein weicheres Spielgefühl und mehr Spin. Beide haben 332 Dimples, die Farbe Edelweiß und eine dreiteilige Navigationslinie. Die Bälle werden über myntgolf.com direkt vertrieben und kosten bei Abnahme von fünf Dutzend zwischen 1,66 Euro (Talent Soft) und 1,99 Euro (Ambition Tour) pro Stück. An einem 3-Piece-Ball mit Urethan-Mantel und dem Namen „Wizard Pro“ arbeiten die Berliner noch.

Play Mint, das ist die Message die hinter dem Logo steckt. Foto: Mynt Golf

Gegründet wurde Mynt Golf bereits 2017, von Fabian Grünewald und Nils Walter, der die Idee hatte, eine Golfmarke ins Leben zu rufen. Benannt sind die Golfbälle nach Miamis angesagtestem Club, der Mynt Lounge. Grünewald hat sich aus der Unternehmung zurückgezogen, Adrian Ludwig ist im vergangenen Jahr eingestiegen. Stolz ist Mynt Golf darauf, dass Markenauftritt, Logo und Design komplett in Eigenregie entstanden, ohne Hilfe einer Agentur. Play Mynt steht auf der Ballpackung, und diese Message versteckt sich auch im Logo, dessen M sich aus einem Play-Button und einem schwingenden Golfer zusammensetzt. „Mynt steht auch für My next temptation“, verrät Nils Walter. Darum geht es schließlich: Golferinnen und Golfer in Versuchung zu führen, den Berliner Golfbällen eine Chance zu geben.

Mynt Golf hat 20.000 Bälle verkauft – ganz ohne Werbung

Zuversichtlich sind Walter und Ludwig, weil es ihnen ganz ohne Werbung gelungen sei, bereits jetzt mehr als 20.000 Bälle zu verkaufen – allein durch Mund-zu-Mund-Propaganda und über persönliche Kontakte. Adrian Ludwig ist Mitglied im Berliner Golfclub Stolper Heide, sein zwölfjähriger Sohn spielt in der Jugendabteilung des Golf- und Land-Club Berlin-Wannsee. Nils Walter ist auch meist in Stolpe unterwegs. „Ich habe Hockey und Tennis gespielt, aber Golf hat mich am meisten fasziniert“, schwärmt der gebürtige Braunschweiger. Sein Metier seien in den vergangenen zehn Jahren Fotokollagen und Poster gewesen; er habe das Bedürfnis gehabt, etwas neues anzugehen, etwas Großes. „Wir wollen einen der besten Golfbälle auf dem Markt haben“, so das Ziel laut Walter.

Neben Bällen gibt es von Mynt Golf auch Regenschirme, Tees, Cape und Trinkflaschen. Foto: Mynt Golf

Neben Golfbällen vertreibt Mynt Golf auch Accessoires wie Golfschirme, Caps, Tees und Trinkflaschen. Manches Muster und manche erste Charge hätten den hohen Ansprüchen nicht genügt und damit Zeit gefressen, erzählen die beiden Unternehmer. „Wenn wir Mynt Golf draufdrucken, dann muss die Qualität stimmen“, sagt Walter. Das große Geschäft winkt indes mit den Golfbällen. Bei rund einer Milliarde Exemplaren, die nach Recherchen von Walter und Ludwig jährlich rund um den Globus hergestellt werden, reicht immerhin schon ein kleiner Teil vom Kuchen, um als Zwei-Mann-Betrieb durchzustarten.

Das ist hierzulande besonders Vice Golf gelungen, die ihren Produkten einen dicken Anstrich Coolness geben. Die Bälle der Münchner sind heute weit bekannter als die der anderen deutschen Wettbewerber Pearl Golf (Eching/Bayern), SNYDER Golf (Karlsruhe), Foreace (Bremen) und White Nugget (Ratingen). „Natürlich beobachten wir mit großer Anerkennung, was Vice Golf leistet, aber wir sind anders und kein Abklatsch“, betont Nils Walter. Die größte deutsche Golfballmarke vertreibt laut eigenen Angaben mittlerweile mehr Bälle in den USA als auf dem Heimatmarkt. Ein Kunststück, dass den beiden Machern von Mynt Golf sicher auch gefallen würde. Eine reife Leistung wäre schon mal, die Golferinnen und Golfer in Berlin-Brandenburg in Versuchung zu führen, Mynt Golf eine Chance zu geben.

Lesen Sie auch:
Wannsees Herren-Trainer Felix Katzy im Interview: „Haben die beste Team-Chemie“
Material: Was bei Schlägergriffen zählt
Fitting-Talk mit Denis Hohmann: Stahl- oder Graphitschaft?